GUSTAV-SIEWERTH- AKADEMIE

Der Mensch soll verbessert werden 

Eine Verbindung von Mensch und Maschine wird angestrebt. Der Weg ist die Veränderung des Menschen auf verschiedenen Ebenen. Am Ende ist das Ziel die völlige Abschaffung des Menschen. 
Michael Stickelbroeck und Mechthild Löhr bei der Fragerunde nach dem Vortrag
Foto: Peter Winnemöller | Der Dogmatiker Michael Stickelbroeck sprach über das Verschwinden der Person im Transhumanismus. Im Bild: Mechthild Löhr moderierte die Fragerunde nach dem Vortrag.

Den zweiten Tag des Sommerkurses eröffnete der Dogmatiker Michael Stickelbroeck mit einem Vortrag „Das Verschwinden der Person im Transhumanismus“. Menschliche Biologie werde von Transhumanisten nicht als wesentlicher Bezugspunkt für die Identität des Menschen betrachtet. Das Ziel, so der Dogmatiker, sei die totale Transformation des Menschen zu einem künstlichen Wesen. Der Mensch sei in der Theorie des Transhumanismus kein festes Wesen, er sei ein fluides Wesen. Damit so Stickelbroeck stehe diese im Gegensatz zu aristotelischer Philosophie, die den Menschen eben als unveränderbares Wesen ansieht. Worum es gehe, stellte Stickelbroeck am Beispiel des unter anderem von westlichen Regierungen sehr hofierten Publizisten Yuval Harari und dessen jüngstem Buch „Homo Deus“ vor. Es gehe um die Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine. So zu sein, wie die Götter, das sei ein Gedanke, den es schon in der antike gegeben habe.

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Vier Stufen 

Technische Errungenschaften seien natürlich abzugrenzen von nützlichen Erfindungen, wie künstliche Hüften und ähnlichem. Es gehe Transhumanisten um Veränderung, so dass ein neues Wesen dabei herauskomme. Vier Stufen der Veränderung werden angenommen, da ist zuerst das technische Gerät, das er mit sich führt. Die nächste Stufe ist die Verstetigung, indem das Gerät nicht mehr abzuschalten. Im weiteren geht es mit einem Implantat weiter, um am Ende in die Verschmelzung von Mensch und Maschine zu münden.Der verbesserte Mensch habe nach Hararie einen Mehrwert gegenüber dem unveränderten. Am Ende gehe es darum, den Menschen komplett zu ersetzen. 

Es folgte am Nachmittag eine Podiumsdiskussion mehren Referenten, das von Claudia Kaminski, Vorsitzende der ALfA, moderiert wurde. An dem Podium nahmen Michael Stickelbroeck, Dirk Weisbrod und der Chirurg Kai Witzel teil. Auf die Frage nach einer Welt ohne Leid antwortete Stickelbroeck, natürlich gehe es darum, Schmerz zu mindern. Das sei die Aufgabe der Medizin. Transhumanisten wollen hingegen durch Technik das Leid komplett ausräumen. Es gehe aber darum, das Leid anzunehmen, das unvermeidbar den Menschen erreiche.

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Auf die Frage ob solche Verbesserungen nicht zu teuer seien, antwortete Dirk Weisbrod, Herausgeber des Vatican Magazins, kostspielig seien Verbesserungen sicher, darum sei es wahrscheinlich, dass sowas nur für eine Elite sein. Interessanter seien da KIs, die Datenmuster ermitteln, um vorab Erkrankungen auszuschließen. 

Ideen der Transhumanisten

Kai Witzel antwortete auf die Frage nach dem Leid , sicher sei er in der Verantwortung, Leid zu vermeiden. Das Interesse daran sei groß. Interesse an einer gesundheitlichen Optimierung gebe es sicher. Aber sobald es um Mitwirkung gehe, zum Beispiel Abnehmen, Rauchen aufgeben und ähnliches, ist das Interesse plötzlich nicht mehr so groß. Es folgte ein Vortrag über „Digitalisierung: Technischer Fortschritt als kulturelle Herausforderung“ von Werner Thiede, der darüber schon in der Tagespost publiziert hatte. Schließen soll der Tag mit einem Radiofeature über Transhumanismus, um sich einmal aus erster Hand mit den Ideen der Transhumanisten bekannt zu machen. 

Am morgigen letzten Tag stehen noch medizinische, philosophische und sozialwissenschaftliche Aspekte des Transhumanismus im Fokus. Die Tagespost wird auch vom letzten Tag des Sommerkurses der Gustav- Siewerth- Akademie berichten. DT/pwi

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost einen umfassenden Bericht über den diesjähren Sommerkurs der Gustav-Siewerth- Akademie.

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