Kinderkatechese

Geschichte der heiligen Emerentiana

Heute erzählen wir dir die Geschichte einer Heiligen, die in Deutschland recht unbekannt ist. Die heiligen Emerentiana war eine kleine römische Sklavin und die beste Freundin der heiligen Agnes. Beide Mädchen werden von der Kirche als Märtyrerinnen verehrt.
Auf Darstellungen trägt die Märtyrerin Emerentiana in ihrer Schürze die Steine, mit denen sie gesteinigt wurde.
Foto: Notre Dame de Vie | Auf Darstellungen trägt die Märtyrerin Emerentiana in ihrer Schürze die Steine, mit denen sie gesteinigt wurde.

 Wenn du Emerentiana fragen würdest „Wer bist du? Erzähl mir doch etwas von deinem Leben!“, würde sie wahrscheinlich antworten: „Ich bin nicht gewohnt viel zu reden.“ Als junge Sklavin konnte Emerentiana weder lesen noch schreiben; sie ist eine jungeMärtyrerin, die in der Tat nicht viel gesprochen hat. Aber sie hat durch ihr Handeln und ihren Tod von ihrem Glauben Zeugnis gegeben. Emerentiana lebte vor vielen Jahren in Italien, in Rom, im Hause der heiligen Agnes. Wie kam es dazu? Die Eltern von Agnes waren reich und angesehen.

Als Agnes geboren wurde, brauchte ihre Mutter eine Frau, um ihr Baby zu stillen und zu betreuen. So war es damals in den adeligen Familien üblich. Emerentianas Mutter, eine Sklavin, wurde also „gekauft“ oder angestellt, um Agnes zu stillen. Da sie ihre eigene kleine Tochter nicht alleine lassen konnte, kam auch Emerentiana in die Familie von Agnes. Beide Kinder, Agnes und Emerentiana, sind zusammen aufgewachsen und haben gemeinsam gespielt. Agnes wuchs in einer gläubigen Familie auf und wurde getauft. Emerentiana sah, wie die Familie ihr christliches Leben führte. Sie bewahrte alles in ihrem Herzen. Sie selber, die Tochter der Sklavin, war wahrscheinlich nicht getauft. Aber sie lebte aus demselben Glauben und derselben Liebe zu Christus wie Agnes. Zu dieser Zeit wurden in Rom die Christen verfolgt. Viele erlitten das Martyrium, das heißt, sie wurden um ihres Glaubens willen getötet, auch Agnes.

Eine junge römische Märtyrerin

Und Emerentiana? Was machte sie nun? Verbarg sie sich? Nein, sie hörte auf ihr Herz und blieb ihrer Freundin treu. Sie konnte Agnes nicht vergessen, sie ging immer wieder an ihr Grab, obwohl es für ein dreizehn- oder vierzehnjähriges Mädchen ziemlich weit und gefährlich war. Die Leute dieser Gegend, die nicht an Christus glaubten, bemerkten sie und wurden wütend. Sie beschimpften und verspotteten sie. Für ihr treues Kommen und ihre mutigen Antworten wurde sie am Grab ihrer Freundin Agnes mit Steinen beworfen und starb. Sie erhielt so die sogenannte „Bluttaufe“. 

Was sagt uns die heilige Emerentiana heute?

Eine junge Sklavin war für die Römer nichts wert, sie galt nicht einmal als eine Person. Vielleicht denkst du jetzt, dass Emerentiana in ihrem kurzen Leben kaum etwas geleistet hat… Es stimmt, wenn du wie viele Menschen nur das Äußere siehst. Aber wir können auch sehen, was Gott aus diesem jungen und armen Mädchen gemacht hat: eine Heilige mit großer Ausstrahlungskraft. Vielleicht fragst du dich jetzt: was geht mich das an? Kann ich etwas von ihr lernen? Sie hat doch vor Jahrhunderten gelebt! Ja, du kannst viel von ihr lernen, sie ist ein gutes Vorbild. Oft wollen wir im Mittelpunkt stehen, wir wären gerne der oder die Beste in der Schule, auf dem Fußballplatz, wir hätten gerne in vielen Bereichen den ersten Platz. Emerentiana zeigt uns, dass man glücklich ist, wenn man sich selbst annimmt so wie man ist, wenn man seine Aufgabe mit Freude erfüllt und sich über das Glück der anderen freut, ohne neidisch zu sein.

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Ist es nicht schön, den anderen Überraschungen zu machen? Das hat Emerentiana oft gemacht, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Wir bemerken sie kaum, aber sie ist da wie eine Freundin, wie eine kleine Dienerin, die alles in Ordnung bringt. Noch heute macht sie das für alle, die sie darum bitten. Überlege mal, wie du deiner Mama, deinem Papa, deinen Geschwistern, deinen Freunden oder deinen Nachbarn eine Freude bereiten kannst. Vielleicht kannst du den Tisch decken, die Spielzeuge deiner kleinen Geschwister aufräumen, jemandem eine Karte schreiben? Sicher findest du noch andere Dinge, die du machen könntest. So wirst Du wie Emerentiana ein feinfühliges Kind, das Freude verbreitet! Emerentiana ist uns auch durch ihre Treue ein Vorbild. Sie war treu in den kleinen alltäglichen Diensten und in ihrer Freundschaft zu Agnes. Auch sie hatte den Mut, für Jesus zu sterben.

Emerentiana beschenkt auch uns!

Die junge Märtyrerin ist in Deutschland nicht sehr bekannt und vielleicht hörst du jetzt ihren Namen zum ersten Mal. So haben wir sie entdeckt: Der Gründer unserer Gemeinschaft „Notre-Dame de Vie“, der selige Pater Maria-Eugen, hatte diese kleine Heilige besonders lieb, die für ihn außerordentliche Dinge bewirkte. Er erklärt selber, wie Emerentiana sich zu erkennen gab: „Ich war Ordensmann in Frankreich, und eines Tages – es war der 23. Januar – bemerkte ich, dass ich eine Gegenwart spürte, dass ich ein besonderes Geschenk, eine besondere Gnade empfing. An diesem Tag feierte man drei Heilige. Ohne zu zögern rief ich: „Sie ist es! Emerentiana!“. Etwas später sagte er: „Sie ist immer freundlich und fröhlich. Jedes Jahr bringt sie ihr kostbares Geschenk und dann verschwindet sie wieder. Wenn man nachforscht, wer es war, freut sie sich riesig, bleibt aber verborgen“. In unserer Gemeinschaft lebt Emerentiana weiter. Wir beten gerne zu ihr. Sie prägt unseren Lebensstil, lehrt uns, wie man im Verborgenen dient und der Kirche immer treu bleibt.

 Gemeinsam können wir zu ihr beten:
Heilige Emerentiana,
Du hast der heiligen Agnes mit großer Liebe, 
Hingabe und Treue gedient.
Ruf uns in Deine Nachfolge.
Schenke uns Deine Demut, Deine Treue und Liebe.
Hilf uns, Jesus überall zu folgen
und schenke uns Deine Freude!
Amen.

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