Wie würdest du einen typischen Jünger Jesu beschreiben? Vielleicht als einen, der regelmäßig in die Kirche geht und vor dem Essen ein Tischgebet spricht? Einer, der immer freundlich ist und anderen hilft? Schauen wir in die Bibel und fragen wir Jesus selbst. In den Evangelien lesen wir, wie Jesus seine zwölf Jünger ruft, ihm nachzufolgen. Sie lassen alles hinter sich und werden zu Schülern des Meisters Jesus. Mit ihm wandern sie drei Jahre lang durch ganz Israel, erleben, wie er das Reich Gottes verkündet und viele Wunder tut. Sie lernen Jesus sehr gut kennen.
Bald erkennen sie in ihm den Sohn Gottes, auch wenn sie immer noch viele Fragen haben. Als Jesus am Kreuz stirbt, sind sie tottraurig, doch durch seine Auferstehung von den Toten werden sie mit einer unbesiegbaren Hoffnung erfüllt. Als sie dann an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen, kann sie nichts mehr bremsen, und furchtlos gehen sie hinaus in die ganze Welt und verkünden das Evangelium. Und die Botschaft ist bis zu dir gelangt. Auch dir ruft Jesus zu: „Folge mir nach!“ Möchtest du als sein Jünger leben? Wenn du dich fragst, wie das geht, dann schau dir diese fünf Punkte genauer an:
1. Freundschaft und Zeit mit Jesus
So wie die Jünger immer bei Jesus waren, ist es auch für uns wichtig, Zeit mit Jesus zu verbringen. Wenn du betest und jeden Tag mit Jesus redest, wirst du immer vertrauter mit ihm werden. Gut ist es auch, dafür immer wieder an einen stillen Ort zu gehen. Das hat auch Jesus getan, als er mit Gott, seinem und unserem Papa im Himmel, gesprochen hat. Jesus liebt es, wenn du zu ihm kommst und Freud und Leid mit ihm teilst. Er kennt dein Herz am besten und weiß, was du brauchst. Wenn du betest und auch immer wieder in der Heiligen Schrift liest, wirst du nie vergessen, wer du bist: ein geliebtes Kind Gottes. Jesus sagt, dass wir immer in seiner Liebe bleiben sollen (Joh 15,9). Auf ganz besondere Weise bleibst du immer mit Jesus verbunden, wenn du regelmäßig zur Heiligen Kommunion gehst. All das führt dazu, dass deine Freundschaft mit Jesus immer stärker wird. Ohne diese Freundschaft und Liebe zu Jesus kannst du kein Jünger werden, mit allem, was dazugehört.
2. Jesus, der Herr über mein Leben
Wie wir im Evangelium lesen, haben die Jünger für Jesus alles stehen und liegen gelassen. Das konnten sie, weil sie gespürt haben, dass sie diesem Jesus ihr ganzes Leben anvertrauen wollen. Ein Jünger ist einer, der sagt: „Jesus, du bist der Herr über mein Leben.“ Wenn du Gott dein Leben ganz anvertraust, kannst du dich auf ein echtes Abenteuer gefasst machen. Es kann bedeuten, dass du auf ein gemütliches Leben voller Reichtum verzichten musst. Doch darfst du fest glauben, dass Gott dich immer versorgen wird, wenn du Jesus nachfolgst. Wichtig ist es auch, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Ein Jünger Jesu sucht immer den Willen Gottes und verbiegt sich nicht für andere. In der Schule ist es manchmal gar nicht so leicht, zum Glauben zu stehen. Immer wieder wirst du in deinem Leben auf Menschen treffen, die nicht an Gott glauben oder ihn sogar ablehnen. Hab keine Angst, dich zu Jesus zu bekennen. Er wird dir in diesem Moment die richtigen Worte geben und auch die Kraft, wenn andere dich dafür ablehnen. Solche Erfahrungen können dich nur noch stärker mit Jesus verbinden. Und was für eine Freude wird es sein, wenn andere durch dich zum Glauben finden.
3. Das Evangelium verkünden
Kurz vor seiner Himmelfahrt sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ (Mt 28,19) Diese Aufgabe hast auch du. Und ich glaube, dass ihr Kinder das auch besonders gut könnt. Gott hat dir für diese Aufgabe bestimmte Talente geschenkt. Vielleicht kannst du besonders gut zu Menschen sprechen, bist musikalisch und singst wunderschön, oder du hast handwerkliches Geschick, bist kreativ, du kannst gut rechnen oder kannst gut zuhören und dich in andere hineinfühlen. Finde heraus, welche Talente Gott dir geschenkt hat, was du gut kannst und was dir Freude bereitet. Setze diese Talente auch für das Reich Gottes ein. Wenn du das tust, dann wird Gott deine Talente sogar noch vermehren und dir weitere dazu schenken (vgl. Mt 25,14–30). Das Gute ist, wir müssen nichts aus eigener Kraft heraustun. Bete immer wieder zum Heiligen Geist und lass ihn in deinem Leben wirken. Bald nach Pfingsten erlebten die Jünger die erstaunlichsten Dinge. Die Apostelgeschichte berichtet darüber. Wusstest du, dass Menschen geheilt wurden, nur dadurch, dass der Schatten des Apostels Petrus auf sie fiel (Apg 5,15) oder nachdem man ein Taschentuch des Apostels Paulus auf sie legte (Apg 19,11)? So stark wirkte der Heilige Geist in ihnen. Auch durch dich kann er viele Wunder vollbringen und Menschen zurück zu Jesus führen.
4. Das Kreuz tragen – mit Jesus
Im Lukasevangelium sagt Jesus: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14,27) Das Kreuz gehört zur Jüngerschaft dazu. Die Apostel – das waren die besten Freunde Jesu, die er als Boten in die Welt geschickt hat – haben viel Leid erlebt, so auch jeder, der Jesus nachfolgt. Es ist kein einfacher Weg, aber ein Weg der Freude, vor dem wir keine Angst haben müssen. Denn Jesus trägt das Kreuz mit uns und schenkt uns die Kraft, es zu tragen. Du kannst von den Menschen verlacht, ausgegrenzt und sogar verfolgt werden und trotzdem einen tiefen Frieden haben, wenn du Jesus nachfolgst.
Wichtig ist auch, dass du bereit bist, immer wieder umzukehren. Wir sind alle nicht perfekt, alle haben wir Macken und Fehler. Wenn du merkst, dass gerade etwas richtig blöd gelaufen ist, dann ist das schon mal der erste Schritt in die richtige Richtung. Lauf zu Jesus, in der Beichte kannst du ihm immer wieder deine ganze Schwachheit bringen und er vergibt dir.
5. Erkennungsmerkmal: Liebe
Das wichtigste Erkennungsmerkmal eines Jüngers ist die Liebe. Jesus selbst hat kurz vor seinem Kreuzweg zu seinen Jüngern gesagt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 17,21) Egal, an welchen Heiligen du denkst – Mutter Teresa, den heiligen Papst Johannes Paul II. oder den heiligen Carlo Acutis –, sie alle waren Menschen der Liebe. Jesus verlangt von seinen Jüngern, dass sie Werke der Liebe tun. Wenn du den Armen, Kranken und Einsamen dienst, wenn du für andere da bist, wenn du den anderen höher schätzt als dich selbst, dann handelst du wie ein Jünger Jesu. Alles, was du aus Liebe tust, tust du auch für Jesus. Er sagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Bist du bereit, Jesus nachzufolgen?

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