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Wie betet man „richtig“?

Oft plappern wir es herunter. Dabei ist das Vaterunser ein sehr tiefes Gebet, in dem wir Gott „Papa“ nennen dürfen.
Wie betet man?
Foto: Imago/Lori Sparkia | Jesus hat uns gezeigt, wie wir zu Gott sprechen dürfen: „Papa unser im Himmel…“. Probier es doch auch mal – Gott hört dir immer zu!

Mal Hand aufs Herz: Betest du eigentlich? Viele erwachsene Menschen antworten auf die Frage: „Als ich klein war, habe ich noch gebetet; aber irgendwann hatte ich den Eindruck, dass das umsonst ist.“ Dabei kommen sie gar nicht auf die Idee, dass sie vielleicht gar nicht „echt“ gebetet haben. Ich jedenfalls habe als Kind oft so gebetet: „Lieber Gott, bitte mach, dass …“ und ich bin mir sicher, dass viele Kinder hauptsächlich „Machdass-Gebete“ sprechen.

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So, als bräuchte man den lieben Gott nur, wenn es einem mal nicht so gut geht oder man einen Wunsch auf dem Herzen hat. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden: Man darf und soll Gott ruhig um alles bitten. „Bittet und es wird euch gegeben!“, hören wir Jesus kommenden Sonntag im Evangelium sagen.

Das Gebet Jesu hat eine besondere Kraft

Die Jünger wollten von Jesus wissen, wie man „richtig“ betet. Sie haben nämlich beobachtet, wie viel Zeit Jesus selber im Gebet verbracht hat. Ganze Nächte hat er alleine mit seinem Vater gesprochen, um sich dann in seiner Kraft wieder den Menschen zuzuwenden. Und dass das Gebet Jesu eine besondere Kraft hat, erfuhren alle, die von ihm geheilt wurden.

Also spricht Jesus diese einfachen Worte, die alle Christen bis heute auswendig können: das „Vaterunser“. Jesus hat allerdings aramäisch gesprochen, und wenn wir sein Gebet richtig übersetzen, dann müssten wir eigentlich sagen „Unser Papa.“ Dass sich einer traut, Gott einfach „Papa“ zu nennen, war damals unerhört. Für Jesus war es ganz klar, dass der allmächtige Gott, der Schöpfer des Universums, sein Vater ist, und jetzt lädt er die Jünger ein, ihn auch so zu nennen.

Darf ich Gott einfach Papa nennen?

Wenn du mal darüber nachdenkst, dann hat es diese Anrede wirklich in sich. Gott, der einige Milliarden Menschen, Abermilliarden Tiere, Galaxien und Atome geschaffen hat, diesen unfassbaren, unendlich großen Geist darf ich einfach Papa nennen!?

Das heißt nichts anderes, als dass dieser Gott mich gewollt hat, mich kennt und mich liebhat, weil ich sein Kind bin; und dass er sich für mich interessiert, mir zuhört und mit mir reden will.

Wo die Finsternis des Bösen keinen Platz hat 

Und weil alle Kinder Gottes zusammen mit unserem großen Bruder Jesus eine riesige Familie bilden, sollen wir sagen „Unser Vater“. Dass unser Vater „im Himmel“ ist, heißt natürlich nicht, dass er über den Wolken schwebt. Mit dem Himmel meint Jesus eine Sphäre des Heils, wo die Finsternis des Bösen keinen Platz hat, weil dort alles hell ist und heil und heilig.

Klar, dass die Erde noch nicht so ein heller, heiler und heiliger Ort ist – und wenn ich ehrlich bin, dann ist mein eigenes Herz es auch nicht. Aber dass es so wird, das dürfen wir hoffen und sollen wir uns wünschen. Und das bringen wir zum Ausdruck mit den Worten „Geheiligt werde dein Name!“ Wenn wir Gott unseren Papa nennen, dann teilen wir seinen Wunsch, dass unsere Herzen hell, unsere Familien heil und die ganze Welt heilig wird. 

