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Kinderkatechese: Freiheit braucht Regeln

Manchmal kann am Sonntag das weiche Federbett verlockender sein als die harte Kirchenbank. Warum es sich trotzdem lohnt, für die Sonntagsmesse früher aufzustehen, liest du hier!
Jesus heilte am Sabbat
Foto: Sally-Jo Durney | Jesus heilte am Sabbat die verdorrte Hand eines Hilfesuchenden und erlaubte seinen Jüngern, Getreide zu pflücken und zu essen. Für die Pharisäer ein Verstoß gegen das Gebot, den Sabbat zu heiligen.

Fällt es dir auch manchmal schwer, am Sonntagmorgen aufzustehen, um in die Kirche zu gehen? Ich kann mich erinnern, dass ich gerne lieber mal ausgeschlafen hätte als mit meinen Eltern die Messe zu besuchen. Außerdem kam am Sonntagvormittag immer die Sendung mit der Maus, die ich eigentlich fast nie anschauen konnte; Internet-Fernsehen gab es ja noch nicht. Erst als ich nach meiner Firmung mit fünfzehn Ministrant wurde, fand ich allmählich Gefallen am Gottesdienst, weil ich immer besser verstanden habe, was da ablief.

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Dabei ist der Sonntag viel mehr ein großes Geschenk als eine Pflicht! In alten Zeiten konnten es sich nämlich nur reiche Leute leisten, regelmäßig von der Arbeit auszuruhen, denn die hatten Sklaven, welche für sie hart arbeiten mussten, während sie selber sich erholen konnten. Freizeit und Feiertage waren also ein Privileg der Reichen; und nicht jeder Herr war so gnädig, dass er auch seinen Knechten und Mägden hin und wieder Erholung gegönnt hätte. Die meisten Sklaven hatten daher ein beschwerliches und kurzes Leben.

Der Sonntag ist ein Geschenk!

Ein Herr aber war anders: und zwar der, der die Menschen geschaffen hat! Die Bibel erzählt, dass Gott die Menschen als sein Ebenbild gemacht hat; und er wollte, dass sie so frei und glücklich werden wie er selbst. Daher konnte er es nicht mitansehen, als ausgerechnet das Volk, das er selber erwählt hatte, in die Knechtschaft geriet. Gott hatte Mitleid mit den Israeliten, als er sah, dass sie in Ägypten vom Pharao unterdrückt wurden. Er ertrug es nicht, dass sie von einem fremden Herrn versklavt wurden, um ihm Paläste zu bauen.

Sicher kennst du die Geschichte, wie Jahwe den Kindern Israels die Freiheit errungen hat, und wie Moses sie aus der Knechtschaft geführt hat. Auf ihrem Weg in das Land, das Jahwe ihnen schenken wollte, kamen sie in die Wüste Sinai, wo Moses auf dem Berg Horeb die Zehn Gebote empfing. Warum jetzt Gebote, wo sie doch endlich ihre Freiheit genießen wollten, fragst du dich vielleicht. Weil Gott wusste, dass man die Freiheit auch ganz schnell wieder verlieren kann, wenn man sich nicht an Spielregeln hält.

Ein Zeichen der Freiheit 

Darum steht schon im ersten Satz „Ich habe dich aus dem Sklavenhaus geführt.“ Und deshalb wirst du ab jetzt „neben mir keine anderen Götter haben, ... nicht vor ihnen in die Knie gehen und ihnen nicht dienen“ (Dtn 5,6-9). Niemand soll sich also mehr zum Sklaven machen lassen, und keiner soll sich zum Herren über andere aufschwingen, um sie zu unterdrücken. Und damit sich auch alle daran  erinnern, wie kostbar Freiheit und Freizeit sind, verordnet Gott seinem Volk den Sabbat, einen Tag der Erholung. Im dritten Gebot lesen wir: „Halte den Sabbat heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Doch der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun“ (Dtn 5,13-15).

