Kerzen basteln

Jeder Sonntag ein kleines Ostern

Die Herstellung einer Osterkerze ist eine gute Vorbereitung auf das Hochfest und hilft dabei, Ostern das ganze Jahr über im Herzen zu tragen.
Osterkerzen
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Ob gekauft oder gebastelt: Die Osterkerze erinnert das ganze Jahr über an die des Heilands.

Es gibt sie immer wieder – die Phasen, in denen alles andere viel wichtiger scheint und Gott im Familienalltag in die hinterste Ecke rückt. In den geprägten Zeiten, rund um ein besonderes Sakrament oder während einer aufregenden Pilgerfahrt ist das geistliche Leben intensiv, Gott hat Hochkonjunktur, mühelos lassen sich Glauben und Leben verbinden. Aber danach ist gerne mal die Luft raus. Plötzlich scheint es schwierig, Gott im Alltag Aufmerksamkeit zu schenken. 

Was hilft dagegen? Vielleicht ein neuer Blickwinkel. Denn eigentlich müsste es die grauen „Durchhängephasen“ gar nicht geben. Das ganze Kirchenjahr besteht ja aus immer neuen Höhepunkten: den Sonntagen. Schließlich feiern wir „den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten auferstanden ist“, wie es in der Messliturgie heißt. Also ist eigentlich jeder Sonntag ein kleines Osterfest. Dazu gehört in erster Linie natürlich die Eucharistiefeier, in der wir Christus ganz unmittelbar begegnen und uns von ihm wieder neu erfüllen und stärken lassen dürfen – in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche. Nur fällt es oft schwer, diese Stärkung anschließend in das Familienleben mitzunehmen. Wirklich gute Routinen sind da ein starkes Hilfsmittel. Hier ein kleines erprobtes Familienritual, das uns das ganze Jahr über immer wieder mit Gott in Verbindung bringt: unsere Familien-Osterkerze. Sie trägt das Osterlicht durch unser ganzes Jahr und macht die Sonn- und Feiertage zu wirklichen Auferstehungstagen, an denen wir die Nähe Christi besonders spüren dürfen. 

Wüstenzeit ohne Osterkerze

Und so sieht das konkret aus: Samstags wird unsere Wohnung für den Festtag schön gemacht. Wir schmücken den Esstisch entsprechend der Jahreszeit oder der geprägten Zeit im Kirchenjahr und stellen die Osterkerze in die Mitte. Sie wird dann zu allen Mahl- und Gebetszeiten angezündet. So merken wir, dass Jesus wirklich bei uns ist, wenn wir gemeinsam essen und beten. Auf die gleiche Weise verfahren wir auch an allen Hochfesten, in der Oster- und Weihnachtsoktav brennt unsere Osterkerze sogar täglich. Mein Mann kümmert sich liebevoll um die Pflege der Kerze, er ebnet den Rand regelmäßig und sorgt dafür, dass sie gleichmäßig abbrennt. Das ganze Jahr über beobachten wir sie und fiebern ein wenig, ob die Kerze noch bis zum Aschermittwoch durchhält. In der Fastenzeit müssen wir dann ohne Osterkerze leben – eine kleine Wüstenzeit. Dafür geht jetzt die Motivsuche für die nächste Kerze los. Traditionelle Elemente der Osterkerze sind ein Kreuz, die Jahreszahl und der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets: A und W. In Offb 1,8 nimmt letztere Symbolik ihren Ausgang („Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung“) und zieht sich durch die christliche Ikonographie.

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Passende Symbolik

Zusätzlich zu diesen Basics, die wir auf jeder Kerze anbringen, hatten wir in den letzten Jahren zum Beispiel einmal das Kreuz als Baum des Lebens gestaltet: Aus dem ursprünglichen Marterwerkzeug, dem Zeichen des Todes, erwächst neues Leben. Ein andermal flossen die vier Paradiesflüsse aus dem Kreuz, um uns daran zu erinnern, dass das Kreuz die Quelle des Lebens ist. Weitere passende Symbole könnten beispielsweise ein Lamm sein, das für Christus als Paschalamm steht, eine Sonne als Zeichen der Auferstehung oder ein Kelch und eine Hostie, um die Verbindung zwischen Ostergeheimnis und Eucharistie zu betonen. Manchmal reicht es auch schon, das Kreuz einfach besonders zu gestalten. Der Kreativität sind wenige Grenzen gesetzt und die Suche nach einer Darstellung, die zu allen spricht, ist schon eine wunderbare Bereicherung für das geistliche Familienleben. Leitfragen etwa dieser Art könnten das Gespräch bei der Motivsuche bestimmen: Was bedeutet Ostern eigentlich? Was bedeutet es für uns? Mit welcher Darstellung wird die Freiheit deutlich, die uns durch Christi Tod und Auferstehung geschenkt wurde? Welches Motiv soll uns durch dieses Jahr führen? Welches Bild drückt Christi Liebe zu uns auf passende Weise aus? 

Selbst gemacht hat mehr Bedeutung

Nun ja, und dann geht es ans Basteln. Klar, man kann schöne und ausdrucksstarke Osterkerzen natürlich auch kaufen. Aber wenn die Kerze (wenigstens von einer Person aus der Familie) selbst gemacht wurde, dann hat sie gleich mehr Bedeutung für alle – auch wenn vielleicht nicht alles perfekt geworden ist. In unserer Erfahrung reicht eine ca. 7 x 20 cm große Kerze für ein Jahr. Um das Motiv auf die Kerze zu bringen, sollten zunächst die einzelnen Motivteile auf dünnen Karton gezeichnet werden. Wer sich damit schwer tut, kann auch im Internet entsprechende Darstellungen aussuchen und auf festes Papier drucken. Im zweiten Schritt müssen die vorgezeichneten Motivteile ausgeschnitten werden, da sie auf den Verzierwachsplatten als Schablone dienen sollen. Nun können die Schablonen auf die Wachsplatten gelegt und mit einem kleinen Küchenmesser oder einem Teppichmesser ausgeschnitten werden. Wurden die Motivteile aus den Wachsplatten herausgelöst, werden sie an der Kerze befestigt, indem man sie zunächst leicht andrückt und dann eine Weile mit den Händen wärmt, damit das äußere Wachs sich besser mit dem Wachs der Kerze verbinden kann. Für die weniger großen Bastelfans gibt es im Übrigen schwierigere Motivteile auch schon vorgefertigt zu kaufen, etwa das A und das W oder ein Osterlamm.

Jetzt ist nur noch eines wichtig: die Osterkerze zur Osternacht mitzunehmen, damit sie am Osterlicht entzündet werden kann. Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Familien-Osterkerze und dass sie auch bei Ihnen jeden Sonntag zu einem kleinen Ostern macht!
 
Isabel Kirchner ist Theologin, Musikerin und Mutter eines kleinen Sohnes. Sie war an der Erstellung des YOUCAT for Kids beteiligt.

 

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