„Deine Sehnsucht erfülle sich…“

Mit anderen Worten: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden!“ Manchen fällt es aber gar nicht so leicht, zu bitten, dass Gottes Wille geschehe, denn wir wissen doch noch gar nicht so genau, was er mit uns vorhat! Aber im Sonntagsevangelium beruhigt Jesus seine Jünger und erinnert sie daran, dass Gott ein guter Vater ist, der für seine Kinder nur das Beste bereithält, wie ein echter Freund, der dich niemals im Stich lässt.

Das aramäische Wort, das Jesus hier benutzt, bedeutet übrigens auch Sehnsucht: „Dein Wille geschehe“ heißt also auch „Deine Sehnsucht erfülle sich!“ Und wir wissen, wonach sich Gott wirklich sehnt, nämlich nach Liebe!

Freilich wird Gott irgendwann seine Sehnsucht ein für alle Mal durchsetzen. Er hat aus Liebe zugelassen, dass Jesus sein Leben hingibt, um die Welt zu erlösen. Und er wird seinem Sohn jede Macht der Welt unterwerfen und zu Füßen legen. Deshalb beten wir „Dein Reich komme!“ Das heißt: „Komm, Herr Jesus, und werde König über die ganze Welt!“ Eines Tages wird der Himmel auf die Erde kommen und sie in Besitz nehmen – und der liebevollen Herrschaft Jesu wird sich keine Macht entziehen können.

Wir müssen auch selber was tun

Wie aber sollen wir bis dahin leben, worauf besonders Wert legen? Jesus empfiehlt uns, drei ganz konkrete Bitten auszusprechen. Nicht, dass einer meint, das Vaterunser bestehe nur aus frommen Wünschen, die Gott selber einlösen müsste. Wir können schon auch selber dazu beitragen, seinen Namen zu heiligen, damit sein Wille geschieht und sein Reich kommt.

Als Erstes nennt Jesus „das tägliche Brot“. Jetzt werden einige denken: Brot haben wir eh genug. Wir vielleicht schon – aber viele eben nicht. Dass viele Menschen Hunger leiden, fordert uns selber heraus. Da können wir nicht einfach sagen „Lieber Gott, mach!“

Dabei müssen wir nicht nur an ferne Länder denken, sondern auch an Menschen bei uns, denen es oft am Notwendigen fehlt und die unserer Hilfe bedürfen. Denn dazu hat Gott die Wohlhabenden beschenkt: damit sie seinen Segen an die Bedürftigen weitergeben. In diese Bitte dürfen wir auch alle einschließen, die krank und einsam oder hilflos sind.

Gott möchte dein Glück!

Die Bitte um das, was Menschen täglich zum Leben brauchen, betrifft das Hier und Jetzt, also unsere Gegenwart. Die zweite Bitte bezieht sich auf unser Versagen in der Vergangenheit: „Vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind“, so müsste die Bitte eigentlich korrekt lauten. In dieser Sache ist Jesus sehr klar und ernst. Immer wieder weist er darauf hin, dass es unsere Pflicht sei, niemals nachtragend zu sein.

Ein Mensch, der ständig Groll hegt gegen seine Nächsten, kann nämlich Gottes Vergebung nicht empfangen – und: Er macht sich selber unglücklich. „Urteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet“, sagt Jesus an anderer Stelle, und: „Seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater barmherzig ist“, und „Flucht nicht, sondern betet für eure Feinde und segnet sie!“

Die dritte Bitte weist in die Zukunft: „Lass nicht zu, dass wir in Versuchung geraten!“ Versuchung besteht darin, Dinge ohne Gottes Hilfe tun zu wollen: zu meinen, irgendetwas könnte gut werden, obwohl wir ihn raushalten. Besser sollten wir Gott immer um seinen Segen bitten, egal was wir vorhaben. Wenn wir aber ahnen, dass Gott ein Vorhaben nicht segnen kann, dann sollten wir lieber die Finger davon lassen.

Wer im Sinne Jesu bittet, der wird immer empfangen; denn der Vater im Himmel wird ihm den Heiligen Geist geben, so hören wir es am Sonntag. Er sehnt sich danach, dass du glücklich wirst, indem du seine Liebe in dir wirken lässt. „Beten ist zwar nicht alles“, sagte einmal ein weiser Mann, „aber ohne Gebet ist alles nichts.“

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