Weihnachtsbotschaft

Voll Frieden leben

„Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ ist Teil der Weihnachtsbotschaft. Wie der weihnachtliche Frieden das ganze Jahr über das Familienleben prägen kann.
Das schönste und dauerhafteste Geschenk sind Zeit und Aufmerksamkeit.
Foto: Imago / Westend61 | Das schönste und dauerhafteste Geschenk sind Zeit und Aufmerksamkeit.

In diesem Jahr bietet die Post rund um Weihnachten zwei Briefmarken an. „Friedvolle Weihnachten!“ steht auf der einen, „Ich verkündige euch eine große Freude“ auf der anderen. Botschaften, die in diesen Tagen nicht aktueller sein könnten. Nach Frieden und dauerhafter, tiefer Herzensfreude sehnt sich die ganze Welt.

Beide Briefmarken beziehen sich auf die Weihnachtsgeschichte. Bei der Verkündigung an die Hirten verheißen die Engel den Frieden auf Erden, je nach Übersetzung klingt das allerdings ein wenig anders. So heißt es in einer älteren Bibelausgabe „auf Erde Frieden unter Menschen eines guten Willens“, bei der alten Einheitsübersetzung „Friede bei den Menschen seiner Gnade“ und „Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ in der neuen. Sind damit nur bestimmte Gruppen gemeint, ist der Friede ein exklusives Geschenk?

Vieldeutige Übersetzung

Die knappe und dichterische Sprache mache eine Übersetzung schwierig und vieldeutig, erklärt der Bamberger Diözesanadministrator Weihbischof Herwig Gössl im Gespräch mit der „Tagespost“. „Das Friedensangebot Gottes gilt grundsätzlich allen Menschen. Denn im griechischen Urtext steht kein Artikel, obwohl es immer so übersetzt wird. Das ist sehr offen und weit, aber auch qualifiziert: der Friede ist Menschen zugesagt, die von diesem Wohlwollen Gottes angerührt sind und selbst dieses Wohlwollen widerspiegeln, so würde ich verständlicher übersetzen.“

Als Geschöpf Gottes habe jeder Mensch eine Antenne für den Frieden in sich. „Es gibt Menschen, die friedliche Menschen sind, von Gottes Frieden angerührt, obwohl sie von Jesus Christus nichts gehört haben“, sagt Gössl. Für jeden Menschen also eine Zusage und gleichzeitig eine Aufforderung, „den Frieden konkret werden zu lassen, im Alltag, im Umgang miteinander“. Heutzutage denken wir in erster Linie an den Krieg in der Ukraine, wenn wir uns Frieden wünschen. Der biblische Friedensbegriff aber meint nicht nur die bloße Abwesenheit von Streit, Krieg, Neid oder Missgunst. „Wenn die Bibel von Frieden, von Schalom spricht, ist das ein umfassender Friedensbegriff. Es bedeutet ein Zu-frieden-Sein des Menschen vor Gott und mit seiner Umwelt, mit seinen Mitmenschen, und eine echte Zufriedenheit der ganzen Schöpfung. Das zeigt das berühmte Bild Jesajas vom Wolf, der beim Lamm liegt, und dem Kind, das in der Nähe der Schlange spielt“, führt Gössl aus.

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Den wahren Frieden bringt Gott

Dennoch ist der Friede eine „Sehnsucht und nie so ganz verwirklicht“, was angesichts der vielen Nöte und offensichtlichen Probleme unserer Zeit einleuchtet. Viele Eltern fragen sich daher, auf welcher Basis sie ihren Kindern dennoch Hoffnung und Zuversicht vermitteln können. „Mir gibt der Glaube Hoffnung“, sagt Gössl, „und deswegen halte ich das Glaubensleben in Familien für ganz wichtig. Ich kann diese tiefe Hoffnung letztlich nur aus dem Glauben schöpfen, der mir eine gewisse Gelassenheit gibt. Das ist mehr als ein einfaches ,wird schon wieder‘, oder ,ist schon immer wieder geworden‘. Denn ich weiß, dass die Erfüllung, die Gott mir schenkt, unendlich viel größer ist als alles, was ich mir ausdenken könnte.“

„Friede ist nicht Fernsehprogramm und Geschenke, sondern eine Arbeit, man muss es wollen.“
Martine Liminski

