Hier rechnen wir mit Gott.“ Diesen Satz spricht Don Xandro Pachta bei der ersten Predigt des Jungfamilientreffens 2026 ganz nebenbei aus. Aber wo mit Gott gerechnet wird, dort geschehen erstaunliche Dinge. Wie im oberösterreichischen Benediktinerstift Kremsmünster, wo sich 250 Familien – rund 1500 Menschen – treffen und eine Woche lang erfahren, was es heißen kann, gemeinsam Volk Gottes zu sein: Bei der Essensausgabe kommt man mit jedem sofort ins Gespräch.
Familienväter melden sich freiwillig für stundenlangen Abwasch. Das Anbetungszelt ist nie leer. Die Jugendlichen spielen mit den Priestern Fußball. Man sieht, wie viele Kinder mit Trisomie 21 es eigentlich gibt und wie viel sie leisten können, ob beim Zeltaufbau oder bei der Kinderbetreuung: Nicht nur einer müden Mutter wird das Baby für eine halbe Stunde „entrissen“.
Und wo man mit Gott rechnet, dort schreckt man auch vor Herausforderungen nicht zurück. So bitten die Veranstalter gerade die Väter, bei den Vorträgen genau zuzuhören, denn sie hätten verspürt, dass speziell für sie hier viel dabei sei. Das erstaunt: Die Vorträge von Pater Johannes Lechner aus der Johannesgemeinschaft tragen doch allesamt Titel aus dem Magnificat. Verbergen sich hier im Lobgesang Mariens die Wegweiser zum wahren Leben, die die Männer heute überall suchen?
Was ist das Große in unserem eigenen Leben?
Aber die hohe Kunst des Katholischen ist es ja immer, bei aller Betonung einer Seite die Gegenseite mit im Blick zu behalten. Diese Kunst wird hier fleißig ausgeübt: Abt Bernhard preist in einem Zelt voller Kinder den unschätzbaren Wert der Alten. Die Lobpreisband singt auf Latein. Mitten im schönsten Sommer wird der Tod zum Thema – im Vortrag, im Interview mit Zwölffachmutter Maria Büchsenmeister, im Theater der Jugendlichen zu Leben und Sterben der Heiligen Cäcilia.
So kommen auch die Väter nicht zu kurz. Als Maria Büchsenmeister im Interview übers Muttersein die Bedeutung ihres Mannes für ihre Familie beschreibt, kommt es zu spontanem Applaus. Und in Pater Johannes’ erstem Vortrag, „Großes hat der Herr an mir getan“, geht es ganz darum, was das Große in unserem eigenen Leben ist. Sofort ist klar: Wer auf frömmelndes Gesäusel mit schiefgelegtem Kopf gehofft hat, wird hier herb enttäuscht.
Er spricht das an, was er die Transzendenzsehnsucht nennt: der Drang, hinauszugehen, zu erforschen, zu tun, was noch nie einer getan hat. Da spitzen sich die Män-nerohren: Der Pater verurteilt diesen Drang nicht. Wo dieses Feuer erloschen ist, suhlt sich der „Transzendenzmuffel“ in Oberflächlichkeit und unmittelbarem Nutzdenken. Aber es muss aufs richtige Ziel gelenkt werden. Wo wartet heute noch das große Abenteuer?

Pater Johannes antwortet mit einem Kierkegaard-Zitat. Die eng gestraffte Form davon lautet: Wenn du nicht die Gelegenheit für große Entdeckungen hast, dann heirate! Und wenn du doch die Gelegenheit für große Entdeckungen hast, dann heirate auch! Denn „die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die ein Mensch unternehmen kann.“
Väter können sich also durchaus mitnehmen: Wenn sie mehr von ihrer Entdeckerlust auf die ihnen anvertrauten Menschen wenden als auf Transfermarkt und Weltpolitik, dann werden auch sie Grund haben, auszurufen: „Großes hat der Herr an mir getan!“ Genau diese Dankbarkeit leuchtet auch aus den Augen der Paare nach dem eigentlichen Höhepunkt des Treffens, der Eheerneuerung vor dem ausgesetzten Herrn.
Aber so direkt wie hier auf dem Papier kommt Pater Johannes nicht von A nach B. Mit Bildung, Charme und Humor schafft er den Drahtseilakt, in einem durchmischten Publikum jeden anzusprechen. Auf dem Weg gibt es immer wieder Wortperlen und knackige Nebenbemerkungen, wie: „Heiraten ist ein bisschen so, als würde man zu zweit und mit einem Ruderboot den Pazifik überqueren.“
Besonders nachdenklich stimmt seine tiefgründige Betrachtung der Frage „Wie zeigt Gott seine Größe?“: Der Herr gibt uns die Antwort in seiner Menschwerdung bei Maria. Die wahre Größe hat es nicht nötig, groß zu erscheinen, sondern liebt es, sich zum Schwachen herabzuneigen. Vielleicht, denkt man sich da, muss man Vater sein, um so richtig zu verstehen, wie viel Glanz und Kraft so einen Moment des Herabneigens umstrahlen. Es hilft wohl, wenn man am selben Tag schon in der Messe ein müdes Kind an die Schulter gehoben hat. Aber vielleicht reicht es auch, selbst Kind gewesen zu sein.
Liebevoller und zugleich realistischer Blick
Im Vortrag „Er hat auf meine Niedrigkeit geschaut“ geht es um den liebevollen Blick Gottes, der es erst möglich macht, uns selbst liebevoll und realistisch zugleich zu betrachten, ganz so wie Maria ihre Niedrigkeit besingt und dann ausruft: „Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“ Auch wir seien dazu berufen, in der „behüteten Verwundbarkeit“ im Blick Gottes zu reifen und unsere Innerlichkeit zu pflegen. So gibt der Pater den Zuhörern zwei konkrete Übungen mit: den bewussten Umgang mit ihren Emotionen – innehalten, aus gesunder Distanz das legitime Bedürfnis dahinter finden – und das gesunde Selbstwertgefühl: Wer mit dem kostbaren Blut Christi losgekauft ist, der darf sich selbst nicht abwerten. Und wer sich selbst für wertlos hält, ist auch unfähig zur echten Selbsthingabe.
Worum es im letzten Vortrag von Pater Johannes – „Er denkt an sein Erbarmen“ – hätte gehen sollen, werden die Besucher des Jungfamilientreffens wohl nie erfahren. Pater Johannes waren die einleitenden Worte so wichtig, dass sie die ganze Redezeit letztlich ausfüllten. Beispielsweise das Bild des Bogenschützen in seinem ständigen Ausbalancieren und neuen Ausrichten auf sein Ziel: So sei auch das Tugendleben, in dem sich der Mensch ständig korrigieren und sich neu auf Christus ausrichten müsse.
Genau das soll die Mission dieser Woche in Kremsmünster sein: das Stärken der Familien und die Ausrichtung auf Christus, von der sie das ganze Jahr zehren können. Wer es selbst erleben will, auf den wartet das Jungfamilientreffen 2027 mit Familienbischof Stephan Turnovszky und Bischof Erik Varden von Trondheim.
Der Autor arbeitet im Schulamt der Diözese St. Pölten. Er ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.
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