Erziehung

Experten erklären: Wie man mit Kindern über den Krieg redet

Experten bieten Ressourcen an, wie Eltern und Lehrer mit Kindern über Krieg reden können.
Mit Kindern über den Krieg reden
Foto: Nicolas Armer (dpa) | Kinder spüren die Angstatmosphäre, die der Krieg in der Ukraine auslöst. Sie profitieren von Informationen und von einer Hoffnungsperspektive. Dazu gibt es online viele Ressourcen für Eltern und Lehrer.

Fast einen Monat dauert der Krieg in der Ukraine schon an. Unzählige Menschen fliehen in die Nachbarstaaten, und auch in Deutschland suchen viele Frauen und Kinder Schutz. Das Thema Krieg prägt den Alltag in Familien, Kindergärten, Schule und Beruf. Immer drängender stellt sich für alle, die Kinder und Jugendlichen begleiten, die Frage, wie sie am besten mit Verunsicherung und Ängsten umgehen.

„Es ist ein schweres Thema, und es gibt keine Rezepte, die für alle Kinder gelten“, erklärt der Diplom-Pädagoge Udo Baer, Mitbegründer des Pädagogischen Instituts Berlin in einem zwanzigminütigen Podcast. Dabei geht er auch auf die Erfahrungen aus den Kriegen in Syrien und dem Irak ein. Eine übersichtliche Zusammenfassung der konkreten Hinweise findet sich in zehn Fragen und zehn kurzen Antworten auf der Website des Pädagogischen Instituts.

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Kinder spüren Angst der anderen

„Kleine Kinder bekommen die Angstatmosphäre mit“, so Baer. Etwa bis zum Alter von drei Jahren sollte man generell nicht über den Krieg reden, sondern den Kleinen viel Geborgenheit schenken und auch gut für sich selbst sorgen. Ab dem Vorschulalter rät Baer, Kinder da abzuholen, wo sie stehen, und an ihren Erfahrungshorizont anzuknüpfen. Zum Beispiel könnten Eltern darauf hinweisen, dass manche Menschen der Bestimmer über andere sein wollten, und daraus ein Krieg entstehen könne. Was dem Umgang mit Medien angeht, sollten Kinder wegen der verstörenden Bilder bis zum Ende der Grundschulzeit davon ferngehalten werden: „Die Bilder bleiben im Kopf, sie verblassen zwar im Lauf der Zeit, aber es gibt keine Radiergummi!“ Ältere Kinder könnten durchaus Nachrichten anschauen, aber gemeinsam mit den Eltern. „Es braucht Gespräch und Austausch“, betont Baer.

„Die Bilder bleiben im Kopf,
sie verblassen zwar im Lauf der Zeit,
aber es gibt keine Radiergummi!“

Auch das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) möchte Eltern in der aktuellen Situation unterstützen. Vor kurzem legte das ZFG die kompakte Handreichung „Mit Kindern über den Krieg reden. Was Kinder brauchen und was Eltern wissen sollten“ auf.  Sie erscheint in Kooperation mit dem Katholischen Militärbischofsamt und steht kostenlos zum Download zur Verfügung. „Die schrecklichen Bilder, die uns tagtäglich über die Medien erreichen, sind schon für uns Erwachsene belastend.  Welche Ängste können sie erst bei Kindern erzeugen! Um hier etwas Hilfestellung zu geben, entstand im ZFG diese Handreichung“, so Klaus Stüwe, Direktor des ZFG und Vizepräsident der KU für Internationales und Profilentwicklung. 

Auch Kinder können mit belastenden Themen umgehen

Mit entsprechender Unterstützung könnten Kinder auch mit belastenden Themen umgehen, heißt es in der Broschüre. Nahezu immer gelte im Gespräch mit Kindern: „Es muss nicht alles gesagt werden, aber alles, was gesagt wird, sollte wahr sein.“  Gerade in Krisenzeiten helfe es Kindern und Jugendlichen, Alltagsroutinen beizubehalten. Unnötige Konfrontationen mit dramatischen Eindrücken sollten vermieden werden.

In der Schule kann besonders der Religionsunterricht Raum für die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler geben. Daher stellte Tim Joest, Religionslehrer an der Bodelschwingh-Schule in Rheine, in einer kurzfristig angebotenen Fortbildung für Religionslehrerinnen und Religionslehrer des Bistums Münster ein praxisnahes Konzept für eine fünf Stunden umfassende Unterrichtsreihe zum Thema „Krieg und Frieden“ vor.

Kinder brauchen Informationen und eine Hoffnungsperspektive

 Am Dienstag, den 22. März findet die Fortbildung in Haltern am See nochmals statt. (Anmeldung und weitere Informationen unter lepke@bistum-muenster.de). Joest schilderte, die Kinder kämen mit Gefühlen zwischen sehr interessiert und diffuser Sorge zur Schule. Fragen wie „Warum gibt es Krieg?“, „Kann es auch bei uns Krieg geben?“ oder „Hat Putin Kinder?“ würden in der Schule gestellt. „Neben den Informationen, die wir ihnen an die Hand geben, ist es wichtig, dass die Kinder eine Hoffnungsperspektive erfahren.“ Eine große Rolle in Joests Konzept spielt daher der Frieden. Im Religionsunterricht bietet er den Kindern Verse aus Psalmen oder dem Neuen Testament zum Thema Frieden an. „Mit verschiedenen Materialien legen sie ein Bodenbild dazu und kommen darüber ins Gespräch, was Gott dazu sagt.“

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