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Der Jessebaum: Jesu Familie im Advent entdecken

Er ist besonders und kommt aus den USA: An den Jessebaum hängt man im Advent jeden Tag ein neues Bild aus dem Leben Jesu. Der passende Bibelabschnitt wird dazu vorgelesen.
Jessebaum
Foto: Anna Weber | Der Jessebaum kann aus Pappe oder auch echt sein. An ihn wird jeden Tag ein Ornament gehängt und die passende Bibelgeschichte dazu vorgelesen.

Seit einigen Jahren schon gibt es in unserer Familie einen besonderen Adventskalender: den Jessebaum. Zum ersten Mal ist mir dieser christliche Adventskalender vor fast 20 Jahren in Amerika begegnet, und schon damals war mir klar, dass ich diesen Adventskalender eines Tages auch für meine Kinder haben wollte.

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Der Jessebaum – der Stammbaum Jesse – ist eine alte christliche Tradition. Er erzählt die Geschichte von Jesu Abstammung von Jesse, dem Vater König Davids, wie sie in der Bibel im Buch Jesaja beschrieben wird: „Doch aus dem Baumstumpf Isais (=Jesse) wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“ (Jes 11,1). Er veranschaulicht, wie Gott über Jahrhunderte und Generationen hinweg einen Plan für uns Menschen hat und spannt den Bogen von der Erschaffung der Welt bis zur Geburt Jesu, die wir an Weihnachten feiern. Der Jessebaum ist sozusagen ein bildlicher Stammbaum Jesu. Übrigens hat der Stammbaum einer Familie, wie wir ihn heute kennen, seinen Ursprung in dieser Bibelstelle.

Wie eine Bilder-Bibel

Die früheste bildliche Darstellung eines Jessebaumes findet sich in einer illustrierten Ausgabe der Bibel aus dem Jahre 1086. Seit diesem Zeitpunkt gab und gibt es viele Darstellungen dieses Baumes: in illustrierten Büchern, Holzschnitzereien, Glasmalereien, Mosaiken, Gemälden und Stickereien, um nur einige wenige zu nennen. Man findet den Jessebaum zum Beispiel in den Kathedralen von Chartres und Santiago de Compostela sowie im Markusdom zu Venedig. Der Grundgedanke der bildlichen Darstellung des Jessebaums war es dabei stets, den Menschen, die des Lesens nicht kundig waren, zu helfen, die Geschichten und Zusammenhänge der Bibel von Anfang bis Ende zu verstehen. Und genau das möchte ich für meine Kinder auch.

In den USA wird der Jessebaum oft in Form eines (Christ-)Baumes aufgestellt. Dieser kann aus Pappe oder auch echt sein. An ihn wird jeden Tag ein Ornament gehängt und die passende Bibelgeschichte dazu vorgelesen. So ergibt sich ein Baum, der die Geschichte Jesu erzählt. Der Jessebaum beinhaltet dabei die wichtigsten Personen und Ereignisse der Bibel: angefangen von der Schöpfung, über Noah, Abraham, Isaak und Jakob bis hin zu Maria und Josef und den Hirten auf dem Feld. Der Inhalt solch eines Jessebaumes variiert dabei. Den Jessebaum kann man entweder mit dem ersten Advent oder mit dem ersten Dezember beginnen. Passender für jedes Jahr ist der Beginn mit dem 1. Dezember; der Jessebaum wird dann mit 24 Ornamenten geschmückt.

