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„Die einen reden über Corona – ich über den Glauben“

Der Kaiserurenkel Ferdinand Habsburg hat sich als erfolgreicher Motorsportler seinen Weg gebahnt. Warum der theoretische Thronerbe lieber an Pilgerstätten als auf Ibiza seinen Urlaub verbringt und ob er sich vorstellen könnte, noch in die Politik zu gehen, erzählt er im Interview mit der „Tagespost“.
Ferdinand Habsburg
Foto: IMAGO/KRISTOF VERMEULEN / MPS AGENCY | „Normalerweise schaffe ich es in der Früh vor Rennen in die Sonntagsmesse zu gehen. Aber manchmal geht sich‘s nicht aus. Dann lese ich zumindest die Lesungen und gehe unter der Woche in die Messe.

Sie waren dieses Jahr schon in Medjugorje. Warum besuchen Sie lieber eine Gebetsstätte als eine Partyinsel wie Ibiza

Wallfahrtsorte bringen Ruhe mit sich. Wenn man Hoffnung braucht und Zuwendung und Liebe, dann sollte man an einen Wallfahrtsort gehen als nach Ibiza – dort holt man sich wahrscheinlich eher eine Geschlechtskrankheit. Ich wollte schon letztes Jahr nach Medjugorje, aber ich habe 2021 den Weltmeistertitel in der Langstreckenserie von „Le Mans“ gewonnen und war anschließend den ganzen nächsten Monat ausgebucht. Deswegen habe ich mir dieses Jahr schon vor dem Rennen die Woche danach für einen Besuch in Medjugorje freigehalten.

Sie haben sich erst mit 18 firmen lassen. Was hat Sie dann aber vom Glauben überzeugt?

„Ich denke es ist auch besser, wenn man durch Hinterfragen zum Glauben findet als das übernimmt, was einem beigebracht wurde.“ 

Mehrere Dinge. Ich war ein sehr sturer Bub und wollte mich nicht firmen lassen, nur weil es alle tun, obwohl ich nicht verstanden habe, worum es geht. Mit 16 habe ich mich dann irgendwie gerufen gefühlt, mich über den Glauben zu informieren. Ich habe dann zum Glück die richtigen Leute kennengelernt, die mit mir Glaubensfragen durchgegangen sind und habe mich dann bewusst für die Firmung entschieden. Und ich denke es ist auch besser, wenn man durch Hinterfragen zum Glauben findet als das übernimmt, was einem beigebracht wurde. 

Wie leben Sie denn Ihren Glauben im Alltag?

Normalerweise schaffe ich es in der Früh vor Rennen in die Sonntagsmesse zu gehen. Aber manchmal geht sich‘s nicht aus. Dann lese ich zumindest die Lesungen und gehe unter der Woche in die Messe. Und vor dem Essen bete ich und auch manchmal im Flugzeug einen Rosenkranz.

Aber es gibt Tage, an denen es sich natürlich anfühlt auf die Knie zu fallen und zu lachen vor Dankbarkeit und es gibt Tage, an denen ich Gott vom Gefühl her hasse, weil er mir nicht gibt, was ich denke, dass ich gerade brauche. Aber ich würde sagen, dass ich mit der Zeit besser geworden bin, zu beten, auch wenn ich keine Lust darauf habe. Das Gebet ist wie Zähneputzen: ich muss es tun – ob ich will oder nicht.

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Sie sprechen ja auch in vielen Interviews sehr offen über Ihren Glauben. Was ist Ihre Motivation dafür?

Ich glaube jeder, der eine Plattform hat, spricht über das, worauf er aufmerksam machen möchte. Die einen reden über Corona oder die Klimakrise oder politisches Zeug und ich bin überzeugt, dass Glaube und Nächstenliebe am meisten in dieser Welt fehlen. Und dass alle anderen Probleme Nebenwirkungen von einem Mangel an Nächstenliebe sind, die durch den Glauben wiederum stärker wird. Als Katholik ist man ja auch gerufen, Apostel zu sein. So verstehe ich mein Apostel sein. 

Sie haben auch mal gesagt, dass Sie bereit dazu wären, Priester zu werden. 

Wenn ich gesagt habe „bereit dazu sein“, dann war ich sehr mutig an dem Tag. Das ist eine große Aussage. Das unterschätzt fast, was es heißt, Priester zu sein. Aber ich hoffe, dass ich, wenn ich zum Priestertum berufen sein sollte, stark genug bin, dieser Berufung nachzugehen.

Wie reagieren denn Ihre Rennsportkollegen darauf, dass Sie praktizierender Katholik sind?

Meistens mit ein bisschen Überraschung, weil sie das im Motorsport nicht oft antreffen, vor allem nicht bei jungen Menschen. Sie schauen mich so an wie ich jemanden anschauen würde, der Ketchup auf eine Pizza geben würde. Da würde ich mir denken: Was ist mit dem los? Aber trotzdem mit einem gewissen Interesse.

Sie sind Mitgründer der Initiative „Drive fast, act faster“, Sie haben in der Ukraine Ferienwohnungen angemietet, die Sie aber selbst nicht genutzt haben, um die Leute vor Ort finanziell zu unterstützen, außerdem unterstützten Sie aktuell den Aufbau einer neuen Kirche des Zentrums Johannes Paul II. in Wien. Was treibt Sie zu den ganzen Projekten an?

