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Ein Stück vom Paradies

Als Ehepaar gemäß der natürlichen Empfängnisregelung zusammenleben. Ein Erfahrungsbericht.
Elisabeth und Johannes Hackl über NER
| Elisabeth und Johannes Hackl hat die Theologie des Leibes einen neuen Blick auf die Schöpfungsordnung geschenkt.

Als wir uns 2005 verlobten, war uns klar: Wir wollen nach der Lehre der katholischen Kirche leben. Das hieß für uns, auf die Ehe zu warten und keine Verhütungsmittel zu verwenden. Warum? Das wussten wir eigentlich nicht so genau. Es war einfach das, was wir gelernt hatten und wir hatten nie genauer nachgefragt.

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Wir besuchten also gemeinsam während unserer Verlobungszeit einen NER-Kurs – Natürliche Empfängnisregelung Rötzer. Während Johannes quasi damit aufgewachsen war, weil seine Eltern auch schon danach gelebt hatten, war es für mich Neuland. Zuerst war es mir unangenehm, darüber zu sprechen oder auch nur etwas darüber zu hören. Die Argumente für die NER waren aber überzeugend: Sie ist gesund, ohne Nebenwirkungen und Umwelteinflüsse, preiswert, partnerschaftlich und viel zuverlässiger als die meisten Verhütungsmittel.

"Mein Körper ist wunderbar gemacht!"

Abgesehen davon war ich schnell fasziniert, als ich merkte: Was sie erklären, das stimmt! Es funktioniert! Mein Körper ist wunderbar gemacht! Auch wenn meine Zyklen unregelmäßig waren, starteten wir im Oktober 2006 zuversichtlich in unsere Ehe. Dann schnell die Ernüchterung: ein sehr, sehr langer Zyklus am Beginn unserer Ehe.

Jedenfalls lebten wir fast zehn Jahre mit viel Mühe mit der NER. Mittlerweile hatten wir zwei Kinder und waren manchmal aufgrund meiner nach wie vor unregelmäßigen Zyklen sehr unzufrieden. Da wir nicht so richtig wussten, warum die katholische Kirche eigentlich gegen jede Art von Verhütung ist, wurden wir unsicher. Wir versuchten für kurze Zeit, ein wenig lockerer damit umzugehen und merkten sehr schnell, dass das für uns überhaupt nicht passte. Innerlich sperrte sich bei uns beiden alles dagegen.

Trotz NER Verhütungsmentalität gelebt

Aber so konnte es auch nicht weitergehen – wir wollten uns besser auskennen und unser Einswerden entspannter genießen können. Wenn doch die NER lebbar sein sollte, warum war es dann für uns so schwierig? Im Nachhinein wissen wir: Wir lebten trotz NER eine Verhütungsmentalität – voller Angst und mit der Absicht, eine Schwangerschaft möglichst zu vermeiden.  Dabei gab es keine gewichtigen Gründe, die das notwendig machten. Vor allem ich hatte Angst vor der Verantwortung und wollte einfach noch etwas abwarten.

Kurz darauf starteten wir den mehrteiligen Ausbildungskurs und wurden dort gleich mehrfach beschenkt: Zunächst bekamen wir viel Wissen, medizinische Grundlagen und Zykluskompetenz. Dann wurde das Ausbildner-Ehepaar nicht nur zu guten Freunden, sondern auch Unterstützer und Berater für unsere Zyklen. Wir bekamen Tipps und Begleitung, bis wir bei meiner Gynäkologin eine Diagnose stellen konnten.

Fruchtbarkeit ist Teil des Schöpfungsplanes Gottes

Vor allem aber gewannen wir Sicherheit und kamen zum ersten Mal mit der Theologie des Leibes in Kontakt. Plötzlich wurden uns die Augen geöffnet: Die Fruchtbarkeit, unsere gemeinsame Fruchtbarkeit, ist nicht lästig oder etwas, das wir bezwingen müssen. Sie ist vielmehr ein Teil des Schöpfungsplanes Gottes, bei dem wir mitwirken dürfen! Sie ist ein körperlicher Ausdruck der tiefen Liebe des dreieinigen Gottes zu uns. Die Sexualität ist viel mehr als ein Gefühl oder „Trieb“. Sie kann, wenn sie richtig gelebt wird, ein Stück vom Paradies sein.

Bald durften wir mit eigenen Kursen und Vorträgen über die NER starten. Das wurde schnell zu unserem gemeinsamen Hobby und Herzensanliegen. Noch immer erfüllt es uns mit großer Freude und Dankbarkeit, dass wir hier so einen Schatz gefunden haben und weitergeben dürfen! Es ist auch ein kleiner Teil unserer Berufung als Ehepaar, hier die Schönheit der Schöpfung vermitteln zu dürfen! Gemeinsam durften wir schon Frauen und Paare beraten, viel mehr, als wir erwartet hätten!

