Kinderkatechese

Eine spannende Zeitreise durch das Leben Jesu

Der Rosenkranz ist keine Aneinanderreihung von immer gleichen Gebeten, sondern eine Reise in die Zeit Jesu: Film ab!
Rosenkanz
Foto: Charlotte Theuke | Der Oktober ist der Rosenkranzmonat. Viele Menschen beten besonders in diesem Monat täglich den Rosenkranz.

Habt ihr schon mal Tauziehen gespielt mit einem Erwachsenen auf der einen und einem Pulk Kinder auf der anderen Seite? Wer hat gewonnen? Gewinnen kann nur, wer stärker ist. Aber habt Ihr auch dran gedacht, dass das Tau, die Kette oder das Seil selbst sehr, sehr stark ist? Denkt mal an ein Abschleppseil. Das zieht ein Auto, das ungefähr eine Tonne wiegt, also so viel wie 1 000 Milchpackungen. Und doch reißt es nicht. Oder schaut mal bei Baustellen vorbei, wie ein Kran einen schweren Gegenstand hebt, der an einer Kette hängt. Oder an die Fahrradkette, die vielleicht mal rausspringt, aber nicht reißt. Ketten sind sehr zäh und stark.

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Ave Maria

Wir wollen uns heute mit einer besonderen Kette beschäftigen: dem Rosenkranz. Bald beginnt der Oktober, der Rosenkranzmonat, der der Muttergottes geweiht ist.
Der Rosenkranz ist eigentlich kein Kranz, er besteht auch nicht aus Rosen; sondern er ist eine Kette aus Perlen: immer zehn aneinanderhängende, bei denen man ein „Gegrüßet seist du, Maria“ betet, und eine einzelne für das „Vaterunser“. Vielleicht mögt ihr die vielen hintereinander gebeteten „Ave Marias“ nicht immer so gern. Aber wenn ihr euch vorstellt, dass euch mit jedem „Ave“ Jesus euch Sorgen vom Herzen nimmt und euch Freude schenkt, wo eben noch Traurigkeit war und ihr quasi eine Zeitreise in das Leben Jesu macht — das wär`s doch, oder?

Der Rosenkranz heißt übrigens nicht ohne Grund Rosenkranz. Im Mittelalter haben die Menschen zur Ehre der Muttergottes Blüten- oder Rosenkränze auf den Kopf von Marienfiguren gelegt. Später ersetzten sie jede Rose durch ein Gebet. Um sich dabei nicht zu verzählen, bastelten sie sich eine Art Ersatz-Kranz aus Perlen, wobei je eine Perle für eine Rose stand. Und vermutlich, weil der Name Rosenkranz schöner klingt als Perlenkranz, blieb man bei der Bezeichnung „Rosenkranz“.

Jedes Ave eine Rose

Heute stellen sich viele Christen vor, dass wir der Muttergottes mit jedem „Gegrüßet seist du, Maria“ eine Rose schenken. Vielleicht habt ihr auch schon pro Ave eine Rose in eine Vase stecken dürfen? Was denkt ihr: Wird sich Maria gefreut haben? Na klar wird sie das. Sehr sogar! Genauso, wie eure Mama sich freut, wenn ihr ihr Blumen von der Wiese mitbringt oder der Papa ihr einen Blumenstrauß schenkt, freut sich auch die Muttergottes über jede Ave Maria-Rose. Echte Rosen können wir nicht in den Himmel schicken. Gebet aber schon. Ihr könnt euch also vorstellen, dass jedes Mal, wenn ihr ein Ave Maria betet, das Gebet wie eine Blume aufblüht und in den Himmel steigt.

Beim Rosenkranzgebet betrachten wir vor allem Stationen aus dem Leben Jesu. (Jede dieser Stationen nennen wir „Gesätz“ oder „Geheimnis“. Deine Eltern können dir helfen, eine Liste aller Gesätze zu finden, zum Beispiel im Internet oder in einem Gebetbuch. Es gibt auch spezielle Büchlein für Kinder.) Wenn wir zum Beispiel das dritte glorreiche Gesätz beten, das an Pfingsten erinnert, dann könnt ihr vor eurem inneren Auge einen Film laufen lassen: Stellt euch vor, wie Maria mit den Jüngern im Abendmahlssaal sitzt und mit ihnen betet, bis Feuerzungen vom Himmel fallen, auf jedem der Betenden landen und sie dann vor Freude herumtanzen und Gott Loblieder singen, weil sie sich so mutig, gestärkt, glücklich und geliebt fühlen, dass sie hinauslaufen auf die Straße und allen sagen, dass Jesus lebt und alle liebt!

