Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinder, Küche, Kirche

Ab in die Ferien!

Nicht die perfekte Planung macht den Familienurlaub unvergesslich, sondern die gemeinsamen Erlebnisse – auch wenn manches anders kommt als gedacht.
Kinder am Strand
Foto: IMAGO / Schöning | Kein Plan nötig: Den Kindern fällt schon was ein.

Wenige Stunden, nachdem ich diese Zeile abgebe, werden wir auf dem Weg in den lang ersehnten Urlaub sein. Mit Kindern habe ich längst gelernt: Der schönste Urlaub ist selten der, den man perfekt geplant hat. Oft sind es gerade die ungeplanten Momente, über die wir Jahre später noch sprechen.

Lesen Sie auch:

Wie jedes Jahr verbinden wir auch heuer unseren Sommerurlaub mit der Zeit in meiner Heimat, der Slowakei, und die Kinder freuen sich schon auf ihre Verwandtschaft. Jedes Jahr steht bei uns also der halbe Urlaubsplan bereits fest. Die andere Hälfte entwickelt sich dann von allein.

In den ersten Jahren mit Kindern hatten wir kein Auto, was etwas ungewöhnlich war, jedoch kein Hindernis für einen Urlaub darstellte. Unser Mittlerer war kaum ein Jahr alt und der Ältere knapp drei, als ich mit beiden allein mit der Bahn aus der Slowakei nach Berlin unterwegs war. Zwei Umstiege und die Ganztagesreise schreckten mich nicht ab. Die Fahrt verlief überraschend entspannt, weil sich in unserem Abteil mehrere ältere Damen abwechselten, die neugierig waren zu erfahren, wohin wir unterwegs waren. Jede von ihnen fühlte sich verpflichtet, mir zu helfen und die Kinder abzulenken. Unser zweiter Zug hatte Verspätung, also mussten wir über zwei Stunden in Prag warten. Das Matchbox-Auto, das ich damals am Hauptbahnhof für meinen Sohn kaufte, haben wir bis heute.

Das Ungeplante macht den Urlaub spannend

Irgendwann haben wir uns dann doch ein Auto angeschafft. Geplant war eine Reise in eine entlegene ruthenische Gegend ganz im Osten der Slowakei. Urige Wälder voll von Pilzen, weiße und sogar schwarze Störche auf den Wiesen und alle paar Kilometer griechisch-katholische und orthodoxe Holzkirchen. Eine Idylle wie gemalt, zumindest in meiner Vorstellung. Was sollte uns da fehlen? Auch kulinarisch schien der Urlaub vielversprechend. Unser damals dreijähriger Tobias stopfte sich mit Piroggen so voll, dass ich wenige Stunden später dachte, dies sei der Grund für seine Bauchschmerzen. Nachdem die Übelkeit auch den großen Bruder und einen Tag später meinen Mann erwischte, war uns jedoch klar, dass wir die Urlaubstage mit Magen-Darm-Infekt verbringen würden. Noch nie freute ich mich während eines Urlaubs so sehr darauf, endlich wieder nach Hause zu fahren. Die einzige Person, die vor dem Infekt überraschend verschont blieb, war ich. Ich ahnte jedoch etwas anderes: Meine Vermutung, dass ich schwanger sein könnte, hat sich ausgerechnet in diesem „verdorbenen“ Urlaub bestätigt.

Drei Jahre später kamen wir wieder in diese ruthenische Region. In dem kleinen Dorf genossen unsere Großstadtkinder nichts mehr als den Bach, an dem sie ihre Dämme bauten. Unser Ältester erinnert sich bis heute an die Sternebeobachtung mit den Astronomen, denen er mit Begeisterung zuhörte.

Vor zwei Jahren kamen wir auf die Idee, aus der Ostslowakei nach Rumänien zu fahren. Die Unterkunft war ein Glückstreffer; die Gastfreundschaft der rumänischen Familie, bei der wir wohnten, einmalig. Das üppige Frühstück der Gastgeberin reichte bis zum Abendessen. Schinken und Speck kamen aus eigener „Produktion“: Im Garten war ein Koben mit zwei riesigen Hausschweinen. Eine Urlaubsattraktion, die unsere Stadtkinder nie vergessen werden. Bei unseren Bergwanderungen erlebten wir, dass rumänische Omas für unsere Kinder Blaubeeren pflückten. Ob es vielleicht daran lag, dass unser Jüngster, der damals zwei Jahre alt war, ihr Herz eroberte?

Mit den Jahren habe ich gelernt: Das Ungeplante macht den Urlaub spannend. Und es ist okay, wenn Dinge im Urlaub auch mal schiefgehen. Unvergesslich bleiben uns das Spiel am Bach, die Hausschweine, die rumänischen Omas mit ihren Blaubeeren – und manchmal sogar ein Magen-Darm-Infekt. Was zählt, ist die gemeinsam verbrachte Zeit, an die wir uns immer erinnern werden.

Die Autorin hat Politikwissenschaften studiert, ist Mutter von drei kleinen Söhnen und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Maria Fuchs

Weitere Artikel

Eine Reise nach Loreto führt Maxi und Leni zum Geheimnis des fliegenden Hauses – und an den Ort, an dem Gott Mensch wurde.
22.03.2026, 11 Uhr
Martin Linner
Das Wichtigste sind viele Nachfahren: Die Sinti-und-Roma-Kultur gilt traditionell als stark familienorientiert. Doch in Kultur und Alltag zeigen sich auch Schattenseiten.
26.02.2026, 19 Uhr
Elisabeth Hüffer
Kennt ihr die Situation? Alle sitzen ruhig am Tisch, bis plötzlich die Stimmung kippt. „Warum darf mein Bruder länger aufbleiben als ich? Ich bin jetzt alt genug.“
06.11.2025, 05 Uhr
Raphael Ballestrem Bernadette Ballestrem

Kirche

Synodalität und Laienapostolat: Bischof Ricardo García García von der Prälatur Yauyos in Peru warnt vor ermüdenden Sitzungen und ermutigt Laien zum Engagement jenseits des Kirchenraums.
31.07.2026, 19 Uhr
Regina Einig
Was als zwangloser Treffpunkt begann, zieht inzwischen Dutzende junge Menschen an: In Berlin-Schöneberg entsteht fernab kirchlicher Strukturen ein katholisches Netzwerk.
02.08.2026, 15 Uhr
José García
Als der Völkerapostel emotional wurde. in den Lesungen des Sonntags steht die Gewissheit im Mittelpunkt.
01.08.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr