Elementarpädagogik, deren Qualitätsstandards, die Messung von Ressourcen und die Ergebnisse einer österreichweiten Befragung zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Personals in Kindergärten und Kinderkrippen waren Thema einer Veranstaltung des Österreichischen Instituts für Familienforschung am Donnerstag, 18. Juni, in Wien.
Zu Beginn ging Astrid Wirth vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien auf den bundesländerübergreifenden Bildungsrahmenplan in Österreich ein. Dieser gibt die pädagogischen Qualitätskriterien für Kindergärten vor. Man müsse dabei berücksichtigen, so Wirth, dass sich die außerhäusliche Betreuung in den letzten 30 Jahren stark gesteigert hat. So wurden 1996 „nur“ 50 Prozent der Kinder ab vier Jahren in Kindergärten betreut, 2025 ist der Anteil bereits auf 90 Prozent angewachsen. Wie Wirth weiter erörterte, sei die Prozessqualität zentraler Prädiktor für die kindliche Entwicklung.
Hochwertige Ausbildung ist Grundlage
„Damit ist die Qualität der pädagogischen Prozesse im täglichen Miteinander gemeint“, so die Bildungswissenschaftlerin. Dies wirke sich langfristig auf den Schulerfolg und die Bildungskarriere aus. Voraussetzung seien die professionellen Kompetenzen der Fachkräfte. Diese seien grundsätzlich beeinflussbar und veränderbar. Eine qualitativ hochwertige Aus-, Fort- und Weiterbildung sei eine zentrale Grundlage für Weiterentwicklung.
Andreas Baierl vom Österreichischen Institut für Familienforschung stellte das Projekt „die Personalausstattungsquote – ein Indikator zur Messung der Personalausstattung in Kinderbetreuungseinrichtungen“ vor, das im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt und im Rahmen des „Ländermonitors frühkindliche Bildungssysteme“ entwickelt wurde. „Im Gegensatz zu Österreich stellt die Datenquelle in Deutschland der Kinder- und Jugendhilfe eine tiefreichende Möglichkeit dar, den derzeitigen Personalschlüssel in Kitas zu erheben, da Mikrodaten über das deutsche Forschungsdatenzentrum, wie Alter von jedem Kind und Qualifikation jedes einzelnen Beschäftigten, abfragbar sind“, so Baierl.
Die Personalausstattungsquote, erklärt Baierl, gibt an, inwieweit die Personalressourcen einer Einrichtung den fachlichen Empfehlungen entsprechen, unter Berücksichtigung des Alters und des allfälligen Förderbedarfs jedes einzelnen Kindes. Demnach ergibt sich ein Betreuungsschlüssel für Kinder unter einem Jahr von 1:2, also ein Betreuer für zwei Kinder, von einem Jahr bis drei Jahre 1:4 und ab dem dritten Lebensjahr von 1:9. Laut der Projektstudie zeigt sich in Deutschland, dass nur jede siebte Kita genügend Personal für eine bedarfsgerechte Betreuung hat. Außerdem gebe es, so Baierl, große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Den Angaben nach erreichten 16,3 Prozent der westdeutschen Kitas eine bestmögliche Fachkraftquote, in Ostdeutschland waren es hingegen nur zwei Prozent. Wie der Statistikexperte abschließend feststellte, entspanne sich der Fachkräftemangel in Deutschland zusehends, was vor allem der sinkenden Geburtenrate geschuldet ist.
Michael Lillich vom Institut für Gesundheitsförderung und Prävention in Wien ging in seinem Beitrag auf die Ergebnisse der AKTAHS (Austrian Kindergarten Teacher and Assistant Health Study) über die Gesundheit des Personals elementarpädagogischer Einrichtungen ein. Befragt wurden 7102 Leiter, Betreuer und Assistenten von Kitas, in verschiedenen Altersgruppen und in verschiedenen Lebensräumen. Danach halten 65 Prozent der Leiter von Kitas ihren Gesundheitszustand für subjektiv gut, 56 Prozent der Elementarpädagogen und 58 Prozent der Assistenten. Tendenziell schlechter bewerten die Befragten ihren Gesundheitszustand, die in Großstädten arbeiten, Elementarpädagogen, die mehr Arbeitsstunden haben, und Assistenten über 50 Jahre.
Die angegebenen Beschwerden reichen von Erschöpfung über Rückenbeschwerden und Einschlafprobleme bis zu Energie- und Antriebslosigkeit. Die emotionale Erschöpfung findet sich vor allem bei den befragten Personen, die in Großstädten arbeiten, bei Leitungen unter 35 Jahren, Elementarpädagogen und Assistenten mit hoher Arbeitsstundenanzahl und Assistenten bei einem hohen Betreuungsschlüssel. Positiv vermerkte Lillich die hohe allgemeine Berufszufriedenheit.
So sind 79 Prozent der Assistenten zufrieden mit ihrem Beruf, 72 Prozent der Leiter und 66 Prozent der Elementarpädagogen. Die Arbeit mit Kindern wird von nahezu 100 Prozent der Befragten mit Freude verbunden und als sinnstiftend empfunden. Als belastend werden Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten genannt und Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten. Für 75 Prozent der Elementarpädagogen sind zu viele Kinder in einer Gruppe schwer zu händeln.
Lillich kommt zu dem Schluss, dass die Berufsgruppen über eine gute allgemeine Gesundheit und eine hohe Berufszufriedenheit verfügen. Aus deskriptiver Sicht weist das Personal elementarpädagogischer Einrichtungen einen schlechteren subjektiven Gesundheitszustand als zum Beispiel Lehrpersonen in Schulen auf.
Die Autorin ist freie Journalistin und betreibt die Plattform www.kinderbetreuung.at.
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