Glosse: Menschenrechte für Roboter?

Roboter sind im Kommen! Laut Studie des McKinsey Global Institutes muss sich 2030 ein Viertel der deutschen Erwerbstätigen einen neuen Job suchen. Von Burkhardt Gorissen

Roboter sind im Kommen! Laut Studie des McKinsey Global Institutes muss sich 2030 ein Viertel der deutschen Erwerbstätigen einen neuen Job suchen. Von der Wiege bis zur Bahre bestimmen dann Roboter unser Dasein. Sie übernehmen Fabriken und bringen Essen ans Bett. Sie bedienen in Restaurants, Altenheimen und Kliniken. „Ihr Kinderlein kommet“ singen sie noch nicht, obwohl sie das könnten. Momentan hört sich die Roboter-Speech noch so schräg an, als hätten sie eine Bratwurst quer im Mund. Dabei sind Roboter in vorauseilendem Gehorsam korrekt und leben vegan. Ehrlich gesagt, die ganze Ernährung ist ihnen Wurst. Als willfährige Diener sind sie zuverlässig wie ein Uhrwerk. Am OP-Tisch ist ihrer Genauigkeit kein Chirurg gewachsen. An der Fleischtheke schneidet keine Metzgereifachverkäuferin genauer, obwohl die Roboter, wie gesagt, vegan leben. Kein Dirigent wird jemals den Takt so exakt einhalten können wie unsere blechernen Freunde, deren Lächeln dem Edelstahltopfcharme einer Schrebergartenkolonie verdächtig nahekommt. Streiks? Fehlanzeige! Selbst humanoide Roboter geben keine Widerworte. Das wird an der Börse ungeheure Gewinne zeitigen! Führt die Hybris der Menschen zu hybriden Menschen? Gut, ein Stromausfall könnte wie die Begegnung eines silvestertrunkenen Whiskyliebhabers mit einem Laternenpfahl enden. Vorteil Roboter! Er braucht kein neues Gebiss. Noch beißen sie nicht, die Wissenschaft hält sie an der kurzen Leine der Vernunft. Was aber, wenn es plötzlich einen Fehler in der Matrix gibt? Wenn Roboter mit Gefühlen das Leben von Menschen imitieren, wie im cineastischen Instant-Monument „Matrix“? Oder in Steven Spielbergs „A.I. – Künstliche Intelligenz“ oder „I Robot“, der auf einer Erzählung des genialen SF-Autors Isaac Asimov beruht. Wenn der Golem (jiddisch „Goi“-lem), den Kabbalisten seit Jahrhunderten beschwören, nicht mehr nur in Science-Fiction-Streifen auftritt, wie in Paul Wegeners gleichnamigem Filmklassiker von 1920… Tesla-Chef Elon Musk warnte kürzlich vor den Risiken der Künstlichen Intelligenz. Die Wissenschaft glaubt immer, sie sei über jeden Zweifel erhaben. Doch die Begriffe verschieben sich bedrohlich. In der modernen Medizin sprechen selbst konservative Vertreter von menschlichen Ersatzteillagern. Sloterdijks Idee vom „Menschenpark“ wirkt geradezu niedlich. Beim Kraftwerk-Hit „The Robots“ singt eine Roboterstimme auf Russisch „Ja tvoi sluga“ (Ich bin dein Sklave). Falsch! Nicht Roboter sind unsere Sklaven, wir versklaven uns an die Technik.

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