„Domschweizerinnen“ gesucht

Köln: Seit Jahrhunderten gehören „Domschweizer“ zum festen Personalstamm der Kathedrale –nun sollen auch Frauen den Dienst verrichten. Von Ulrike von Hoensbroech
Gendersensibler Katholizismus: Bald gibt es „Domschweizerinnen“.
Foto: ho | Gendersensibler Katholizismus: Bald gibt es „Domschweizerinnen“.

Im Kölner Dom soll noch in diesem Jahr der letzte rein männlich besetzte Laiendienst durch die Einstellung von Frauen beendet werden. „Wir glauben, dass Frauen und Männer sich insgesamt bei dieser Tätigkeit gut ergänzen“, sagt der Hausherr der Kathedrale, Dompropst Gerd Bachner, mit Blick auf die sogenannten Domschweizer. Seit Jahrhunderten sorgen diese Männer in ihren langen roten Roben mit schwarzer Samtverbrämung nicht nur im Verlauf der Gottesdienste für Ruhe und Ordnung, sondern während der gesamten Öffnungszeiten des Gotteshauses für die angemessene Würde des Ortes – indem sie unter anderem etwa darauf achten, dass die bis zu 30 000 Besucher, die täglich den Dom aufsuchen, in angemessener Kleidung die Kirche betreten. „Unsere Domschweizer sind für die Besucher die ersten Ansprechpartner. Sie sind so etwas wie die Visitenkarte des Domes.“ Zu ihren Aufgaben gehört das Auf- und Abschließen des Domes, das Läuten die Glocken, das Auffüllen der Schriftstände sowie die Entsorgung von abgebrannten Kerzen. Außerdem führen sie den liturgischen Ein- und Auszug an. „Und wir haben natürlich einen ganz besonderen Ort im Dom im Blick, nämlich den Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige“, sagt Franz-Jochem Henk, einer von derzeit knapp 30 Kirchenaufsehern in Kölns Wahrzeichen. Seit 13 Jahren verrichtet Henk seinen Dienst an dem für die Christenheit so bedeutenden Ort mit den Gebeinen der ersten Christuspilger. Der Dreikönigenschrein: Hier dürfte von den Domschweizern und ihren künftigen weiblichen Kolleginnen noch mehr Aufmerksamkeit erwartet werden, weil die Domwallfahrt in Drei-Königs-Wallfahrt umbenannt wurde. Demnächst besteht an jedem sechsten eines Monats die Gelegenheit, unter dem Schrein herzugehen.

Bislang war dies nur an den Tagen der Domwallfahrt möglich. Was es mit diesem Brauch auf sich hat, ist eine von vielen Fragen, die die Domschweizer laut Henk immer wieder gestellt bekommen. Aber in den Gesprächen gehe es nicht nur um die Heiligen, sondern auch um vieles andere, was den Dom ausmache. Die Domschweizer, die nicht nur in Köln seit Jahrhunderten zum festen Personalstamm der Kathedralkirchen gehören, sind dann meist die nächststehenden Bezugspersonen. Die Domschweizer sind seit dem 16. Jahrhundert am Kölner Dom belegt, vermutlich gab es sie aber schon im Mittelalter. Ihren Namen haben sie daher, dass sich früher oftmals schweizerische Söldner im Ausland als Wachpersonal bewarben.

Nun sollen nach dem Willen des Domkapitels bis Ende des Jahres mehrere Domschweizerinnen ihren Dienst antreten. Es sei nicht mehr zeitgemäß, nur Männer hier zu beschäftigen. „Es kommen ja sowohl Männer als auch Frauen in den Dom“, so Bachner. Die Bewerberinnen sollten sich mit der katholischen Kirche identifizieren sowie über eine freundliche, kommunikative und serviceorientierte Persönlichkeit verfügen. Wichtig sei selbstredend darüber hinaus die Bereitschaft, auch an Wochenenden sowie an Feiertagen zu arbeiten. Fremdsprachenkenntnisse seien erwünscht, aber keine Voraussetzung für eine Anstellung. Eine gewisse körperliche Fitness ist sicherlich hilfreich: Denn Domschweizer legen in ihrem Dienst mitunter bis zu 13 Kilometer zurück.

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