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Ich habe Angst, das selbst gesteckte Ziel von drei Kindern nicht zu erreichen. Was tun?

Den Ursachen inneren Drucks auf den Grund zu gehen, gelingt oft leichter mit erfahrener Begleitung.
Kuscheltier
Foto: imago stock&people | Man wäre bereit für ein drittes Kind, doch es bleibt bei zweien: Paare in dieser Situation sollten sich nicht unter Druck setzen lassen.

Die Frage dieses Mannes lässt einen erheblichen inneren Druck vermuten. Eventuell das selbst gesteckte Ziel – drei Kinder – zu verfehlen, macht Angst. Die Angst ist rein aus dieser Situation heraus schwer zu erklären. Ein Schmerz über unerfüllten Kinderwunsch wäre gut nachvollziehbar. Dass dieser aber Angst macht, lässt vermuten, dass es tiefere Gründe gibt – dazu gleich mehr.

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Der Druck, unbedingt ein weiteres Kind zu zeugen, macht es vermutlich schwer, in eine frohe, zugewandte, entspannte und ergebnisoffene intime Begegnung einzutreten. Deshalb ist ein erster Schritt unentbehrlich: mit dem Ehepartner darüber reden, wie es beiden mit der Situation geht. Nun zur Angst, das Ziel „drei Kinder“ nicht zu erreichen. Hier ein paar Gedanken, die zur ehrlichen Reflexion über deren mögliche Ursachen einladen sollen – vielleicht trifft eine im persönlichen Fall zu.

Folgendes Experiment könnte weiterhelfen: Wenn ich in den Spiegel schaue, mir vergegenwärtige, dass ich zwei Kinder habe, und mir vorstelle, kein drittes mehr zu bekommen, welche Gefühle steigen dann auf? Wo spüre ich diese im Körper? Wenn ich die Gefühle bewusst wahrnehme, welche Sätze über mich selbst klingen innerlich an? Selbstablehnung? „Ich bin nicht gut genug“? Oder etwas ganz anderes? Habe ich vielleicht das Gefühl, wichtigen Menschen aus meiner Vergangenheit oder Gegenwart etwas beweisen zu müssen und nicht zu können? Als unzulänglich dazustehen? Keine Anerkennung zu verdienen?

Man muss sich seine „Existenzberechtigung” nicht verdienen

Oft verinnerlichen Menschen Botschaften wichtiger Bezugspersonen, bevorzugt aus ihrer Kindheit. Diese werden dann gewissermaßen zu „Glaubenssätzen“, die einen innerlich begleiten. Das können positive Botschaften sein, wie „Du bist liebenswert“, „Du bist deinen Anforderungen gewachsen“, aber auch negative Botschaften wie „Du musst dir deine Existenzberechtigung erst verdienen“. Wenn jemand solch eine negative Botschaft in sich trägt, führt das zu existenziellen Ängsten, die sich sehr bedrohlich anfühlen können. Gläubige Menschen projizieren solche Sätze oft zusätzlich auf Gott, zum Beispiel: „Vor Gott muss ich mir meine Existenzberechtigung erst verdienen“.

Im christlichen Umfeld wird eine hohe Kinderzahl manchmal auch als „Marker“ gewertet, wie „gut katholisch“ eine Familie beispielsweise ist. Hier und da können sogar Wettbewerbsdynamiken festgestellt werden. So kann bei Paaren, die aus verschiedensten Gründen nicht so viele Kinder haben können oder wollen, erheblicher Druck entstehen. Wenn dann noch eigene negative Glaubenssätze aus der Kindheit dazukommen, kann dieser Druck unerträglich werden.

Kinder sind keine Lösung für innere Konflikte

Hier kann die Unterstützung durch einen erfahrenen Seelsorger eine wichtige Hilfe sein, die Ängste zu reflektieren, falsche innere Glaubenssätze („Erst mit drei Kindern bin ich gut genug!“) zu identifizieren, sie zurückzuweisen und durch die Wahrheiten zu ersetzen, die Gott uns über sich und uns mitteilt. Was die Kirche zum Thema der Kinderanzahl sagt, ist in einer anderen Kolumne (DT 30. April 2026) nachzulesen.

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Ein wichtiger Hinweis: Kinder sind keine Lösung für innere Konflikte. Einem Kind soll um seiner selbst und der Liebe willen das Leben geschenkt werden – ansonsten startet es ins Leben mit dem unausgesprochenen, aber schwer belastenden Auftrag, einen bestimmten Zweck erfüllen zu müssen. Daher ist es essenziell, sich (am besten mit kompetenter Begleitung) von dem Leistungsanspruch zu lösen, die inneren Konflikte hinter der Angst zu identifizieren und einer Lösung zuzuführen. Und ganz wichtig: die Paarbeziehung zu pflegen, sich Zeit füreinander zu nehmen und das intime Miteinander frei von Leistungsansprüchen zu gestalten.


Der Autor ist als Psychiater und Psychotherapeut für Kinder, Jugendliche und Erwachsene tätig.

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Martin Feichtinger Katholizismus Seelsorgerinnen und Seelsorger

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