Rezension

Gute Taten sind wie Radieschen

Dankbar sein und Gutes tun: Darum geht es in einem neuen Kinderbuch mit Begleitheft für Eltern und Katecheten.
Ein neues Buch gibt Eltern und Erziehern Anleitung, um Dankbarkeit zu fördern.
Foto: Bonninstudio (imago stock&people) | Ein neues Buch gibt Eltern und Erziehern Anleitung, um Dankbarkeit zu fördern.

 Am Ende hat man eines ganz sicher gelernt: Wer Gutes sät, wird Gutes ernten – und: Dankbarkeit macht glücklich. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber der Alltag zeigt: Der Mensch ist Meister im Lamentieren und Sich-Einigeln. Hier braucht er immer wieder ein wenig Nachhilfe. Am besten praktisch, plastisch und beispielhaft, wie es Brigitte Pfaller in ihrem Buch „Gutes tun und dankbar sein“ für Kinder und Jugendliche sowie im Begleitheft „Liebe und Dankbarkeit vorleben“ für Erzieher gelungen ist. Pfaller steigt in die Katechese mit dem Märchen „Frau Holle“ ein. Es soll dem Leser veranschaulichen, wozu „Gutes tun“ oder „Gutes nicht tun“ führt. Von hier schlägt sie eine Brücke zu den 10 Geboten und zur Nächstenliebeund spannt den Bogen dann weiter zu den Themen Dankbarkeit und Fürbitte, die sie von allen Seiten ausleuchtet.

Einfache Hilfe für mehr Dankbarkeit

Ausgehend von Beispielen aus dem Leben, dem Gleichnis des Barmherzigen Samariters und der Goldenen Regel („Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“, Matthäus 7,12), übersetzt sie diese abstrakten Begriffe in konkrete Handlungen: Wir können kranke Freunde besuchen, uns sozial engagieren, den Eltern helfen, gut über andere sprechen, anderen eine Freude machen durch ein Lächeln, kleine Geschenke…. Außerdem erklärt sie immer wieder, warum all dies wichtig ist: Wir können dadurch „die Welt ein klein wenig besser machen“.

Und: „Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft zahlen sich irgendwann im Leben aus“, sie kommen also auch dem Menschen selbst zugute. Diese Botschaft ist der rote Faden der beiden Büchlein und wird immer wieder mit neuen Beispielen untermauert, wodurch sie lebendig und verständlicher wird, sich vor allem aber gut einprägt. Beispiel: Mit guten Taten ist es wie mit Radieschen: Wenn man Radieschen pflanzt, wird man selbige ernten, so Pfaller, die auch den Umkehrschluss mehrfach formuliert: Wer ständig unzufrieden ist und jammert, der ziehe weiteres Negative nach sich. Es ist eine Art Bumerang-Prinzip – im Guten wie im Schlechten. 

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Praktische Hilfestellungen für Eltern und Kinder

Die Autorin verzichtet nicht nur auf Schnörkel oder komplexe Formulierungen, sondern setzt bewusst auf eine einfache, kindgerechte Sprache, so dass man sich fragt, ob Jugendliche sich auch noch angesprochen fühlen. Aber vor dem Hintergrund, dass selbst diese oft das ABC des Glaubens nicht mehr kennen, ja selbst Erwachsene an den Grundsätzen von Dankbarkeit und Nächstenliebe scheitern und nicht oft genug daran erinnert werden können, sind die Büchlein ein niederschwelliges Angebot, sich mit den Themen ohne Umschweife auseinanderzusetzen. Auch zum Nachschlagen eignen sie sich. Zudem sind die Hefte eine Art Leitfaden für Erwachsene, die Kinder oder Jugendliche unterweisen. Sie können die Sprache bei Bedarf selbst anpassen.


Dank der Einfachheit kann Pfaller direkt zum Kern vordringen. Es ist ein wenig so, als wollte sie sagen: So schwer ist das gar nicht. Es braucht nur ein offenes Herz und ein wenig Übung, auch bei Erwachsenen, an die sich das Begleitheft richtet. In diesem werden Themen aus dem Heft für Kinder/Jugendliche aufgegriffen, vertieft und aus der Perspektive der Erzieher betrachtet, so dass diese erst selber bewusster eintreten können in die Haltung von Dankbarkeit, Fürbitte und Nächstenliebe, bevor sie diese den Kindern und Jugendlichen vermitteln. 

Im Danken liegt Segen


Dass die Bücher funktionieren, zeigte ein Praxistest mit Kindern; die konnten zentrale Aussagen nach kürzester Zeit auswendig mitsprechen. Bei Unzufriedenheit halten sie inne und singen spontan komponierte Lob- und Dankespreislieder. Bitten werden positiv (um)formuliert und manche danken jetzt immer dreimal; Pfaller empfiehlt, das Wort „Danke“ dreimal auszusprechen, weil im Danken Segen liege. Sie erläutert weiter: „Indem ich dreimal das Wort „Danke“ ausspreche, wird mir die Dankbarkeit – auch und gerade für die alltäglichen Dinge - bewusster.“ Zum positiven Bitten erläutert sie: Wenn irgendwo auf der Welt Krieg herrscht, dann müssen wir für den Frieden beten und nicht für das Kriegsende. Im ersten Fall lenkt man Herz und Blick auf das Gute, den Frieden, im zweiten konzentriert man sich auf das Schlechte, den Krieg. 


Positiv sein – das ist sicher der Weckruf dieser Büchlein an eine Welt, die im Gejammer nur allzu gern versinkt; es ist eine Motivation nicht nur für Morgen- und andere Muffel. Schlechtes, Rückschläge, Bosheit sind für Pfaller kein Grund für Lamenti. Im Gegenteil! Preisen wir den Herrn zu aller Zeit! Dass Dank Wunder bewirken kann, macht Pfaller an einem Beispiel von Anselm Grün deutlich, der erzählte, wie eine Familie aufhörte, dafür zu beten, dass ein alkoholkrankes Familienmitglied endlich vom Trinken loskäme und stattdessen zu danken begann; für ihn, sein Leben, sein So-Sein. Der Mann kam vom Alkohol weg.
 
Brigitte Pfaller: Gutes tun und dankbar sein, 2021, fe-Verlag 2021, 80 Seiten, ISBN 978-3-86357-301-0, EUR 8,95

Brigitte Pfaller, Liebe und Dankbarkeit vorleben, Impulse für Eltern und Erzieher, fe-Verlag 2021, 56 Seiten, ISBN 978-3-86357-303-7, EUR 6,95

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Dorothea Schmidt Anselm Grün Familienmitglieder Katecheten

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