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Dreifaltigkeitssonntag: Gott zu Gast

Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit.
Andrei Rublev, Heilige Dreifaltigkeit (Troitsa), um 1425.
Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei | Andrei Rublev, Heilige Dreifaltigkeit (Troitsa), um 1425.

Ein altes Bildnis hilft uns dabei,
dem Geheimnis des dreifaltigen Gottes auf die Spur zu kommen.

Bob: Hallo Opa!

Opa: Hallo Bob! Wo hast du denn deine Schwester gelassen?

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Bob: Die hat im Flur noch etwas entdeckt, das sie sich genauer anschaut.

Opa: Dann gehen wir doch mal zu ihr.

Lilly: Hallo Opa, was liegt denn hier für ein schönes goldenes Bild?

Opa: Das ist ein ganz besonderes, eine sogenannte Ikone. Ich weiß noch nicht genau, wo ich sie aufhängen soll.

Bob: Darf ich ihr einen Platz in deiner Wohnung aussuchen?

Lilly: Was macht sie denn so besonders?

"Wichtig ist, dass nicht das Bild selbst
verehrt wird, sondern dass es durch
seine Betrachtung Gottes Gegenwart erfahrbar macht."

Opa: Ihr dürft beide einen Vorschlag machen, wo wir sie aufhängen. Das Wort Ikone stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Abbild“. Damit bezeichnen wir Heiligenbilder der Ostkirche. Der Maler wird nicht als Künstler, sondern als „Ikonenschreiber“ bezeichnet. Diese auf Holz „geschriebenen“ Bilder werden nach ganz bestimmten Kriterien erstellt. Es gibt beispielsweise eine spezielle Maltechnik, bei der Formen und Farben in feinsten Lasuren schichtweise bis zum fertigen Bild aufgetragen werden.

Auf allen Ikonen muss auch eine Inschrift, meist in Griechisch, Russisch, Lateinisch oder Altslawisch, verfasst werden, die erklärt, wer oder was dargestellt ist. Jede Farbe – Gold ist besonders beliebt und symbolisiert das Leuchten des Göttlichen in unsere Welt hinein – hat ihre spezifische theologische Bedeutung. Wichtig ist, dass nicht das Bild selbst verehrt wird, sondern dass es durch seine Betrachtung Gottes Gegenwart erfahrbar macht. Jedes Bild wird deshalb am Ende auch nach einem bestimmten Ritus kirchlich geweiht.

Lilly: Das klingt ja kompliziert!

Opa: Lilly, nimm doch bitte die Ikone vorsichtig mit, dann stellen wir sie auf den Wohnzimmertisch und ich erzähle euch mehr dazu.

Bob: Oh ja!

Opa: Das Originalbild dieser sogenannten Dreifaltigkeitsikone wurde im 15. Jahrhundert vom russischen Maler Andrei Rubljow angefertigt und ist eines der größten Meisterwerke der russischen Malerei. Wisst ihr noch, was die Dreifaltigkeit ist?

Bob: Naja, halt Gott. Aber irgendwie in drei Personen.

Opa: Genau. Erst durch Jesus wissen wir, dass Gott nicht einsam ist, sondern in sich Gemeinschaft. Es ist ein Gott, aber in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dieses Geheimnis nennen wir Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit – der erste Begriff betont die Einheit, der zweite den Unterschied in Gott. Auch im Alten Testament, im ersten Teil der Bibel, in dem Jesus noch nicht als Mensch in unsere Welt gekommen ist, gibt es schon Anzeichen für dieses unergründliche Geheimnis. Beispielsweise die Bibelszene, die auf meiner Ikone abgebildet ist: Gott besucht in der Gestalt von drei Wanderern oder drei Engeln Abraham und seine Frau Sarah, die ihre Zelte bei den Eichen von Mamre aufgeschlagen hatten. (Vgl. Gen 18,1-33)

Lilly: Warum sind dann Abraham und Sarah auf deiner Ikone nicht zu sehen?

Opa: Gut aufgepasst. Auf noch älteren Darstellungen derselben Szene sind Abraham und Sarah mit abgebildet. Rubljow muss sich wohl, warum auch immer, dagegen entschieden haben. Vielleicht wollte er den Fokus mehr auf die drei abgebildeten Personen richten. Aber betrachten wir zunächst einmal gemeinsam die Ikone. Die drei Personen mit Flügeln und Heiligenschein – man nennt ihn in der Fachsprache auch Nimbus – sitzen um einen Tisch und halten je einen dünnen roten Stab, wohl ein Wander- oder Botenstab, in der rechten Hand. Man kann schwer sagen, ob es Männer oder Frauen sind. Ihre Körperform, ihre Größe, ihr Alter und ihre Sitzhaltung sind sehr ähnlich. Nur die Farben ihrer Kleidung, ihre Blickrichtung und die Haltung ihrer linken Hand sind unterschiedlich.

Bob: Im Hintergrund sind ein Gebäude und ein Baum!

Lilly: Und vorne am Tisch ist eine Art Rechteck und auf ihm steht ein goldener Kelch.

Bob: Und die zwei vorderen Engel haben ihre Füße auf einer Fußablage.

