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Schwert statt Nudelholz: Eine Anleitung zum Gebet

Zur Berufung als Ehefrau gehört, den eigenen Ehemann im geistlichen Kampf zu unterstützen – durch Gottvertrauen und kraftvolles Gebet.
Frau mit Bibel
Foto: via imago-images.de (www.imago-images.de) | Ausgangspunkt des Gebets ist das Wort Gottes, denn es geht darum, Gottes Blick auf den geliebten Menschen einzunehmen.

Als ich mich im Sommer 2017 zum ersten Mal mit Resi zum Beten traf, hatten wir unsere Männer auf dem Herzen. Es war eine dichte Stunde und uns war klar, dass das keine einmalige Aktion gewesen war. Etwas hatte in uns zu brennen begonnen. Und es hat bis heute nicht aufgehört. Am Ende der Stunde sagte meine Freundin, die schon einige Jahre verheiratet war: „Zum ersten Mal fühle ich mich richtig angekommen in meiner Berufung als Ehefrau.“

Was ist eigentlich damit gemeint, wenn es in Genesis 2 heißt, dass Gott dem Mann „eine Hilfe gemacht hat, die ihm entspricht“? (Gen 2,18) Das Wort, welches im Urtext hier für Hilfe verwendet wird, heißt „Ezer“ und wird ansonsten in der Bibel für Gott selbst und den Heiligen Geist verwendet. Die Schönheit meiner Berufung als Ehefrau, meinem Mann ein schönes Heim zu schaffen, mich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern und ihm ein Gegenüber auf Augenhöhe sowie Geliebte zu sein, beinhaltet also eine weitere Komponente. Eine heilige Komponente. Im biblischen Hebräisch trägt Ezer auch die Bedeutung eines interaktiven Einschreitens für jemanden, insbesondere im militärischen Kontext. Hier wird es spannend. Im sechsten Kapitel des Epheserbriefs lesen wir, dass wir nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten. Es scheint also ein Krieg stattzufinden in der unsichtbaren Welt – und unsere Männer stehen mittendrin. Wie können wir also unsere Männer in diesem Kampf unterstützen? Hier liegt der Kern unseres Gebets und hier ist auch der Name unserer Gebetsgruppe geboren worden, da wir das Schwert des Glaubens (vgl. Eph 6,17) ergreifen und es benutzen: Schwert statt Nudelholz.

Beten - aber wie?

Wie sieht unser Gebet ganz konkret aus? Wir beginnen damit, uns unter „den Blick Gottes“ zu stellen, ihn zu preisen und ihm die Ehre zu geben. Das heißt, dass wir uns bewusst werden, wer wir in Gottes Augen sind. Wir sprechen aus, dass wir seine geliebten Töchter sind, ausgestattet mit Würde, Schönheit und Vollmacht. Wir stellen uns im Geist auf Jesus, den Fels, und machen uns im Glauben gegenwärtig, dass wir gesegnet, geliebt und erlöst sind. Wir strecken uns aus nach dem, was Gott für uns bereithält, womit er uns ausrüsten und beschenken möchte, wir richten unseren Blick aus auf Gott. Wir erheben unsere Stimme mit Lobpreis und Dank und in Anbetung, weil Gott es wert ist, weil er Ausgangspunkt und Ziel von allem ist. Aus dieser Position heraus gehen wir in das Gebet für unsere Ehemänner.

Wir beten immer mit einem Vers aus der Bibel, was uns Anleitung und Schutz zugleich ist. Denn wir wollen nicht das für unsere Männer erbitten, was wir sehen oder an ihnen als veränderungswürdig erachten. Nicht dass „Mein Wille geschehe“, sondern dass Gottes Wille ihr Leben durchdringt. Wir sehnen uns danach, dass sichtbar wird, welche Berufung Gott für unsere Männer bereithält. Mit dem Wort Gottes zu beten, hilft uns, Gottes Blick auf unsere Männer einzunehmen und nicht stehen zu bleiben in dem, was wir selbst sehen oder fühlen. Hand aufs Herz, würden wir mit Letzterem beginnen, würde ich sehr schnell in einer Sackgasse aus Emotionen, Verletzungen und schlussendlich Nörgeln landen. Schön fromm verpackt. Und selbst wenn ich schaffen würde, nur „das Gute“ über ihm auszusprechen, so bliebe es doch nur bei dem Guten, was ich sehe. Gott hat jedoch so viel mehr für meinen Mann, und durch das Wort Gottes dürfen wir dieses „Mehr“ entdecken, „auspacken“ und vom Himmel auf die Erde ziehen. Wir beten im Glauben, gespannt, was Gott tun wird. Oft sehen wir noch nicht, aber wir sind gewiss, dass keines unserer Gebete ungehört verklingt.

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Die Bibelstelle leitet uns durch die Gebetszeit – wir bewegen uns darin. Nehmen wir zum Beispiel Epheser 1,18: „Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.“ Wir können Gott danken, dass ER unseren Mann zur Heiligkeit berufen hat. Wir können erbitten, dass er heute, an diesem Tag, etwas mehr davon erkennen darf. Wir können gebieten, dass jede Hoffnungslosigkeit aus seinem Herzen weichen muss… und vieles mehr. Der Tiefe und Weite des Gebets sind hier keine Grenzen gesetzt. Es ist beinahe mit jeder Bibelstelle möglich, ins Gebet zu gehen, aber besonders eignen sich die Psalmen, die Apostolischen Gebete oder Verse aus den Briefen.

Ein Bibelvers gibt Orientierung

Wir glauben, dass unsere Worte Macht haben, denn in Genesis 1 steht: „Und Gott sprach … und es wurde.“ Gott hat uns nach seinem Abbild geschaffen und somit können wir darauf bauen, dass auch unsere Worte schaffende Kraft haben und einen Unterschied machen in der unsichtbaren Welt. Darum beten wir laut. Zusätzlich bietet das laute Beten unseren Mitbeterinnen die Möglichkeit, sich in unser Gebet „einzuklinken“ und es auch für sich und ihren Mann in Anspruch zu nehmen. Es ist immer wieder herrlich zu hören, was jede wunderbare Frau aus dem Wort zieht und erkennt. Es ermöglicht uns, miteinander immer tiefer in den Vers einzutauchen und gemeinsam die Schätze zu heben, die darin verborgen sind.  Zum Ende hin gehen wir über in den Dank. Wir danken dafür, dass Gott unsere Gebete hört, uns sieht und mitten unter uns war und ist. Wir sprechen ihm unser Vertrauen aus, dass er um die richtigen Zeitpunkte weiß. Wir bekennen unseren Glauben und übergeben alles an Gott.

In den letzten Jahren durften wir durch diese kostbare Gebetszeit vieles erleben. Es würde einen weiteren Artikel füllen, zu erzählen, was sich im Leben vieler Frauen und Männer durch dieses Gebet des Eintretens für den anderen bewegt hat. Gott hört, hilft, greift ein, heilt und verwandelt – unsere Ehemänner – aber zuallererst uns selbst, unser eigenes Herz. Wenn Sie Lust bekommen haben, auf diese Weise ins Gebet zu gehen, will ich Sie ermutigen: Suchen Sie sich eine Freundin und fangen Sie einfach an!


Die Autorin gibt auf Anfrage bei der Redaktion gerne weitere Ratschläge zur Einrichtung einer Ehefrauen-Gebetsgruppe.

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Marie-Sophie Maasburg Frömmigkeit

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