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Wir wünschen uns ein Kind, aber es klappt nicht. Was können wir tun?

Eine niederschwellige Maßnahme kann sein, den Zyklus genauer zu beobachten. Hier erfahren Sie, wie das geht.
Frau mit einem Schwangerschaftstest, der ein negatives Ergebnis anzeigt.
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Elena Shishkina (www.imago-images.de) | Wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappen will, bietet die NER einen ersten Ansatzpunkt, um eine höhere Empfängniswahrscheinlichkeit zu erreichen.

Diese Kolumne befasst sich regelmäßig mit Fragen zu Sexualität und Partnerschaft. Am Schluss des Textes können Sie anonym Ihre Fragen einreichen.


Wenn eine Schwangerschaft auf sich warten lässt, ist das für viele Paare belastend – umso wichtiger ist es, die eigenen fruchtbaren Tage wirklich zu kennen und gezielt zu nutzen. Die Natürliche Empfängnisregelung (NER) ist eine wissenschaftlich fundierte Methode – nicht nur, um eine Schwangerschaft (zeitweise oder auf Dauer) zu vermeiden, sondern auch, um sie bewusst anzustreben. Durch die Beobachtung des weiblichen Zyklus erhält man Erkenntnisse über möglicherweise fruchtbare Tage. Es wird weder mechanisch noch chemisch in den Zyklus eingegriffen, weshalb man bei der NER nicht von Verhütung sprechen kann, sondern von einer Regelung der Empfängnis. Durch das Wissen, das aus den Zyklusaufzeichnungen hervorgeht, ist es möglich, bewusste Entscheidungen zu treffen und das Verhalten als Paar den natürlichen Gegebenheiten anzupassen.

Auch wenn ein Zyklus noch so schön ausgeprägt ist, wird nicht in jedem Zyklus eine befruchtungsfähige Eizelle freigegeben, weil beispielsweise das Eibläschen keine Eizelle enthält, nicht springt oder die Eizelle in der Eibläschenhülle hängen bleibt. Eine freigegebene Eizelle ist nur wenige Stunden befruchtungsfähig. Leider hält sich die Illusion vom 28-Tage-Zyklus mit Eisprung am 14. Zyklustag hartnäckig. Da der Zyklus aber sowohl von Frau zu Frau als auch bei ein und derselben Frau individuell und damit sehr unterschiedlich ablaufen kann, ist es bei Kinderwunsch existenziell, die persönlichen fruchtbaren Tage zu kennen. Die Länge eines Zyklus ist für die Fruchtbarkeit dabei nicht aussagekräftig. Wir erleben immer wieder in der Beratung, dass vielen Paaren dieses Wissen fehlt und sie daher den besten Zeitpunkt gar nicht bewusst für ein Einswerden nutzen können und somit „verpassen“.

Neben dem Messen der Aufwachtemperatur ist das Beobachten des Zervixschleims sowie die Veränderungen des Muttermundes Teil der Zyklusbeobachtungen. Das heranreifende Eibläschen produziert Östrogen, welches dazu führt, dass im Gebärmutterhals (Zervix) Zervixschleim gebildet wird. Dieser ermöglicht es den Spermien zu überleben und somit mehrere Tage befruchtungsfähig zu bleiben. Im sonst säuerlichen Milieu der Scheide ist dies nicht möglich. Durch dieses faszinierende Zusammenspiel erweitert sich das Zeitfenster der gemeinsamen Fruchtbarkeit des Paares deutlich.

Viele Frauen beobachten Unterschiede in der Schleimqualität, oft zunächst eher cremig und dann sehr flüssig und dehnbar. Der günstigste Zeitpunkt für eine Empfängnis ist der Tag des Schleimhöhepunktes (flüssig/dehnbar) sowie der Tag davor und der Tag danach.

Oft wird übersehen, dass Samenzellen längere Zeit benötigen, um wirklich reif, also voll funktionstüchtig zu sein. Deshalb kann es sinnvoll sein, am Zyklusbeginn eine längere Enthaltsamkeit einzuhalten, um dann in den besten fruchtbaren Tagen körperlich eins zu werden.

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Wichtige Erkenntnisse über den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage lassen sich ebenfalls durch das Abtasten des Muttermundes gewinnen. Aufgrund der hormonellen Veränderung öffnet sich der Muttermund, um das Aufsteigen der Spermien zu ermöglichen. Dies lässt sich durch Abtasten des Muttermundes beobachten und liefert wichtige Hinweise über den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage.

Durch die Fruchtbarkeit dürfen wir in besonderer Weise an der Schöpfung Gottes mitwirken. Fruchtbarkeitsmanagement mithilfe von Zyklusbeobachtungen hilft, dieses Geschenk frei und verantwortungsvoll zu leben.

Weitere Informationen, Kurse und Beratungsstellen findet man unter www.iner.org.

Die Autorin ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und Beraterin für Natürliche Empfängnisregelung nach Josef Rötzer.


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Bei der Kolumne „Sex and Soul“ handelt es sich um einen Meinungsbeitrag, der Leserfragen ausschließlich in allgemeiner Weise aufgreift und keine persönliche Beratung leistet.

Unabhängig davon bietet die Tagespost weder im Rahmen dieser Kolumne noch anderweitig persönliche Beratungsleistungen an.

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Nathalie Kienzle Sex & Soul

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