Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinderkatechese

Sommerferien: Den Glauben in der Ferienzeit leben

Die Sommerferien sind eine Zeit der großen Freiheit für viele Familien. Wie man die „tabula rasa“ im Terminkalender nutzen kann, um den Glauben als Familie neu und tiefer zu leben und dabei vielleicht noch andere zu inspirieren.
Gottesdienst in der Natur
Foto: Anna Thurn und Taxis | Die Großen Ferien bieten die Möglichkeit, den Glauben mal ganz anders zu entdecken.

Die Sommerferien nahen in großen Schritten, Abschlussfeiern und –konzerte, das letzte Training vor den Ferien, der letzte Schultag ... und dann die unendliche Weite des Sommers. Routinen sind durchbrochen, Schlafenszeiten verschieben sich, Kinder hüpfen bis mittags im Pyjama durch den Garten oder spielen Fangen, bis die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist. Sie genießen es, weniger zu müssen und mehr zu dürfen, auch viele Eltern legen Handy, Uhr und Kalender öfter beiseite und lassen die Zügel schleifen – herrliche Wochen der Freiheit, mit wenig Stress und wenig Struktur.

Lesen Sie auch:

Da kann es allerdings geschehen, dass man auf halber Strecke durch die Sommerferien bemerkt, dass das abendliche Familiengebet so mancher Grillparty zum Opfer gefallen ist, das Tischgebet beim Picknick am See und auf der Berghütte seinen festen Platz verloren hat und auch so mancher Feiertag unbemerkt vorübergeht, weil sowieso schulfrei ist.

Wie können wir sicherstellen, dass Gott und unsere Freundschaft mit ihm auch inmitten der veränderten Abläufe der Ferien im Bewusstsein der Kinder im Vordergrund bleiben? Bietet der Sommer vielleicht sogar die Chance, den Glauben als Familie auf eine neue Art und Weise zu entdecken und zu leben, die im Rhythmus des Alltags keinen Platz hat?

Prioritäten prüfen

Im Alltag bestimmen Termine den Tages- und Wochenrhythmus. Was an gemeinsamer Gebetszeit möglich ist, wird meistens rund um die Mahlzeiten oder die Abendroutine fest eingebaut. Die Ferien bieten eine Möglichkeit, neu zu überdenken, welche Prioritäten in der Familie wichtig sind, und dafür neue Fixpunkte im Alltag zu etablieren. Sind unsere Kinder vielleicht aus unserer bisherigen Gebetsroutine herausgewachsen? Was funktioniert gut, was müssen wir vielleicht weglassen, was können wir neu etablieren? Es lohnt sich, einmal im Jahr Inventur zu machen, Traditionen und Routinen zu überdenken und eventuell „auszumisten“, um Platz für Neues zu schaffen.

Einfach mal ausprobieren

In unserer Familie fällt beispielsweise auf, dass gemeinsames Gebet oder auch Gespräche über den Glauben am besten funktionieren, wenn ihnen eine intensive gemeinsame Zeit vorausgeht – ein gemeinsames Spiel, ein vorgelesenes Buch, gute Gespräche mit viel Gelächter am Esstisch. Je weniger sich der gelebte Glaube in der Familie wie eine lästige Pflicht anfühlt, und je mehr er mit dem Gefühl von Geborgenheit, Zusammengehörigkeit und Freude verbunden wird, desto höher ist sein Stellenwert für die Kinder. Dafür Raum zu schaffen, ist unser diesjähriges Sommerprojekt.

Mit Kindern durch das Kirchenjahr

Wenn der Terminplan nicht so voll ist, können wir Eltern täglich Raum für eine solche „Quality Time“ reservieren. Dabei kann man auch kreativ werden: Wie wäre es mit einem Abendgebet im Garten oder auf dem Balkon bei Sonnenuntergang, oder an einem schönen Ort, zu dem man gemeinsam abends hinspaziert ist? Eine Fahrradtour samt Frühstücks-Picknick zur Sonntagsmesse? Oder eine „Schöpfungs-Challenge“: Jeder sucht eine Pflanze, ein Tier oder einen Gegenstand, den Gott aus seiner Sicht besonders schön geschaffen hat und gibt der Familie eine kleine Erklärung dazu. Beim Abendgebet kann man dann bewusst für diese Dinge danken.

Seit einigen Jahren kursieren im Internet kurz vor den Ferien verschiedene „Summer Bucket Lists“, also Listen von Dingen, die Familien während der Sommerferien gemeinsam erleben möchten. Wer den Sommer als Gelegenheit nutzen möchte, verschiedene Formen des gelebten Glaubens in der Familie auszuprobieren, kann eine katholische Version einer solchen Liste erstellen (Vorschläge im Info-Kasten). Was gut funktioniert und Freude macht, findet vielleicht einen fixen Platz im Tages- oder Wochenplan des kommenden Schuljahres.