Ich habe das Riesenglück, dass ich finanziell bequem leben kann, auch wegen eigener Leistung. Das Projekt vom Zentrum Johannes Paul II. finde ich sehr spannend, weil ich glaube, dass das die Zukunft ist und hoffentlich meine Kinder später dort einmal über den Glauben lernen und im Glauben wachsen können. 

Die Tätigkeit in der Ukraine hat damit zu tun, dass meine Familie dort involviert ist und wir nach Wegen gesucht haben, den Menschen zu helfen, jetzt da die herkömmlichen Unterstützungssysteme zusammengebrochen sind. Das war eine Möglichkeit das direkt zu tun. 

Sie haben in Ihrer Rolle als ORF-Experte Ihren Kollegen im Regen mal Pommes geholt und damit ziemlich viel Aufsehen erregt. Ihre Antwort war damals: „Ich versuche nur herauszufinden, was es heute heißt, ein Habsburger zu sein.“ Was heißt es denn für Sie, heute ein Habsburger zu sein?

Es heißt vor allem, dass man einen Familiennamen trägt, der geschichtlich und politisch viel Gewicht mit sich trägt. Und dass man eine Verantwortung dafür hat, den Namen wertzuschätzen und die christlichen Werte, für die er lange gestanden hat, gut zu repräsentieren und weiterzutragen. 

Ihr Großvater hat zur europäischen Einigung beigetragen, Ihr Vater schützt Kulturgüter in Kriegsgebieten. Warum wollten Sie selbst nicht in die Politik gehen, was Ihnen als theoretischer Thronfolger ja in die Wiege gelegt gewesen wäre? 

Ich habe mich nie dagegen entschieden, ich bin einfach nur meinem Weg gefolgt. Ich wollte immer entweder Musiker oder Rennfahrer werden. Aber ich hoffe für das Volk von Österreich, dass meine Schwester Gloria in die Politik geht und nicht ich - falls überhaupt jemand von unserer Familie in die Politik einsteigen sollte. Sie hat ein viel besseres politisches Gespür und weltpolitisches Wissen und ist sehr viel intelligenter als ich. Aber ich würde trotzdem nicht sagen, dass ich den Schritt in die Politik verneint habe und ihn nicht doch noch irgendwann gehen könnte – aber das steht momentan nicht in meinem Kalender.

Was haben Ihre Eltern dazu gesagt, dass Sie Rennfahrer werden wollten?

Sie waren sehr unterstützend. Sofort. Wahrscheinlich aus dem Grund, weil sie von ihren Eltern nicht diese extreme Freiheit bekommen haben. 

Der Sport birgt aber auch ein enormes Risiko. 2017 haben Sie bei einem Rennen in Macao in China den Tod von Daniel Hegarty bei einem Motorradrennen mitbekommen. Wie gehen Sie auf die Rennbahn mit dem Wissen, dass Sie sich auch ernsthaft verletzen könnten?

„An dem Abend habe ich auch einen Brief an meine Mutter geschrieben, falls ich nach dem Rennen gestorben sein sollte.“

Man denkt nicht viel darüber nach. Wenn man viel darüber nachdenkt, ist es besser nicht einzusteigen. In Macao habe ich mir dann Gedanken gemacht, ob ich das Rennen überhaupt fahren sollte. An dem Abend habe ich auch einen Brief an meine Mutter geschrieben, falls ich nach dem Rennen gestorben sein sollte. Das war mir wichtig, um mir des Risikos bewusst zu werden. Aber ich hoffe sie versteht, dass ich trotzdem eingestiegen bin, weil ich den Motorsport liebe. 

Wenn man ein Risiko eingeht, und wirklich reflektiert hat, ob es das einem wert ist, dann ist es okay – egal, ob es schief geht oder nicht. Aber ein Risiko einzugehen ohne darüber nachzudenken, das ist Dummheit.

Sie haben in einem Interview gesagt, dass der Traum in die Königsklasse Formel 1 aufzusteigen für Sie schon gestorben ist. Warum denn? 

Ich glaube nicht, dass ich die Seele dazu habe, um mit dem Druck in der Formel 1 umzugehen. Dadurch, dass ich Ausdauersport mache, habe ich noch viel mehr Zeit, um andere Sachen zu machen, die mir sehr viel Freude bringen. Ich bin absolut überzeugt, dass mir die Formel 1 nicht mehr Zufriedenheit oder Glück bringen würde. Ich hätte vielleicht mehr Fans, aber man lernt sehr schnell, dass Bekanntheit kurzfristig ein Hochgefühl verleiht, aber langfristig keine Freude schenkt. 

Was sind denn dann noch Ihre Ziele für die Zukunft?

(Zum Spaß) Ich möchte in die Formel 1! (Lacht) Eine coole Familie zu haben, ein guter Vater und Ehemann zu sein. In den Himmel zu kommen. Aber sportlich gesehen: Aufzusteigen in die Kategorie „Hypercar“, die mich extrem reizt und in den nächsten zwei Jahren auch für mich erreichbar ist. Außerdem wären ein weiterer Le-Mans-Sieg und mehr Weltmeistertitel cool. Und dass ich Kaiserschmarrn gut machen kann, aber das liegt noch in weiter Ferne.   

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