Glaubensweitergabe

Wertvolle Zeugen

Großeltern können eine zentrale Rolle bei der Glaubensvermittlung spielen.
Kinder sind ihren Großeltern gegenüber offen
Foto: dpa | Kinder begenen den Worten und Werten von Oma und Opa oft mit größerer Offenheit als den Botschaften der Eltern.

In den kommenden Osterferien freuen sich wieder zahlreiche Großeltern darauf, ihre Kinder und Enkelkinder zu sehen, wenn die Familien die Ostertage gemeinsam mit Oma und Opa verbringen. Ich selber habe noch ganz lebendige Erinnerungen an die Suche nach den Schokoladeneiern, die der Osterhase im Garten meiner Großeltern reichlich versteckt hat. Der größte Schatz aber, den es zu Ostern zu heben gibt, ist doch das Geschenk der Auferstehung. Dabei könnten auch und gerade die Großeltern eine wichtige Rolle spielen. Immer wieder erzählen mir ältere Menschen, wie traurig es sie mache, dass ihre Enkelkinder so wenig über den Glauben erfahren. Gerade die Heilige Woche und die Osteroktav bieten ihnen aber großartige Chancen für die Glaubensvermittlung – nicht am Willen der Eltern vorbei, aber doch über die Generationen hinweg. Freilich braucht es da etwas Taktgefühl, um die mittlere Generation nicht zu übergehen; vor den Kindern Konflikte zu provozieren wäre kontraproduktiv. Aber sofern sich die Eltern nicht explizit vom Glauben abgewandt haben, zeigen sie sich doch meistens aufgeschlossen oder wenigstens nachsichtig gegenüber dem religiösen Engagement der Großeltern – vielleicht sogar ermutigt.

Kinder sind ihren Großeltern gegenüber offen

In meiner pastoralen Erfahrung erlebe ich immer wieder, dass Kinder den Worten und Werten von Oma und Opa mit größerer Offenheit begegnen als den Botschaften der Eltern. Teenager nehmen intuitiv wahr, dass Großeltern Mamas und Papas Rolle relativieren, da diese ja selbst einmal deren Kinder waren, ja eigentlich noch immer sind. Jugendliche spüren, dass ihre Großeltern, die der Last des Berufs- und Familienalltags enthoben sind, aufgrund ihrer Lebenserfahrung oft eine andere und tiefere Sicht auf das Leben haben. Ihre Erzählung von Gott und der Welt bieten den Enkeln ergänzende oder alternative Deutungen, relativieren oder vertiefen ihre Vorstellungen und helfen ihnen, sich im Leben zu orientieren. Anthropologisch gesehen bürgen Großeltern für das kulturelle Gedächtnis der Spezies Mensch – was uns ganz wesentlich vom Tierreich unterscheidet.

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Es versteht sich von selbst, dass dieser Aspekt auch bei der Weitergabe des christlichen Glaubens eine wichtige Rolle spielt. Dass sich erwachsene Männer und Frauen als Söhne und Töchter Gottes begreifen dürfen, ist eigentlich nur verständlich, wenn wir erfahren haben, dass unsere Eltern selber einmal Söhne und Töchter waren. Selbst wenn sie sich von ihrer Herkunftsfamilie längst emanzipiert haben und ihre Eltern verstorben sind, bleiben sie Kinder des himmlischen Vaters, der sie geschaffen, angenommen und erlöst hat. Als sich Gott dem Mose im brennenden Dornbusch als Jahwe offenbart, gibt er sich wiederholt als der Gott der Väter zu erkennen: „Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ (Ex 3,6.15.16 und 4,5). Das bedeutet doch, dass Gott eine Geschichte mit unseren Vorfahren hat; wer ihn kennenlernen will, ist nicht auf Namen, Bilder oder die eigenen Eltern verwiesen, sondern auf Heilsgeschichte. Jahwe ist auch der Gott der Großmütter Sarah, Rebekka, Rahel und Lea. Sie alle hatten ihren Enkeln viel zu erzählen von der Güte und Fürsorge des „Ich bin da“ in ihrem Leben.

Selbst der Sohn Gottes macht keine Ausnahme bei seiner Menschwerdung. Er wurde in eine Familie hineingeboren, deren Stammbaum uns überliefert ist: 42 Generationen Glaubensgeschichte seit Abraham. Was wird Jesus alles gelernt und erfahren haben von seiner Großeltern Anna und Joachim, wenn er sie in ihrem Haus nahe dem Bethesdateich in Jerusalem besuchte? Das freilich bleibt fromme Spekulation, wenn auch der Archäologe Bargil Pixner (OSB) plausible Argumente dafür anführt, dass Jesus an diesem Ort durch die Familie seiner Mutter mit der Spiritualität der Essener in Berührung kam und sich dadurch früh von den Erwartungen seiner „Brüder“ in Nazareth, also der Familie Josephs, lösen konnte (vgl. Lk 2,49; Mk 3,33 par. u.a.).

Glaube gibt sich über Generationen hinweg weiter

Wenn wir „nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren“ sind (Joh 1,13), so haben wir doch – wie der Herr selbst – den Glauben vermittelt bekommen durch Menschen, die selber Kinder Gottes sind. Die spirituelle Prägung durch Seelsorger und Katecheten soll den jungen Menschen helfen, das Gottesbild der Eltern weiter zu entwickeln, um eine persönliche Beziehung zum Vater im Himmel zu vertiefen oder überhaupt aufzunehmen. Wo aber Geistliche und Lehrer versagen, da bedient sich Gott gerne der Alten, um den Glauben zu stärken.

Nicht der Priester hat bei der Darstellung des Herrn verstanden, dass der Messias in den Tempel gebracht wurde, sondern der Charismatiker Simeon und die Prophetin Hanna haben erkannt, was in dem Knaben steckt, den die Eltern im Arm halten (Lk 2,22-40). Auch diese beiden mögen Großeltern und Senioren inspirieren und ermutigen, den Jungen ein Zeugnis des Glaubens zu geben.

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