Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinderkatechese

Kinderkatechese: Die Kraft von oben

Leni und Maxi haben sich in der fremden Stadt verirrt. Keiner hilft ihnen, denn keiner versteht ihre Sprache. Jetzt ist guter Rat teuer.
Rosenblätter regnen im Pantheon
Foto: Imago / Jochen Eckel | Das Pantheon ist eine uralte Kirche in Rom. Pfingsten wird dort auf eine ganz besondere Weise gefeiert: Rosenblätter fallen zum Ende des Gottesdienstes am Pfingstsonntag durch das Kuppeldach, um den Heiligen Geist zu ...

Du brauchst jetzt nicht losheulen“, fuhr Maxi seine Schwester an. Dabei war auch ihm nicht wirklich gut zumute. Er wusste einfach nicht, wo sie waren. Die Geschwister hatten sich in dieser Stadt komplett verlaufen. Sie arbeiteten sich wieder in eine Seitengasse vor. „Da waren wir noch nie“, stellte Leni mit großer Sorge fest. „Du hast recht“, gab Maxi zu. „Kannst Du nicht jemanden nach dem Weg fragen?“ Ein Hoffnungsschimmer glitt über Lenis Gesicht. „Aber ich kann doch kein Französisch“, gab Maxi zu bedenken. „Aber vielleicht kennt jemand unsere Unterkunft!“ Leni konnte sich den Namen gut merken, denn es war ihr Vorname auf Französisch: „Maison Hélène“. „Komm, frag mal die Leute“, stupste sie Maxi an.

Lesen Sie auch:

Maxi nahm schüchtern ein junges Pärchen in den Blick. „Maison Hélène“, sagte er zu ihnen. Doch die beiden würdigten die Kinder keines Blickes. „Vielleicht haben wir mehr Glück bei der Mutter mit dem Kinderwagen. Maison Hélène, Maison Hélène“, rief Maxi. Doch die Frau entgegnete nur ein paar Worte auf Französisch und schon war sie weg. Auch die nächsten beiden Versuche waren erfolglos – und die Kinder ratlos. Plötzlich streckte Maxi den Kopf hoch: „Schau mal, da vorne! ,Police' heißt sicher Polizei. Papa nennt sie immer ,Freund und Helfer'. Vielleicht können uns die Polizisten tatsächlich weiterhelfen.“

Mit Kindern durch das Kirchenjahr

„Bonjour“, grüßten die beiden höflich. Das hatten sie schon auf Französisch gelernt. Aber dann wurde Maxi einsilbiger: „Maison Hélène, Maison Hélène“, wiederholte er und zog seine Schultern nach oben, um zu zeigen, dass er nicht mehr wusste, wo ihre Unterkunft war. Die junge Polizistin entgegnete ein paar Worte auf Französisch, erkannte aber sofort, dass die Kinder sie nicht verstanden. Doch sie hatte eine Idee.

Sie gab „Maison Hélène“ in ihr Handy ein und zeigte den Kindern ein Foto. Leni jubelte: „Ja, genau, das ist unser Hotel!“ „Les enfants parlent allemand – Die Kinder sprechen deutsch“, erkannte der andere Polizist. Er gab eine Adresse in sein Navigationsgerät ein und machte eine Geste, dass die Kinder in den Polizeiwagen steigen sollten. „Dürfen wir mit denen mitfahren?“, fragte Leni unsicher. „Klar“, entgegnete Maxi, „das sind ja keine Verbrecher, sondern Polizisten. Die bringen uns sicher ins Hotel.“ Es dauerte nicht lange, da waren sie schon da. Die Beamten betraten mit den Kindern die Hotellobby und fragten die Dame an der Rezeption nach den Erziehungsberechtigten der beiden.

Opa und Oma kamen herunter und waren ziemlich erstaunt, die beiden heimlichen Ausreißer mit zwei Polizisten zu sehen. Leni warf sich in Omas Arme und schluchzte: „Tut mir leid, Oma. Wir werden nicht mehr ohne zu fragen in die Stadt gehen.“ Auch Maxi drückte sich reuevoll an Opa, der mit den Polizisten die Situation schnell klären konnte und sich herzlich für ihre Hilfe bedankte. Die Kinder waren riesig froh, wieder bei Opa und Oma zu sein und Maxi erzählte nun fast ein bisschen stolz, wie er dieses Abenteuer dann doch ganz gut gemeistert habe: „Ich wusste, bei der Polizei bekommen wir Hilfe.“ Aber auch Leni stellte selbstbewusst fest: „Wenn ich mir den Namen des Hotels nicht gemerkt hätte, wären wir nie nach Hause gekommen.“

Was hat das mit Pfingsten zu tun?

„Vor allem dürft ihr nicht mehr einfach weglaufen“, meinte Oma. „Und an einem fremden Ort nicht so geistesabwesend durch die Straßen gehen“, fügte Opa hinzu. „Was heißt ,geistesabwesend‘?“, fragte Leni. „Das heißt, ihr sollt nicht unaufmerksam, ohne Geist und Verstand durch fremde Straßen gehen, so dass ihr nicht mehr zurückfindet“, erklärte Oma. „Aber ich glaube, dass euer Erlebnis auch etwas mit dem morgigen Fest zu tun hat“, meinte Opa. „Mit Pfingsten? Mit dem Heiligen Geist?“ Maxi schaute seinen Großvater fragend an.