Opa: Ihr habt ja Adleraugen! Zunächst einmal: Das unscheinbare rechteckige Kästchen an der Frontseite des Tisches deutet den Aufbewahrungsort für Reliquien an. Es zeigt damit, dass der abgebildete Tisch ein Altar ist: Der Kelch – Symbol für das Kreuzesopfer Jesu, das in jeder Eucharistiefeier gegenwärtig wird – bestätigt diese Annahme. Auch die Blicke der drei Personen sind vielsagend: Die mittlere Person schaut auf die links sitzende Figur, die wiederum ihren Blick auf die rechte Figur gerichtet hat. Diese hat den Kopf etwas geneigt und es scheint, als blicke sie auf den Kelch in der Mitte des Altares. Ich persönlich finde: Je länger man das Bild betrachtet, umso stärker wird man in diese geschlossene und zugleich für den Betrachter geöffnete Kreisbewegung hineingenommen. Als geometrische Figur ist der Kreis, der keinen Anfang und kein Ende hat, übrigens auch ein Hinweis auf den ewigen Gott."

"Gastgeber für die Heilige Dreifaltigkeit"

Lilly: Vielleicht schaut die dritte Person auch Abraham und Sarah an, die dort außerhalb des Bildes stehen?

Opa: Eine gute Idee. Das würde zudem bedeuten, dass auch wir die Rolle der Gastgeber für die Heilige Dreifaltigkeit einnehmen könnten. Gastgeber für die Heilige Dreifaltigkeit, stellt euch das mal vor! Ist das nicht großartig? Ihr habt das Haus und den Baum schon gesehen. Habt ihr den Felsen rechts oben im Bild entdeckt? Eine mögliche Interpretation für diese Gegenstände wäre: Das Haus steht für das Zelt Abrahams, der Baum für die Eichen bei Mamre und der Fels für den Berg Morija, der auf die Opferung Isaaks hinweist. Aber diese Geschichte erzähle ich euch ein anderes Mal.

Bob: Und was hat es mit der Fußablage auf sich?

Opa: Die Füße der beiden seitlich dargestellten Figuren stehen auf zwei Brettern. Diese laufen aufeinander zu und bilden unter dem Tisch ein geöffnetes Dreieck. Durch diese Öffnung werden wir als Bildbetrachter in das Geschehen hineingezogen, wir werden also mit an den Tisch geholt.

Lilly: Und warum hat deine Ikone keine Inschrift, die erklärt, um wen oder was es sich hier handelt?

Opa: Du bist wirklich sehr aufmerksam. Meine Vermutung ist: Vielleicht beabsichtigte der Ikonenschreiber keine eindeutige Zuordnung der Personen, sondern wollte vielmehr deren Einheit darstellen.

 Man könnte noch so vieles mehr über dieses Bild sagen, beispielsweise über seine Farben. Aber vielleicht noch eine wichtige Sache: Der Künstler verwendete hier die sogenannte umgekehrte Perspektive. Das heißt, Dinge, die weiter entfernt liegen, werden nicht kleiner dargestellt, sondern größer; und Dinge, die näher liegen, nicht größer, sondern kleiner. Damit kommt die geistliche Sprache der Ikone, die Gottes Gegenwart erfahrbar machen wollen, zum Ausdruck: Nicht der Betrachter schaut auf die Ikone, sondern die Ikone beziehungsweise Gott schaut ihn an.

Bob: Opa, ich habe jetzt auch eine gute Idee, wo wir dein neues Bild aufhängen könnten! Komm mal bitte mit.

Opa: Na, da bin ich aber mal gespannt!



Wenn du die Ikone und ihre Bildsprache etwas genauer untersuchen möchtest, dann schau dir unser Zusatzmaterial an.

 

Claudia Weiß
Foto: Privat | Claudia Weiß arbeitet für die YOUCAT Foundation (www.youcat.org) und ist Lehrerin an einer Förderberufsschule.

 

Info: Warum wir von Dreifaltigkeit sprechen

Von Bernhard Meuser

Einen guten Schlüssel zur Annäherung an die Heilige Dreifaltigkeit finden wir bei Johannes: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ (Joh 1,1-3).

Das will sagen: In Gott ist ursprünglich etwas von Mitteilung. Wäre Gott nur reines in sich ruhendes Selbst, müsste er nicht Wort heißen, denn ein Wort hat nur Sinn, wenn ein anderer es hört und versteht. Hier bekommen wir eine Ahnung, warum es diesen anstößigen christlichen Gottesbegriff von der Trinität (drei Personen in einem Gott) gibt. Gott ist in tiefster Tiefe Dialog, Kommunikation, Gespräch, Austausch, Liebe, Geist.

Die Mitteilsamkeit ist nicht etwas, das Gott gewissermaßen sekundär erworben hätte. Gott ist Mitteilung. Gott ist Beziehung. In der Philosophie ist die Beziehung, also das, was zwischen einem Seienden und einem anderen Seienden ist, die schwächste Kategorie von Sein. Die Liebe, die zwischen zwei Menschen ist, kann kommen und gehen. Bei Gott aber (und in Gott) ist die Beziehung zwischen Vater und Sohn von solcher Dichte und Kraft, dass sie selbst „Person“ ist. So haben die Christen der Urkirche aber nicht den Heiligen Geist entdeckt.

Sie erfuhren ihn als ein „Jemand“ – als Handelnden, Anrufbaren – wie sie den Sohn erfuhren und den Vater. Das Konzil von Konstantinopel ergänzte 381 die Lehre vom Heiligen Geist um den Passus: „der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten“.

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