„Na schön,“ könnte sich nun einer denken, „dann lasse ich halt meine Familie arbeiten!“ Aber nein: auch „dein Sohn und deine Tochter“ sollen sich ausruhen. Sogar Knechten und Mägden muss man frei geben, ja sogar „dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh“ sollen von Arbeit verschont bleiben. Dasselbe gilt für „die Fremden in deinen Toren“: Auch die Gastarbeiter sollen sich erholen, selbst wenn sie den Gott Israels gar nicht kennen. Und warum? „Denk daran, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass dich der Herr, dein Gott, von dort herausgeführt hat. Darum hat dir der Herr geboten, den Sabbat zu begehen.“

Gott, der den Menschen frei geschaffen hat, will also, dass der Mensch in Freiheit lebt und frei bleibt. Der Sabbat dient der Erholung und nicht dem Erwerb, der Anbetung und nicht der Anstrengung, der Gemeinschaft und nicht dem Geschäft, der Muße und nicht dem Müssen, der Zeit und nicht dem Zwang. Er ist ein Tag, den jeder mit der Familie und Freunden verbringen kann, weil keiner etwas muss. Dass wir nicht wie Sklaven leben müssen, sondern alle sieben Tage einmal durchschnaufen können, haben wir Gottes drittem Gebot zu verdanken. Deshalb ist es nur recht, wenn wir ihm am Sonntag die Ehre geben und ihn im Gottesdienst preisen.

Der Sabbat ist für den Menschen da

Nun lebten aber zur Zeit Jesu fromme Männer, die aus dem Gebot einen komplizierten Katalog von Vorschriften gemacht haben: die Pharisäer. Sie wachten darüber, dass niemand einer Beschäftigung nachging, die man für Arbeit halten konnte. Eine ganze Reihe von Tätigkeiten waren in ihren Augen daher am Sabbat verboten, wie zum Beispiel Essen kochen, Feuer machen, Obst pflücken, Sachen herumtragen oder spazieren gehen. Einmal haben die Pharisäer Jesus und seine Jünger am Sabbat dabei erwischt, wie sie durch die Kornfelder gingen und von den Feldfrüchten naschten (Mk 2,23-28).

Jesus fragte sie: „Was regt ihr euch so auf? Wisst ihr nicht, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten? Dass sie von den heiligen Broten aßen, die im Heiligtum aufbewahrt wurden, und die eigentlich nur der Priester verzehren durfte, nachdem er neue gebacken hatte?“ Gott hatte David nämlich bereits zum König salben lassen, als der alte König noch regierte. Und als David vor diesem fliehen musste, bat er den Priester um Hilfe, der das Heiligtum hütete. Weil der aber kein anderes Brot hatte, gab er dem David von den alten „Schaubroten“ (vgl. 1Sam 21).

Damals wurden nämlich vor der Lade Gottes zwölf Brotlaibe ausgestellt – ein Opfer der zwölf Stämme Israels für Gott, das von Priestern gebacken und schließlich auch gegessen wurde. Diesen Brauch hatte es schon gegeben, als die Israeliten noch unterwegs ins gelobte Land waren. Zur Zeit Jesu gab es drei Wallfahrtsfeste, die an die Befreiung aus Ägypten erinnerten. Und an diesen Tagen wurden die heiligen Brote den Menschen gezeigt, wobei die Priester segnend sprachen: „Seht, Gottes Liebe für euch!” – wie heute vor der Kommunion, wenn der Priester die geweihte Hostie erhebt und sagt: „Seht das Lamm Gottes!“

Der Sonntag ist für die Menschen

Jesus sagte den Pharisäern: „Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat. Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat“ (Mk 2,27-28). Als er wieder in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand (Mk 3,1-6). Die Pharisäer aber lauerten schon darauf, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde. Da rief er den Behinderten in die Mitte der Synagoge und stellte ihn dorthin, wo das Wort Gottes verkündet wird. Dann fragte er sie, ob es am Sabbat erlaubt sei, Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten. Als Jesus in ihre verstockten Gesichter sah, wurde er von Zorn und Trauer erfüllt. Dann heilte er die kranke Hand des Mannes. Die Pharisäer jedoch beschlossen, Jesus zu vernichten.

Deshalb gehe ich gerne am Sonntag in die Messe, auch wenn es mir manchmal schwerfällt: Weil ich dort Jesus begegne, der sein Leben riskiert hat, um uns heil zu machen. Denn er ist Gottes Liebe für uns: das Brot des Lebens, „das hinweg nimmt die Sünde der Welt“, damit wir unbeschwert und frei leben.

Florian Kopp
Foto: Privat | Florian Kopp ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern in der Nähe von Landsberg am Lech.

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