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Es gibt zu wenige Eltern

Familienleistungen allein stoppen den demografischen Wandel nicht, schreibt die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler in einem Gastbeitrag.
Demografischer Wandel
Foto: IMAGO/OLIVER LANGEL, DÜSSELDORF. GERMANY (www.imago-images.de) | In Zukunft muss die Seelsorge stärker zu Kindern ermutigen und damit auch Einsamkeit vorbeugen, meint Gudrun Kugler.

Wir haben nicht nur zu wenige Kinder, sondern auch zu wenige Menschen, die diese wenigen Kinder bekommen. Seit den 70er-Jahren liegt Europa unter dem Bestandserhaltungsniveau. Dabei bekommen Familien nicht generell zu wenige Kinder: Seit den 80er-Jahren liegt die durchschnittliche Kinderzahl pro Mutter bei etwas über zwei. Die Zahl der Kinderlosen hat sich seit den 60er-Jahren jedoch versiebenfacht. Zwei Drittel davon sind ungewollt kinderlos: Aus dem „nicht jetzt“ wird allzu oft ein „leider nie“. 

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Die Antwort darauf besteht nicht einfach in höheren Familienleistungen. Diese sind gerecht und richtig, haben aber kaum Auswirkungen auf die Geburtenrate. Ebenso wenig Wirkung zeigt der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen. Auch Social Egg Freezing und IVF lösen das Problem nicht: Wo sie staatlich finanziert werden, gehen die Geburten sogar leicht zurück – abgesehen von ethischen Einwänden. Die Antworten sind frühere Familiengründung, Förderung von Ehe und Unterstützung beim Erlangen von Wohnungseigentum sowie – als wirksamste Komponente – die gesellschaftliche Anerkennung von Elternschaft. Dabei spielt auch die Kirche eine gewichtige Rolle: Ihre Stimme wird mehr gehört, als man denkt.

Praktizierende Christen haben deutlich mehr Kinder

Dies zeigte die Auswertung der Lateinamerikabesuche von Johannes Paul II., denen die University of Notre Dame 250.000 Geburten von nicht kirchennahen Menschen zurechnet. Eine klare, lebensbejahende Botschaft wirkt über konfessionelle Grenzen hinweg. Apropos Kirche: Praktizierende Christen haben deutlich mehr Kinder. Das stimmt auch deshalb, weil Menschen mit Kindern wahrscheinlicher in die Kirche gehen. In Zukunft muss die Seelsorge stärker zu Kindern ermutigen und damit auch Einsamkeit vorbeugen. Sie muss sich intensiver um Singles und ungewollt kinderlose Paare kümmern.

Deutschland schrumpft bereits. In Österreich wird dies ab 2040 der Fall sein. Dies hat einschneidende Auswirkungen – nicht zuletzt auf die sozialen Sicherungssysteme, die ländliche Infrastruktur, die Produktivität und die Verteidigungsfähigkeit. Der demografische Wandel ist keine ferne Entwicklung, sondern eine zentrale Frage der Gegenwart.


Die Autorin ist Abgeordnete des österreichischen Nationalrats und Mitglied der Österreichischen Volkspartei (ÖVP).

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Gudrun Kugler

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