Oder denkt an die Szene, in der der Erzengel Gabriel zu Maria kommt und sie fragt, ob sie die Mutter von Gottes Sohn werden möchte. Das ist das erste freudenreiche Gesätz: „Jesus, den Du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.“

Maria hilft uns, Jesus besser kennenzulernen

Und so könnt ihr euch zu jedem Gesätz die jeweilige Szene vorstellen und Jesu Leben betrachten. Manchmal helfen kurze Bibeltexte, um in die Szene hineinzufinden, bevor man betet. Bestimmt helfen euch eure Eltern dabei. Und dann schaut einfach, was sich in eurem inneren „Film“ tut, was da passiert, wie es dort aussieht bei Jesus. Vielleicht riecht und hört ihr auch etwas. Ihr könnt euch sogar selbst ins Bild setzen, zum Beispiel als einer der Jünger Jesu in der Menge, der gut hinhört, was Jesus zu euch sagt. So wird der Rosenkranz lebendig und viel mehr als eine Aneinanderreihung von immer denselben Worten!

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum man von Marienmonat spricht, obwohl wir Jesus betrachten.  Maria hilft uns, Jesu Leben besser zu verstehen. Sie nimmt uns an die Hand, führt uns durch die Stationen aus Jesu Leben hindurch und erklärt sie uns. Das ist so, als würdet ihr von einem berühmten Menschen hören, ihn aber nicht richtig kennen und darum jemanden, der ihn sehr wohl kennt, bitten, von ihm zu erzählen und ein Treffen mit ihm zu ermöglichen. So führt Maria uns zu Jesus, wenn wir zu ihr beten. Je besser wir Jesus kennen, desto mehr können wir ihn lieben, ihm begegnen und ihn kennenlernen. Beim Rosenkranz gehen wir mit Jesus durch sein Leben, sehen ihn und hören, wie er redet.

Schlacht von Lepanto

Jetzt bleibt nur eine Frage offen: Warum ist gerade der Oktober „Rosenkranzmonat“? Das liegt daran, dass die christlichen Königreiche unter Papst Pius V. am 7. Oktober 1571 im Ionischen Meer bei Lepanto ganz überraschend das Osmanische Reich geschlagen hatten. Der Papst war sich sicher, dass sie wegen ihrer Gebete zu Maria gesiegt hatten. Darum erhob er den 7. Oktober zum „Fest der Seligen Jungfrau Maria vom Siege“. Und der Oktober wurde zum Rosenkranzmonat.

Der Titel „Maria vom Siege“ sagt uns, welch gewaltige Fürbittkraft Maria beim himmlischen Vater hat. Schwester Lucia, eines der drei Seherkinder von Fatima,  sagte einmal: „Es gibt keine Not, kein Problem, das nicht mit dem Rosenkranzgebet gelöst werden könnte.“ Und wenn ihr das Leben Jesu im Rosenkranzgebet lebendig werden lasst, werden die Ave Marias in eine spannende und richtig schöne Begegnung mit Jesus verwandelt, der durch Maria in eurem Leben kleine und große Wunder wirkt!

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Zum Abschluss drei kleine Regeln zum Beten des Rosenkranzes:

  1. Ein Gebetsanliegen formulieren,
  2. Sich die Szene des Gesätzes bildhaft vorstellen und in das Leben Jesu eintauchen,
  3. Nicht warten, dass das Gebet schnell zu Ende ist.

Tipp: Betet den Rosenkranz zusammen mit anderen Kindern.
Die Kisi-Kids treffen sich täglich mit oder ohne ihre Eltern online dazu. Infos dazu findet ihr unter https://bit.ly/3xSDgsB.


1.000.000 Rosenkränze!

Eine Million Kinder aus allen Ländern beten am 18. Oktober gemeinsam den Rosenkranz für Frieden und Einheit in der Welt.

Bist du auch mit am Start?
Mitmachen:

https://acninternational.org/millionchildrenpraying/de/

Auf der Kampagnen-Website kannst du dich mit deiner Familie oder deinen Freunden gemeinsam anmelden.
Dort findest du auch Malvorlagen und eine Erklärung, wie man den Rosenkranz betet.

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Themen & Autoren
Dorothea Schmidt Heiliger Geist Jesus Christus Rosenkränze Vaterunser

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