Man kann ihn zuhause basteln

Einen Jessebaum kann man leicht selbst herstellen. Die Recherche dazu wird ein wenig dauern, ist aber eine spannende und lehrreiche Aktivität gemeinsam mit den Kindern. Dabei macht man sich auf die Suche nach den wichtigsten Geschichten und Charakteren der Bibel. Mit den Kindern zusammen überlegt man, welche Illustration für die jeweilige Geschichte passend ist; so deutet ein Regenbogen offensichtlich auf Noah hin, die Gesetzestafeln auf Mose, eine Leiter auf Jakob, ein Mantel auf Josef, ein Zepter auf Esther und so weiter. Schnell sind die passenden Ornamente gemalt, ausgeschnitten und aufgehängt. Wer handwerklich begabt ist, kann die Ornamente vielleicht auch sticken oder mit der Stichsäge aussägen. Wenn der Plan für jeden Tag steht und die Ornamente vorbereitet sind, kann jeden Tag im Advent ein Ornament an den Jessebaum gehängt werden. Dabei wird die passende Geschichte aus der Bibel oder einer Kinderbibel vorgelesen. Nun kann darüber geredet werden, was diese Geschichte uns, auch im Licht des Neuen Testaments, sagen möchte. Eine Gewissenserforschung, eine Fürbitte und ein Dankgebet passend zum Tag können angeschlossen werden. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Die Geschichte Abrahams zeigt uns, dass Gott sein Versprechen hält und wir ihm ganz vertrauen können. Gott hat Abraham eine große Familie geschenkt. Durch Jesus sind auch wir Teil dieser großen Familie geworden. Hier kann ein Dankgebet gesprochen werden. 
Moses und die Gesetzestafeln führen uns vor Augen, wie Gott möchte, dass wir leben. Nur leider schaffen wir das oft nicht. Wir brauchen einen Erlöser – Jesus. Hier kann darüber nachgedacht werden, welche Dinge heute nicht nach Gottes Willen waren und wir können Jesus um Vergebung bitten. Ein Dankgebet für Jesu Erlösung schließt den Tag ab.

Esther zeigt uns Mut, Maria unerschütterlichen Glauben

Davids Geschichte erzählt uns vom Kampf gegen den Riesen Goliath, den er mit Gottes Hilfe besiegt hat. Jesus Christus hat die für uns oft übermächtig scheinende Sünde und den Tod besiegt. Hier kann ein Dankgebet dafür, dass mit Gott nichts unmöglich ist, gesprochen werden.
Esther zeigt uns, was Mut ist. Sie trat vor dem König für ihr Volk ein. Auch Jesus tut das für uns. Er ist der Fürsprecher für uns beim Vater. Hier kann darüber nachgedacht werden, was es heißt, mutig zu sein und welche Dinge Mut erfordern.

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Maria ist uns ein Vorbild in ihrem unerschütterlichen Glauben. Weil sie „ja“ gesagt und auf Gott vertraut hat, ist uns Jesus geboren. Hier können wir dafür beten, selbst auch so einen unerschütterlichen Glauben zu erhalten und Gott für Maria danken. Mit meinen Kindern habe ich bereits verschiedene Arten von Jessebäumen ausprobiert. Jedoch ist der Jessebaum für Kinder im deutschsprachigen Raum noch recht unbekannt; alle mir bekannten Materialien sind nur auf Englisch verfügbar. Dort gibt es bereits fertige Jessebäume mit Ornamenten, die aufgehängt werden können. Auch Malvorlagen zum Ausschneiden, Anmalen und Aufhängen haben wir schon ausprobiert. Jessebaum-Bücher mit interaktivem Material haben wir mittlerweile auch daheim.

24 Jessebaum-Ausmalbilder

In den vergangenen Jahren habe ich mir deswegen mit englischem Material beholfen, es selbst übersetzt und für unsere Familie angepasst. Im letzten Jahr entschloss ich mich dann jedoch, dazu eine eigene deutsche Version anzufertigen. Daraus ist ein Malbuch über die kleinen Mäuse Matilda, Max und Martin geworden, die in die Vergangenheit Jesu reisen. Meine Kinder haben den Entstehungsprozess dieses Jessebaum-Malbuchs mitverfolgt. Sie saßen dabei, als ich das Bild zu David malte, teilten mir ihre Ideen für die Illustration von Noah mit und entwarfen die Rose für Maria. Für jeden der 24 Tage vor Weihnachten gibt es in diesem Malbuch ein Ausmalbild, das die passende Bibelstelle illustriert. Kurze Fragen und Anregungen helfen, ins Gespräch zu kommen über die Verheißungen Gottes und darüber, was diese auch für uns heute noch bedeuten.

Wie auch immer der Jessebaum dann am Ende aussieht, die intensive Beschäftigung mit Jesu Geschichte hat meinen Kindern und mir sehr geholfen, uns geistlich auf Weihnachten vorzubereiten. Deswegen werden wir auch dieses Jahr wieder unseren Jessebaum aufstellen und jeden Tag ein neues Ornament daran hängen.

Anna Weber
Foto: privat | Anna Weber, Sozialpädagogin, verheiratet und Mutter von drei Kindern, schreibt auf ihrem Blog über das Kirchenjahr: www.sanktwerk.de/blog

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