Glauben weiterschenken

Nicht nur die Familie kann davon profitieren, wenn sie neue Wege ausprobiert, um eine Freundschaft mit Gott im Alltag zu leben. Es lohnt sich, mit Kindern auch darüber zu sprechen, dass wir die Liebe, die wir von Gott geschenkt bekommen, auch an unsere Freunde und andere Menschen weitergeben dürfen! Es gibt viele kreative Möglichkeiten, als Familie missionarisch zu sein. Ein einfacher Weg ist es, die Sonntagsmesse und das Gebet auch in den Ferien zur Priorität zu machen und darüber zu sprechen. Einen Ausflug mit Freunden an einem Sonn- oder Feiertag kann man um die heilige Messe herum planen und die Freunde dazu einladen.

Hat man Gäste zum Essen oder geht man in ein Restaurant, kann man bewusst das Tischgebet sprechen und Gott für seine Gaben danken. Vielleicht organisiert man eine kleine Kirchen-Rallye mit anderen Kindern und erzählt bei der Gelegenheit etwas zu den dargestellten Heiligen, dem Beichtstuhl oder zur Gegenwart Gottes im Tabernakel. Eine gemeinsame Wanderung zu einer Kirche kann auch in eine kleine Wallfahrt umfunktioniert werden. Ein besonderes Schmankerl für Familien mit einem leichten Hang zum Makaberen und einer Vorliebe für die Gastfreundschaft: Am 10. August feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Laurentius, eines Märtyrers, der auf einem Rost verbrannt wurde und unter anderem als Schutzpatron der Grillmeister gilt.

Zwei plus eins

Damit die Probeläufe und Experimente des Sommers im Alltag nicht ins Leere laufen, empfiehlt sich die „2+1-Regel“: Zwei Traditionen, die bisher gut funktioniert haben, bekommen – eventuell etwas ans Alter angepasst – weiter einen festen Platz in der Tages- oder Wochenroutine. Dazu sucht die Familie eine neue Tradition aus, der sie ebenfalls einen festen Platz im Tagesplan gibt. Wenn der nächste Sommer kommt, kann diese Liste wieder verändert oder erweitert werden.

Gott lässt sich überall finden und hat in jedem Moment des Lebens seinen Platz. Der freie Raum, der im Sommer entsteht, eignet sich wunderbar, um das in unseren Kindern zu verankern. Und wer weiß, vielleicht sind es unsere Kinder selbst, die uns diesen Sommer vorleben, dass es auch die einfachen, kleinen und unscheinbaren Schönheiten einer Blume, eines Steines oder einer Vogelstimme sind, die uns Gottes Gegenwart in Erinnerung rufen können.

Info: Die „Summer Bucket List“ auf Katholisch

o ein Besuch in einer Anbetungskapelle
o ein gemeinsamer Rosenkranz unterwegs
o ein Krankenbesuch
o eine abendliche Bibelgeschichte
o Sachspenden für Arme
o eine abendliche Heiligengeschichte
o tägliche Fürbitte für Andere
o die Bibel als Hörbuch für Autofahrten
o eine kleine Wallfahrt
o tägliches Morgengebet
o ein neues Tischgebet (vielleicht so-
gar selbst geschrieben?)
o Gebet für Verstorbene auf einem
Friedhof
o ein Besuch in einem Kloster

 

Spiel und Gebet kombinieren

Wer sich von der englischen Sprache nicht abgeschreckt fühlt, für den gibt es auch noch einen weiteren Tipp:
Die Pray + Play Challenge!
messyfamilyproject.org/challenge


Magdalena Rauter
Foto: Privat | Magdalena Rauter ist Betriebswirtin, Kinderkatechetin und führt ihr eigenes Familienunternehmen mit drei kleinen Mitarbeitern.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Magdalena Rauter Glaube Gott

Weitere Artikel

Mit Gott zu leben, heißt nicht, sich in Komfortzonen zurückzuziehen. Man muss „Härten“ aushalten wollen - dann stellt sich auch das „Süße“ ein. 
18.06.2024, 07 Uhr
Max Maletzki
Kinderpornografie macht Kinder und Jugendliche zu Opfern sexueller Gewalt. Immer häufiger werden sie selbst zu Tätern.
07.07.2024, 07 Uhr
Susanne Hartfiel

Kirche

Der theologische Diskurs in Deutschland kokettiert mit dem Zweifel. Die Wahrheit des Christentums aber lässt sich nicht relativieren.
14.07.2024, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Eucharistische Anbetung wurde zum Highlight der Woche und zur Kraftquelle für den Alltag geworden.
15.07.2024, 07 Uhr
Erika Joosten
Wenn Jesus seine Apostel aussendet, um die Frohe Botschaft zu verkünden, dann gibt er auch die nötigen Mittel dazu.
14.07.2024, 07 Uhr
Manfred Hauke
Im Jahr 2025 jährt sich das Erste Ökumenische Konzil von Nizäa zum 1700. Mal. Ein Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Michael Fiedrowicz über die Streitkultur der frühen Kirche.
13.07.2024, 09 Uhr
Regina Einig