Glauben trägt durch schwierige Zeiten hindurch

Die Lebenssituationen sind vielfältig: Unregelmäßige Zyklen, Stillzeit, Kinderwunsch, Wechseljahre, aber auch Unzufriedenheit oder Angst sowie unerfüllter Kinderwunsch – und da können wir aus persönlicher Erfahrung berichten. Denn unser weiterhin großer Kinderwunsch verlangte uns in den vergangenen Jahren einiges ab.

Ich wurde einige Jahre gar nicht schwanger, dann kam es zu einer Fehlgeburt. Das traf uns sehr, dennoch fühlten wir uns immer getragen durch unseren Glauben. Zehn Jahre nach unserem ersten Kind durften wir dann unser lang ersehntes drittes Kind in den Armen halten! Danach folgte wieder eine Fehlgeburt.

Ein Kind kann immer nur ein Geschenk sein

Wir können die Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, so gut verstehen! Trotzdem sind wir davon überzeugt, dass ein Kind immer nur ein Geschenk sein kann, auf das wir kein Anrecht haben. Das haben wir selbst schmerzhaft erlebt und sind umso dankbarer für die Kinder, die wir ins Leben begleiten dürfen.

Seit wir uns intensiver mit der NER beschäftigen, hat sich unser persönlicher und gemeinsamer Glaube und unsere Begeisterung für die katholische Lehre grundlegend geändert. War der Glaube auch vorher schon das, was uns zusammengebracht und getragen hat, hat er durch die NER an Tiefe und Substanz gewonnen.

Offenheit für das Leben schenkte große innere Freiheit

Durch das Beschäftigen mit der NER kam auch das Wissen über die katholische Lehre. Wir verstanden zum ersten Mal, warum die Kirche eigentlich gegen Verhütung und für Empfängnisregelung ist – und was Offenheit für das Leben bedeuten kann. Das schenkte uns eine große innere Freiheit!

Gleichzeitig begannen wir, uns auch mit anderen Aspekten der kirchlichen Lehre zu beschäftigen, über die wir nie nachgedacht hatten. Es eröffneten sich unglaubliche Weiten und so viel Wissen, dass uns klar war: Nie werden wir das alles verstehen können!

Glaubenswissen macht ehrfürchtig

Es machte uns aber auch ehrfürchtig. Wie groß muss Gottes Liebe und Wirken sein? Die NER ist tatsächlich so ein winziger Teil Seiner Schöpfung, und selbst da können wir nicht alles erfassen. Unglaublich! Dennoch sieht Er uns und hat einen Plan für uns, wenn wir dazu Ja sagen. Da kann man einfach nur in Dankbarkeit zurücklieben.

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Es ist für uns ein großes Geschenk, Teil der NER–Familie sein zu dürfen. Seit unserem Ausbildungskurs waren wir bei jedem der jährlich stattfindenden Kongresse und genießen diese Zeit unter Gleichgesinnten sehr! Als netten Nebeneffekt haben wir so schon Südtirol, Ost/Nord- und Westdeutschland und neue Teile Österreichs besucht.

"Wir sind nicht allein"

Bei den Kongressen sind sowohl Austausch, Staunen über neues Wissen und Nachdenken über spannende Zyklen als auch besondere Freundschaften zu finden. Unsere INER–Präsidentin Elisabeth Rötzer ist so menschlich und liebevoll – und für jeden einzelnen erreichbar! Bei einem Kongress fühlt man sich sofort willkommen und fährt mit Sicherheit bereichert wieder nach Hause! Wir merken: wir sind nicht alleine!

Oft denken wir uns auch heute noch: Wäre damals die Idee von Anton Rötzer, in jeder Pfarre ein Paar in der NER auszubilden, um Ehepaare begleiten zu können, umgesetzt worden, wie anders könnte es jetzt sein! Obwohl wir Teil einer großen, gläubigen Freundesgruppe und einer katholischen Jugendbewegung waren, war die NER oder die katholische Lehre im Bereich der Sexualität – leider! – überhaupt kein Thema und nicht präsent.

Kirchliche Sexualmoral ist ein wunderbarer Schatz

Auch in diesen Kreisen waren wir mit unserer Lebensweise eine Ausnahme. Leider gibt es nach wie vor wenig Begleitung durch Priester und Ordensleute. Im Gegenteil – oft wird gerade in der Sexualmoral versucht, eine Anpassung an den Zeitgeist zu forcieren.

Dabei haben wir in der katholischen Kirche so einen wunderbaren Schatz! Dieser gehört mit klaren und schönen Worten verkündet. Im Nachhinein würden wir uns zwei Dinge wünschen für diese Zeit: Den Mut, uns Hilfe mit der NER zu holen und die Begleitung durch einen Priester.


Die Autoren sind seit 2006 verheiratet und leben in Niederösterreich. Sie bieten Kurse und Vorträge für NER Rötzer an.
Infos sowie Kurs- und Beratungsangebote zur NER Rötzer: www.iner.org
https://www.instagram.com/natuerlichlieben/

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Themen & Autoren
Johannes Hackl Elisabeth Hackl Sexualethik Sexualmoral

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