„Waren die Apostel nicht auch in einer geistesabwesenden Lage?“, wollte Opa wissen. „Meinst du, dass sie auch nicht den Weg kannten?“, fragte Leni. „Irgendwie schon“, entgegnete Opa. „Was war denn der letzte Auftrag Jesu an seine Jünger?“ Maxi wusste es: „Er hatte gesagt: ,Geht hinaus in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.‘ – Und die Jünger wussten nicht wirklich, wo sie hingehen sollten, wie sie das machen sollten.“ „Ja“, ergänzt Leni, „sie blieben im Abendmahlssaal und hatten sich dort vor lauter Angst eingeschlossen.“ „Die Apostel waren wie ihr heute ein bisschen hilflos. Aber sie haben gebetet.“ „Um den Heiligen Geist“, fällt Leni Opa ins Wort. „Und der kam dann auch, wie ein heftiger Sturm. Und Feuerflammen kamen auf die Apostel nieder“, ergänzt Maxi.

Ein Sprachenwunder

„Genau, so sagt es die Apostelgeschichte. Und wisst ihr, was dann passierte?“ „Ein Wunder passierte“, platzt es aus Leni heraus. „Die Apostel konnten plötzlich in allen Sprachen reden und ausländische Leute haben sie verstanden. Nicht so wie Maxi, den hat niemand verstanden“, grinst Leni.

„Dein bloßes ,Maison Hélène‘ zeugt auch nicht von großer Sprachenbegabung“, gibt Maxi ein bisschen beleidigt zurück. Opa ergreift wieder das Wort: „Mir scheint, das war damals bei den Aposteln schon so ein bisschen wie heute bei euch. Ihr beide hättet allein nicht nach Hause gefunden. Und auch die Polizisten kannten weder das Maison Hélène noch unsere Straße. Aber über das Internet konnten sie ein ihnen unbekanntes Wissen abrufen und über ihr Navigationsgerät wurdet ihr dann per Satellit zu unserem Hotel geführt. Der Heilige Geist ist auch eine Kraft von oben, die uns hilft, frohen Mutes zu sein und Gutes zu tun, wie wir es aus eigener Kraft nicht schaffen würden.“

Der Heilige Geist führt uns

„Aber er ist doch kein Satellit“, wendet Leni ein bisschen empört ein. Maxi richtet sich auf: „Er ist eine Person – wie Gott Vater und Gott Sohn auch. Er ist unsichtbar, aber er weiß einfach alles, weil er Gott ist.“ „Genau“, stimmt Opa zu. Er hat den Aposteln den Weg gewiesen, er hat ihnen Mut gemacht und dem Apostel Petrus Worte für eine Predigt in den Mund gelegt, durch die sich am Pfingsttag 3 000 Menschen zu Jesus bekehrten.“

„Das ist ganz schön viel“, meint Leni. „Aber dabei blieb es nicht“, fährt Opa fort. „Unter der Führung des Heiligen Geistes predigten die Apostel mutig weiter, sie durchwanderten die damals ganze bekannte Welt und verkündeten das Evangelium. Sie fanden die richtigen Worte, um viele Menschen für Jesus zu gewinnen. Auf die Fragen der Menschen wussten sie die richtigen Antworten und haben sogar selber Wunder gewirkt.“

„Und das alles konnten die Apostel nicht aus sich selbst“, erklärt Oma. „Aber sie konnten es zusammen mit dem Heiligen Geist. Deshalb wird er auch der ,Geist der Wahrheit‘, die ,Kraft von oben‘ oder der ,Freund der Seele‘ genannt. Sie waren sozusagen nicht geistesabwesend, sondern voll des Heiligen Geistes.“
„Auch wir können wie die Apostel um den Heiligen Geist bitten, dass er uns führt und stärkt“, meint Leni. „Und vielleicht tun wir das mit einem Rosenkranzgesätz ,Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat‘“, meint Opa. „Und dann habe ich noch ein Video für euch, wo ihr sehen könnt, wie in einer römischen Kirche der Herabkunft des Heiligen Geistes in Feuerzungen gedacht wird…“

Info:

Lesetipp

Wie war das mit dem Pfingstwunder? – Lies nach in der Apostelgeschichte 2, 1-47.

Gebetstipp

Betet am Abend ein Gesetz vom Rosenkranz: Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat.

 

Videotipp

Hier kannst du dir anschauen, wie Pfingsten im Pantheon in Rom gefeiert wird: 

Video

Martin Linner
Foto: Privat | Pater Martin Linner ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae (SJM) und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Martin Linner Apostelgeschichte Heiliger Geist Jesus Christus Pfingsten Simon Petrus

Weitere Artikel

Reihe zum Gebetsjahr 2024: Die Katechesen von Papst Franziskus über das Beten aus dem Jahr 2020 – Folge 16
26.05.2024, 19 Uhr
Papst Franziskus
Der Heilige Geist prägt die gemeinsame Geschichte Gottes mit den Menschen und vertreibt die Geister, schreibt Martin Grichting.
18.05.2024, 07 Uhr
Martin Grichting

Kirche

Über Franken und Maulbronn nach Cîteaux: In den jahrhundertealten Fußstapfen der Zisterzienser erschließt der neue paneuropäische Wanderweg Cisterscapes faszinierende Kulturlandschaften .
25.05.2024, 18 Uhr
Wolfgang Hugo
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hofft auf Ständige Vertretung des Papstes in Peking. Franziskus beteuert Staats-Loyalität der chinesischen Katholiken.
25.05.2024, 12 Uhr
Giulio Nova
Ein Bild zeigt mehr als tausend Worte: Dieses Bildnis des großen Kirchenlehrers Thomas weist den Weg zu den zentralen Leitmotiven seines Denkens.
25.05.2024, 19 Uhr
Hanns-Gregor Nissing