Kinderkatechese

Von Engeln geführt

In der Woche nach Weihnachten feiert die Kirche das Fest der Heiligen Familie. Der heilige Josef erzählt uns heute, welch wichtige Rolle die Engel bei der Gründung der Heiligen Familie gespielt haben.
Heilige Familie auf der Flucht nach  Ägypten
Foto: Julius Schnorr | Künstler aller Jahrhunderte haben sich immer wieder vorgestellt, wie Engel die Heilige Familie auch auf ihrer Flucht nach Ägypten beschützten und begleiteten.

Wo kommt denn ihr her?“ Kaum waren wir in Nazareth angekommen, als sich eine Schar Kinder neugierig um uns drängte. „Aus Ägypten“, sagte ich und band den Esel am Brunnen fest. „Ui! Und warum seid ihr so weit gereist?“ „Weil …“, ich überlegte. „Ein Engel hat es uns befohlen.“ Die Kinder machten große Augen; „Wirklich? Ein Engel?“ Maria lachte und hob den kleinen Jesus vom Esel. Ich schöpfte Wasser mit einem Krug und reichte ihn Maria; die füllte einen Becher und gab Jesus zu trinken. „Ja“, sagte sie, „Engel passen auf uns auf.“

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Gibt es Engel?

Früher war ich mir gar nicht so sicher, ob es wirklich Engel gibt; bis ich meine Braut Maria kennengelernt habe, die mir selber wie ein reiner Engel vorkommt, so liebevoll und gottesfürchtig wie sie ist. Die heiligen Engel sind ja ständig im Kontakt mit Gott, beten ihn ohne Unterlass an und singen ihm Lob und Preis. Und genau das hat mir an Maria so gefallen, als ich sie zum ersten Mal sah: ein Mädchen, das so in Gott verliebt ist, dass man meinen könnte, Gott schaut dich durch ihre Augen an. Sie war das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte. Wie stolz und glücklich war ich, als sie meine Verlobte wurde. Doch damals ahnte ich noch nicht, wie schwer unsere ersten Jahre würden; ohne die Hilfe der himmlischen Mächte hätten wir wohl gar nicht geheiratet. Aber ich will der Reihe nach erzählen.

Maria hatte eine Kusine, die hieß Elisabeth und war viel älter als sie, hatte aber noch keine Kinder. Ihr ganzes Leben hatte sie sich danach gesehnt und dafür gebetet. Aber jetzt hatte sich ihr Herzenswunsch erfüllt. Als Maria erfuhr, dass Elisabeth guter Hoffnung war, wollte sie ihr unbedingt bei der Geburt beistehen und sie besuchen. Ich ließ mich nicht lange bitten, sperrte meine Werkstatt zu und begleitete meine Braut ins Bergland von Judäa. Obwohl die Tage heiß waren, brauchten wir nur vier Tage, bis wir unser Ziel erreicht hatten. Maria schien zu schweben, so leichtfüßig eilte sie dahin. Sie fiel Elisabeth um den Hals und stellte mich ihrem Mann Zacharias vor.

Der nickte mir freundlich zu, brachte aber kein Wort hervor. Elisabeth konnte sich nicht erklären, was ihrem Mann die Sprache verschlagen hatte; sie jedoch redete für zwei und war so fröhlich und ausgelassen wie ein Mädchen in Marias Alter, wozu das Kindchen in ihrem Bauch munter hüpfte und strampelte. Maria aber ging ihrer Kusine so emsig zur Hand, dass man nicht erraten konnte, wer von beiden eigentlich ein Kind erwartete. Und während die beiden Frauen in einem fort miteinander sangen und summten, nähten und bastelten, beteten und ratschten, zimmerte ich in jenen Tagen eine Wiege für das Kindchen und nahm auf den Wink des stummen Zacharias hin ein paar Reparaturen am Haus vor.

Er soll Johannes heißen 

Als Elisabeth schließlich einen gesunden Buben zur Welt gebracht hatte, reichten wir Zacharias ein Schreibtäfelchen, damit er seinem Sohn einen Namen gebe. Und als er den Namen „Johannes“ darauf kritzelte, löste sich seine Zunge und auf einmal konnte wieder reden: Ein Engel sei ihm im Tempel erschienen und habe die Geburt eines Sohnes angekündigt, der das Volk auf die Ankunft des Messias vorbereiten werde. Aber weil Zacharias am Wort des Engels zweifelte, habe dieser ihm die Sprache genommen. Die Boten Gottes sind nämlich stolze Wesen und dulden keinen Widerspruch. Jedenfalls habe der Ewige noch Großes vor mit dem kleinen Johannes.

Auf der Heimreise fragte mich Maria: „Was hältst du von der Geschichte, Joseph? Glaubst du, dass der Heiland bald kommen wird?“ „Du weißt, wie sehr ich es mir wünsche“, sagte ich. „Wir werden sehen, ob aus Johannes einmal ein Prophet wird, der uns den Messias zeigt.“ Maria sah mich von der Seite an: „Und könntest du dir auch vorstellen, dass der Messias bei ganz einfachen Leuten auf die Welt kommt, und nicht am Hofe des Königs oder im Hause eines Hohenpriesters?“ Ich musste kurz nachdenken. „Bei Gott ist nichts unmöglich, Maria. Vielleicht gefällt es ihm ja, dass der Messias bei den armen und gewöhnlichen Menschen geboren wird und nicht bei mächtigen und reichen.

