Pflegeleistung

Familienpflege: Geld für Angehörige?

Bundesfamilienministerin Lisa Paus möchte sich für eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige einsetzen.
Flexible Verteilung: Pflegegeld und Sachleistungen kombinieren
Foto: Mascha Brichta (dpa-mag) | Füttern, Waschen, Tagesgestaltung: In der häuslichen Pflege fallen viele Aufgaben an.

Neue Ergebnisse des „Deutschen Alterssurvey“ zeigen, dass der Einsatz pflegender Angehöriger in der Pandemie vor allem bei Frauen stark gestiegen ist. Zu Beginn der Pandemie 2020 übernahmen mehr Personen aus der erwerbsfähigen Bevölkerung Unterstützungs- und Pflegeaufgaben als im Jahr 2017. Ihre Beteiligung an privater Unterstützung und Pflege in der zweiten Pandemiewelle im Winter 2020/21 unterschied sich hingegen kaum von der vorpandemischen Zeit.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus möchte sich für eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige einsetzen. „So wie junge Eltern Elterngeld erhalten, muss auch pflegenden Angehörigen ein Familienpflegegeld zustehen“, sagte Paus. Zusätzlich schlägt die Studie zur Entlastung pflegender Angehöriger einen Ausbau der ambulanten Betreuungsinfrastruktur vor.

Frauen leisten mehr

Insgesamt leisteten Frauen während des gesamten Untersuchungszeitraums signifikant mehr Pflegearbeit als Männer. Sie pflegen häufiger als Männer und wenden dafür mehr Zeit auf. So lag der Zeitaufwand für die private Pflege durch Frauen im Winter 2020/21 bei 11,5 und durch Männer bei 7,5 Stunden pro Woche.

Die Studie stellt eine Verschärfung der geschlechtsspezifischen Unterschiede im Zeitaufwand für Unterstützung und Pflege in der zweiten Pandemiewelle im Vergleich zur Prä-Pandemie fest. So wenden erwerbstätige Frauen deutlich mehr Zeit auf als erwerbstätige Männer (Frauen: 9,1 Wochenstunden; Männer: 5,5 Wochenstunden).

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Sowohl 2017 als 2020/21 sind Personen, die nicht erwerbstätig sind, in höherem Umfang als Erwerbstätige in der privaten Pflege tätig. Den größten Anteil an der Pflegearbeit schultern nicht-erwerbstätige Frauen. Hier stellt der Alterssurvey einen Anstieg von 12,3 Wochenstunden im Jahr 2017 auf 17,2 Wochenstunden in der zweiten Welle der Pandemie fest. Als Ursache vermutet die Studie höhere zeitliche Kapazitäten im Vergleich zu Erwerbstätigen, sieht in diesem Ergebnis aber auch Hinweise auf generelle Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit umfangreicher Unterstützungs- und Pflegeaufgaben mit einer Erwerbstätigkeit.

Vereinbarkeit mit Erwerbsarbeit ist schwierig

Frühere Forschungsergebnisse verweisen darauf, dass insbesondere ein Zeitaufwand von mehr als 10 Stunden pro Woche zu starken Vereinbarkeitsproblemen führt. Obwohl während der Pandemie versucht wurde, den Zugang zu gesetzlichen Maßnahmen für erwerbstätige pflegende Angehörige zu erleichtern und zu flexibilisieren, nahmen dies 98 Prozent der Betroffenen nicht in Anspruch. Nur je ein Prozent nutzte die Regelungen für eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung sowie die Pflegezeit. Auch vor der Pandemie wurden die Freistellungsmaßnahmen selten in Anspruch genommen.

Der Deutsche Alterssurvey ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. In ihrem Rahmen werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins Alter regelmäßig befragt. Seit Beginn der Corona-Pandemie fanden zwei Erhebungen des Deutschen Alterssurveys statt, bei denen jeweils Personen befragt wurden, die zuvor schon mindestens einmal an der Studie teilgenommen hatten. DT/chu

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