Tagesposting

Trotz allem einen einen klaren Blick bewahren

Gegen die Verzweiflung an der Kirche wegen deren Personal hilft der Blick auf Gott.
Kirche in Bayern
Foto: Sina Schuldt (dpa) | Stürmische Zeiten für die katholische Kirche in Deutschland. Unwetter über der Kirche St. Johannes der Täufer in Bayern.

Im Augenblick haben viele das Gefühl, ihnen werden die Beine unterm Leib weggeschlagen. Jemand schüttete mir sein Herz aus: „Ich glaube, ich habe meine Heimat verloren. Habe immer an die Kirche geglaubt ... Bischöfe, die in den Sack hauen! Unfassbar!“ Jemand schickt mir eine Messenger-Nachricht: „Ich habe mittlerweile einfach Angst, wie es weitergehen soll. Wir fahren jetzt schon als Familie 20 Kilometer zur nächsten Heiligen Messe, weil es in unserer Ortsgemeinde einfach schrecklich ist ... Wenn dieser synodale Quark auf die Gemeinden übergeht, wird es ja noch schlimmer. ... Habe über viele Umwege wieder zurückgefunden. Selbst meine Frau ist jetzt heimgekommen zum katholischen Glauben. Wo soll das enden, habe Angst? Wir sind gerade mal 30 Jahre alt ...“. Ich weiß nicht, ob ich trösten konnte mit den Gedanken, dass Gott immer einen Plan hat – auch in seinen für uns bitteren „Zulassungen“.

Vor Jahren habe ich einmal zusammengestellt, was mich damals faszinierte; ich bin nicht bereit
auch nur ein Ding angesichts der Performance des göttlichen Bodenpersonals zurückzunehmen

Am Punkt der Kirchenverzweiflung (oder der Verzweiflung an einer durch Menschen korrumpierten Kirche) hilft nur eines: der kerzengerade Blick auf Gott, seine Offenbarung und seine Gnade. Lob und Dank für alles, was er uns in seinem Sohn schenkte und noch jeden Tag in Verkündigung und Sakrament und der Stille unseres Herzens geistlich schenkt. Vor Jahren habe ich einmal zusammengestellt, was mich damals faszinierte; ich bin nicht bereit auch nur ein Ding angesichts der Performance des göttlichen Bodenpersonals zurückzunehmen:

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„Du kommst in eine tiefe innere Freude. Du startest anders in den Tag und gehst anders aus ihm heraus. Du kannst ohne Bitterkeit zurückblicken. Du wirst gebraucht. Du fühlst dich geborgen. Du hast eine klare Sicht auf die Dinge und bekommst inneren Halt, den du nicht aus dir hast. Du kannst dich mit dir und deiner Vergangenheit versöhnen. Du wirst dankbar. Du kannst ohne Angst in die Zukunft blicken. Es kommt Festlichkeit in dein Leben. Du findest Ruhe in deiner Seele. Du hast etwas, woran du arbeiten und wofür Du kämpfen kannst. Du wirst immun gegen Verzweiflung. Du wirst zu einem Halt für deine Kinder oder deinen Partner. Du kannst nach oben schauen:

Geborgenheit und Ruhe finden im Gottvertrauen

Da ist jemand über dir, der dich liebt. Du durchschaust den „Zufall“ und fühlst dich von Gott geführt. Du entdeckst deine Würde und wirst befreit von Selbsthass und Selbstverachtung. Du findest eine Menge verlässliche Freunde. Du weißt, wo du ansetzen musst, wenn du Abhängigkeiten und Süchten ausgesetzt bist. Du kannst besser denken. Du findest uralte Rituale, die deiner Seele guttun. Du fühlst dich freier. Du siehst die Welt mit neuen Augen und freust dich an der Schöpfung. Du erfährst Segen und Schutz. Du wirst liebevoller und gütiger.

Deine Zukunftsangst nimmt ab. Dir wächst übernatürliche Kraft zu. Du kannst seelische Wunden verarbeiten und mit Leid besser umgehen. Du bist Teil eines weltweiten Netzwerkes – wo du hinkommst, begrüßt man dich als einer von uns. Du findest Zusammengehörigkeit und Gastfreundschaft über Sprachen- und Landesgrenzen hinaus. Du kannst gelassener verlieren. Du kannst loslassen. Du kannst sterben. Du findest den Mut zu einer wahnsinnigen Erwartung an das Leben ...“

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