Warum fragst du mich das?“ Ich schaute sie an. „Nur so. Es wäre doch schade, wenn wir den Heiland nicht erkennen würden, wenn er kommt!“ Ihre Augen leuchteten. „Darum ist es so wichtig, dass wir allezeit darum beten“, sagte ich. „Und auf Gottes Boten hören!“, sagte Maria. „Du meinst die Engel. Ist dir schon mal einer begegnet?“, fragte ich. Maria wandte den Blick ab und lächelte geheimnisvoll.

„Wer den Engeln vertraut, braucht keine Angst mehr zu haben.“

Es wurde Herbst und wir trafen die letzten Vorbereitungen für unsere Hochzeit, als mich Maria eines Abends bat, neben ihr Platz zu nehmen. Ich setzte mich auf die Bank. Maria nahm meine Hände und schaute mich mit ihren Engelsaugen an: „Hast du gebetet, Joseph?“ Ich wusste sofort, was sie meinte. „Dass der Heiland endlich kommt, – ich bete jeden Tag dafür. Du auch?“ Da stand sie auf, sodass mein Blick auf ihren Bauch fiel. Erst jetzt fiel mir auf, was ich in den letzten Tagen nur unbewusst wahrnahm: wie sich ihr Kleid über die Wölbung leicht spannte. Und da durchfuhr mich die bittere Erkenntnis eiskalt wie ein Blitz: Maria trug ein Kind in ihrem Schoß! Doch von wem? Wie konnte sie nur? Ich schaute sie entsetzt an und schüttelte den Kopf. Ist das Mädchen so naiv, dass sie sich ausnutzen ließ … von irgendeinem scheinheiligen Pharisäer gar?

Wer hat ihr das angetan? Wer hat mir das angetan? Und wie konnte sie mir das antun? Ich stand auf, holte ganz tief Luft und suchte das Weite. Ich eilte hinaus auf die Weide und ließ mich auf die Erde fallen, dass die Schafe auseinanderstoben. „Herrgott“, heulte ich, „wie konntest du das zulassen?“ Ich weinte, wimmerte, würgte Wut und Verzweiflung in den kotigen Boden, und fand doch keinen Rat. Nur eines wusste ich, und Gott war mein Zeuge: Das Kind war nicht von mir. Nur gut, dass wir noch nicht verheiratet waren. So konnte ich sie wegschicken zu dem Vater dieses Kindes. Sollte der sie aufnehmen! Das wäre für uns beide das Beste. Mit diesen Gedanken übermannte mich ein unruhiger Halbschlaf.

Von Engeln träumen 

Ich musste an unseren Stammvater Jakob denken, der mit dem Engel gerungen hatte in der Nacht, bevor er seinem Bruder Esau entgegentrat. Wie Vater Jakob, so wollte auch ich dem Herrn seinen Segen abringen, bevor ich zu Maria gehen würde, um die Verlobung zu lösen. So verbrachte ich die ganze Nacht auf dem Feld betend, zagend und träumend. Doch ehe es tagte, fühlte ich, wie eine warme Hand meine Schulter berührte, und da sah ich, wie sich ein Engel des Herrn über mich beugte, und hörte ihn sagen: „Wach auf, Joseph, Sohn Davids! Fürchte dich nicht, Maria zur Frau zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie ist noch Jungfrau, und doch hat sie einen Sohn empfangen, wie es schon der Prophet Jesaja vorhergesagt hat.“ Als ich die Augen aufschlug, sah ich den Engel nicht mehr; nur noch seine Stimme hörte ich: „Und du sollst ihm Vater sein und ihn Jeshua nennen, denn er wird sein Volk erlösen!“ Jeshua (oder Jesus) heißt nämlich „Gott rettet“.

Sofort stand ich auf, rannte zur Tränke und wusch mir Schlaf und Schmutz aus den Augen. Wie hatte mich der Engel genannt? „Sohn Davids“. Hatte nicht Jesaja auch prophezeit, dass auch der Messias von König David abstammen werde? Jetzt dämmerte mir langsam, warum Maria mich so eindringlich nach dem Erlöser und Heiland gefragt hatte! So schnell mich meine Füße trugen, rannte ich nach Hause und zog mein bestes Gewand an. Dann bereitete ich ein festliches Frühstück vor, pflückte ein paar Lilien und wartete vor dem Zimmer meiner Braut. Als Maria vor die Tür trat, wusste sie sofort, dass ich verstanden hatte. Sie nahm die Blumen und drückte mich ganz fest.

Mit Engeln an der Seite 

Seitdem weiß ich, dass Gott uns seine Himmelsboten an die Seite gestellt hat. Nicht nur zu Zacharias und Maria hatten sie gesprochen; auch die Hirten, die uns nach der Geburt des Jesuskindes besucht und geholfen hatten, wurden von Engeln geschickt. Mir selber aber erschien der Engel noch zweimal. Das war zwar nur im Traum, aber ohne seine Weisung hätten uns die Häscher des Königs Herodes aufgespürt und getötet. Nur weil Gott uns warnen ließ, konnten wir uns in Sicherheit bringen. Nachdem aber Herodes gestorben war, sagte mir der Engel, dass die Gefahr vorbei sei. So haben wir Ägypten wieder verlassen und sind nach Nazareth gezogen. Und eines weiß ich seit dieser Zeit ganz sicher: Wer den Engeln vertraut, braucht keine Angst mehr zu haben. Denn das war immer ihre Botschaft: „Fürchtet euch nicht!“

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