Den Frieden in der Familie beschreibt Martine Liminski, frühere Lehrerin und Frau des verstorbenen „Tagespost“-Autors Jürgen Liminski, im Gespräch mit der „Tagespost“ so: „Friede ist nicht Fernsehprogramm und Geschenke, sondern eine Arbeit, man muss es wollen. Seine Tiefe erhält der Frieden durch Gott, sonst bleibt er oberflächlich.“ Dazu gehöre, zu verzeihen und immer wieder neu anzufangen, erklärt sie. „Friede ist Frucht der Kommunikation. Wir haben alle viel zu tun und trauen uns manchmal nicht, zu sagen, was uns stört, oder wir platzen damit heraus und der andere wird gekränkt. Die Wahrheit zu kommunizieren, ohne den anderen zu verletzen, weil wir lieben wollen, darum geht es.“ Eltern haben hier eine besondere Aufgabe, stellt die erfahrene Mutter von zehn erwachsenen Kindern und Großmutter einer munteren Schar von Enkeln heraus: „Ein Kind ist nicht unser Besitz, sondern uns anvertraut, damit wir es die Liebe Gottes erfahren lassen, so dass sich das Kind nach Gott ausrichten kann.“

Bitte – Danke – Entschuldigung

Vielen ist bekannt, dass Papst Franziskus in seinen Ansprachen immer wieder die drei Worte „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“ erwähnt, die Familien helfen, friedvoll miteinander zu leben. Martine Liminski schätzt diese Anregung sehr: „Diese drei Worte können wirklich ganz viel Liebe und Hingabe vermitteln, gerade in der Familie. Sie haben sich mir tief eingeprägt. Es ist nämlich ganz konkret. Man denkt, es sei selbstverständlich, dass einem die Butter gereicht wird, aber das ist es nicht. Wenn ich bitte und danke sage, vermittelt das dem Anderen Respekt.“

Realistisch gesehen, geht es in Familien nicht immer spannungsfrei zu. „Natürlich ist Familie auch ein Ort, wo man heranwächst, wo man sich reibt, wo man auch streitet“, kommentiert Herwig Gössl. Aber Familie stehe vor allem für einen „Urzustand von Frieden“, auf den wir uns immer wieder berufen und zurückbesinnen könnten. Familie also als bevorzugter Ort der Friedenserfahrung, die eine tragfähige Grundlage für das weitere Leben schafft: „Diese Form der Zufriedenheit, der Geborgenheit, ist etwas Urmenschliches, das mit der Geborgenheit des Kindes vor allem bei der Mutter und bei den Eltern zu tun hat. Das sind Empfindungen, die ein Mensch, wenn er sie machen darf – es gibt ja auch Menschen, die dies nicht erfahren – sein Leben lang nicht vergisst.“

Verbindende Erinnerungen

Den besonderen Wert gemeinsamer Erinnerungen für die Familie hebt Martine Liminski mit den Worten hervor: „Das ist die Schatzkiste, die man zu Hause hat.“ Ihr verstorbener Ehemann Jürgen habe ihnen viel hinterlassen: „Eine reiche Erinnerung an die gemeinsame Zeit und seine Zuwendung. Das verbindet uns in der Familie.“ Daher schenkt Liminski ihrer Familie lieber ihre Zeit, ihre Kraft oder ein schönes gemeinsames Erlebnis wie etwa einen gemeinsam verbrachten Sonntag mit einem guten Mittagessen am liebevoll gedeckten Tisch und einer Aktivität am Nachmittag als teure Geschenke. „Dadurch ist die Wertschätzung viel sichtbarer. Diese Aufmerksamkeit füreinander, das ist etwas, das bleibt, alles andere ist vergänglich. Davon können wir das ganze Jahr zehren.“

Friede als Kampf zwischen Liebe und Egoismus

Und so möchte Martine Liminski ihre Gedanken zum Frieden nicht nur für die Weihnachtszeit, sondern generell für das Zusammenleben verstanden wissen. „Der Friede kann nur wachsen, wenn wir uns selbst ein bisschen loslassen und sehen, wie wir Liebe schenken können“, ist sie überzeugt. Es sei ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Liebe und Egoismus. „Wir sind ja nicht auf Erden, um Blumen zu pflanzen, sondern um Liebe zu schenken. Und es gibt unzählige Möglichkeiten, in den kleinen Dingen Liebe zu schenken. Wir warten immer auf die großen Gelegenheiten, aber die kommen vielleicht zweimal im Leben. Die kleinen Dinge im Alltag gibt es so oft, dass man da nicht ,arbeitslos‘ wird.“ Weihbischof Gössls Herzenswunsch für Familien lautet: „Ich wünsche den Familien, dass sie sich in dieser Weihnachtszeit wirklich Zeit füreinander nehmen, ohne das zu einem großen Stress werden zu lassen. Miteinander spielen, reden, spazieren gehen, diese kostbare Zeit nutzen. Und natürlich auch miteinander beten, damit man spürt, Gott gehört mit hinein in unsere Familie. Er ist der tragende Grund von allem.“

So können Familien auch nach Weihnachten getrost beide Briefmarken verwenden: „Friedvolle Weihnachten!“ ebenso wie „Ich verkündige euch eine große Freude“. Schließlich weist selbst die Post darauf hin: „Dass Gott mitten in der Welt nahe ist und sie durch seine Gegenwart erneuert, das ist wahrhaft Grund zu großer Freude!“

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