Dieser Text bildet den Auftakt zum Osterforum der Tagespost, das sich mit dem Thema Tod und Auferstehung auseinandersetzt. In den folgenden Tagen werden die weiteren Artikel dieser Beilage online publiziert.
Noelia ist tot. Die junge Spanierin starb vor wenigen Tagen durch assistierten Suizid. Ein Kind aus prekären Verhältnissen, Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung, querschnittsgelähmt nach einem versuchten Selbstmord, schwer depressiv: Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Noelia Castillo Ramos. Zurück bleibt eine zerrissene Familie, die vergeblich um das Leben der 25-Jährigen gekämpft hat, und eine Gesellschaft, an deren Händen Blut klebt. Seit 2021 sind in Spanien sowohl die Beihilfe zum Suizid als auch die Tötung auf Verlangen legal.
Der Tod als Eingeständnis des existenziellen Scheiterns, das Osterfest als Hoffnung auf ein ewiges Leben – der Kontrast könnte nicht größer sein.
In Deutschland kippte das Bundesverfassungsgericht 2020 das gesetzliche Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe unter Berufung auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht.
Kein souveräner Akt, sondern Verzweiflungstat
Die Entscheidung des Einzelnen, sich das Leben zu nehmen, sei „als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren“. Wie zynisch die Rede von der „Selbstbestimmung“ ist, macht der Fall Noelia deutlich, zeigt er doch, dass Selbstmord kein souveräner Akt, sondern eine Verzweiflungstat ist. Wo Selbstbestimmung zum höchsten Dogma wird, auch dort, wo sie zerstörerisch wirkt, leidet die Menschenwürde.
Für eine Gesellschaft, die auf dem Glauben an die Menschenwürde gegründet ist, ist jedes Leben der Rettung wert. Eine Gesellschaft, die aktive Sterbehilfe akzeptiert, sieht einzelne Leben stattdessen als endgültig gescheitert an. Wie tief diese letztlich nihilistische Ethik in die Köpfe und Herzen eingesickert ist, zeigt eine aktuelle INSA-Umfrage im Auftrag der „Tagespost“: Eine absolute Mehrheit der Deutschen befürwortet die Beihilfe zum Suizid (59 Prozent) und eine Legalisierung der in Deutschland bis jetzt verbotenen Tötung auf Verlangen (64 Prozent). Auch Katholiken sind in der Mehrheit für Suizidhilfe (58 Prozent) und die Tötung auf Verlangen (63 Prozent).
Diese Ergebnisse korrespondieren mit dem Verlust des Glaubens an den auferstandenen Jesus Christus und an ein Leben nach dem Tod – auch unter Christen. Die leibliche Auferstehung Jesu Christi wurde in den letzten Jahrzehnten von der liberalen Theologie allzu oft ins Symbolisch-Zeichenhafte sublimiert. Sicherlich ist das ein Grund, warum selbst unter Katholiken diejenigen in der Minderheit sind, die an die Auferstehung glauben.
Nun gehört es zum Kern des christlichen Bekenntnisses, dass Jesus Christus den Tod überwunden hat und wirklich und wahrhaftig auferstanden ist. Nur die Auferstehung verleiht dem christlichen Glauben ihren Sinn: An Ostern feiern wir, dass der Sohn Gottes selbst unsere Sünden auf sich genommen und sein Leben für uns hingegeben hat, um die Menschen zu erlösen und ihnen eine Ewigkeit im Angesicht Gottes zu eröffnen.
Eine Hoffnung, die anders leben lässt
Das ist eine Hoffnung, die anders leben lässt. Eine Hoffnung, auf der sich eine ganze Kultur errichten lässt, für die der Glaube an die Ewigkeit zentral ist – oder es jedenfalls einmal war. Der Glaube daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, ist der hermeneutische Schlüssel der großen und kleinen Schöpfungen dieser Kultur, bis hinein in die europäische Kulinarik. Hoffnung gibt auch, dass die jüngere Generation nicht nur häufiger an ein Leben nach dem Tod und an die Auferstehung Jesu Christi glaubt, sondern dass bei den jüngeren Menschen auch die Zustimmung zur Suizidhilfe und der Tötung auf Verlangen sinkt.
Auf die menschliche Grunderfahrung der Sterblichkeit findet die Philosophie seit Jahrtausenden verschiedene Antworten. Mit der fortschreitenden Technisierung und Durchrationalisierung dieser Welt wächst gleichzeitig die – vergebliche – Hoffnung auf ein ewiges Leben im Diesseits. Denn eines bleibt sicher: Jeder von uns wird sterben.
Die Frage ist nur: Wie gehen wir damit um? Gläubige Menschen wissen, dass das Ziel des Lebens nicht in der maximalen Selbstbestimmung liegt, sondern in einer Ewigkeit ohne Tränen und Leid. Diese Hoffnung hegen sie auch stellvertretend für die, die nicht an die Ewigkeit glauben. Aus dem Wissen um die eigene irdische Endlichkeit erwächst auch die Erkenntnis der Kostbarkeit jedes einzelnen Augenblicks.
Der Tod muss durchlitten werden, um so zur Geburtsstunde eines neuen Lebens zu werden. Dessen freudige Erwartung ist es auch, die dem hiesigen Leben seinen ganzen Sinn verleiht. Ein gesegnetes Osterfest!
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