Eheberatung

Schwierigkeiten gemeinsam überwinden

Pfarrer Martin J. Emge leitet Ehepaare zum gemeinsamen Paargespräch an.
Schwierigkeiten gehören zum Leben dazu - auch in der Ehe.
Foto: "AndreyPopov" (www.imago-images.de) | Schwierigkeiten gehören zum Leben dazu - auch in der Ehe.

 Schwierigkeiten gehören zum Leben. In der einen oder anderen Form betreffen sie auch jede Ehe, sei es in Bezug auf Gesundheit, Finanzen, Beruf oder Kindererziehung. Man kann ihnen aus dem Weg gehen, sie überspielen oder einfach ignorieren. Aber damit sind sie nicht verschwunden. „Schwierigkeiten sind Aufgaben, nicht zuerst Probleme“, formuliert es Pfarrer Martin J. Emge aus dem Erzbistum Bamberg, der sich seit Langem in der Ehearbeit engagiert. Er möchte Paare ermutigen, sich den täglichen Herausforderungen zu stellen und sie als Lebensaufgabe anzunehmen.

In der Liebe wachsen

„Das ist eine einzigartige Vertrauensprobe und eine Möglichkeit, in der Liebe zu wachsen. Lasse ich mich innerlich berühren und schenke ich Liebe?“ In schweren Situationen stelle sich für Paare, aber auch für den Einzelnen oft die Theodizee-Frage: Wie lässt sich das erfahrene Leid und das offensichtlich Böse in der Welt mit einem guten, gerechten und allmächtigen Gott vereinbaren? „Ist Gott noch da? Vertraue ich, dass er da ist?“, lauten dann die drängenden Fragen.

„Schwierigkeiten sind Aufgaben, nicht zuerst Probleme“


Aktuell bieten die beiden Mega-Themen Corona-Pandemie und Krieg in der Ukraine für viele Menschen zahlreiche Lebensproben. Aber gerade dadurch entstehe auch viel Neues, betont Pfarrer Emge. So wecke der Krieg mit Spendenaktionen und privater Aufnahme von Flüchtlingen eine große Solidarität in der Zivilgesellschaft. Die Einschränkungen durch die Pandemie führten zu kreativen Lösungen wie dem Einkaufen für ältere Menschen oder der Möglichkeit des Home-Office. „Wir hatten in der Pfarrkirche eine Kamera, um den Opferstock zu überwachen.

Diese Kamera haben wir dann umfunktioniert, um Gottesdienste live zu übertragen. Dadurch ist eine neue, große Gemeinde entstanden“, erinnert sich Emge. Er weiß von einem Ehepaar, das überraschend ein drittes Kind erwartete. Platz sei keiner da gewesen, also baute der handwerklich begabte Vater mit einem Freund das Dach aus. Ein weiteres Ehepaar stelle sich nun den Konflikten in der Beziehung, nachdem durch den Tod des pflegebedürftigen alten Vaters eine schon länger andauernde Ehekrise aufgedeckt worden sei.

Von Gott kommen nicht nur die Torten

Der Schönstattpriester erwähnt in diesem Zusammenhang Pater Josef Kentenichs Aussage, Gott erziehe auch durch Schicksalsschläge. „Manche sind so wählerisch, als ob von Gott nur die Torten kommen – von ihm kommt auch das Holz, das man hacken muss!“, stellt Emge fest. Als Ausblick gibt er den Ehepaaren mit: „Lebensschwierigkeiten sind wie Treppenstufen, über die ich ins Herz des himmlischen Vaters komme!“
Viel Schweres ist dem erfahrenen Priester in der Seelsorge an den Familien begegnet. So verlor eine Familie ihr zweijähriges Kind durch einen Unfall, und in einer anderen Familie wurde das Kind tot geboren. Diese Familie sei in der Liebe gewachsen: das Ehepaar mache nun Trauerarbeit und engagiere sich bei der Initiative „Sternenkinder“, um anderen Familien in der gleichen Situation beizustehen.


Letztlich gehe es darum, ein Leben lang zu wachsen und auch im Alter durch „Lockerungsübungen“, bei denen man etwas verliere, beweglich zu bleiben: etwa den eigenen Stolz loszulassen und den Rollator als Hilfe zu verwenden, oder rechtzeitig den Führerschein abzugeben und nicht mehr mit dem Auto zu fahren. Pfarrer Emge rät zu folgender Grundhaltung: „Bei der Aufgabe, die mir von außen gestellt wird, die mein Vertrauen herausfordert, und meine Kreativität weckt, versuchen, dahinter zu schauen: Gott, was willst Du mir sagen?“ Denn am Ende des Lebens würden wir gefragt, ob wir uns den Schwierigkeiten gestellt hätten oder ob wir davongelaufen seien.
Für das Gespräch im Paar zwei Anregungen: 1. Schicksalsschläge in meinem Leben: Wie habe ich sie gelöst, persönlich und als Ehepaar? War es wachstumsfördernd? 2. Schwierigkeiten in unserer Ehe: Wie haben wir es geschafft, sie zu lösen? Sind wir daran gewachsen?

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Die Wurzeln für Ehekrisen sind oft schon in der Kindheit zu finden, meint die Psychologin Angelika Glaß-Hofmann im Gespräch. Umso wichtiger ist eine umfassende Ehevorbereitung.
28.06.2022, 20  Uhr
Franziska Harter
Künstliche Intelligenz besitzt weder Verantwortungsgefühl noch Ewigkeitsbewusstsein. Sie mag exzellent schnell rechnen und kombinieren können, aber mit Gott rechnet sie nicht.
29.09.2022, 19  Uhr
Werner Thiede
Zuhören, verstehen, lieben: Pfarrer Martin J. Emge zeigt, wie man in Ehe und Familie wohlwollend und aufbauend liebt
17.04.2022, 18  Uhr
Cornelia Huber
Themen & Autoren
Cornelia Huber Ehekrisen Erzbistum Bamberg Pfarrer und Pastoren

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung
Warum gibt es den Absolutheitsanspruch des Dogmas? Sind Lehre und Tradition in der Orthodoxie ein Gegensatz – oder vielmehr eine Notwendigkeit?
01.10.2022, 05 Uhr
Stefanos Athanasiou
...theologisch überfrachtet. Zum Orientierungstext des Synodalen Weges: Wie der Dekonstruktivismus feierlich in die katholische Kirche einzieht.
30.09.2022, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger