Monarchie

Sie hat die Pflicht und ihren Glauben gelebt

Die Welt nimmt Abschied von Königin Elisabeth II. Sie vergaß nie, wer der höchste Herrscher ist.
Queen Elizabeth II
Foto: IMAGO/Annegret Hilse / SVEN SIMON | Queen Elizabeth II, (1926 - 2022), vom 6. Februar 1952 bis zum 8. September Königin von Großbritannien, Staatsoberhaupt weiterer 14 Staaten und weltliches Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche von England lebte ...

Die Königin ist tot, ewig lebe die Königin! Seitdem die Nachricht vom Tod Königin Elisabeths II. am vergangenen Donnerstag viral ging, befindet sich nicht nur die Medienwelt im Ausnahmezustand. Politiker, Prinzen und Popstars äußern ihre Betroffenheit über den Verlust der 96-Jährigen. Angefangen von der neuen britischen Premierministerin Liz Truss, die nur zwei Tage nach ihrer Ernennung durch Königin Elisabeth II. von der "Queen" als dem "Fels" sprach, auf dem das "moderne Großbritannien errichtet" worden sei. Die "BBC" änderte kurzfristig ihr Programm und liefert seitdem Sondersendung nach Sondersendung auf allen Kanälen.

Was dabei schnell hervortrat und für manche Zuhörer vielleicht antiquiert, für andere hingegen cool wirkte, war, wie wichtig und tragend für die verstorbene Monarchin der christliche Glaube war – weit über ihre offizielle Rolle als weltliches Oberhaupt der Anglikanischen Kirche hinaus. Aus dem Glauben daran, dass es einen höheren Herrscher gibt als irdische Könige und Staatshäupter, bezog Königin Elisabeth die Kraft, ein ethisch anspruchsvolles Leben ohne persönliche Skandale zu führen und ihre vielfältigen Pflichten quasi bis zum letzten Atemzug zu erfüllen. Sie stellte ihren christlichen Glauben "nicht zur Schau", wie der frühere britische Premier John Major richtig bemerkte, "sondern lebte ihn".

So würdigte Papst Franziskus in treffender Wortwahl
an der ‚Queen‘ laut KNA ‚ihr Beispiel von Pflichterfüllung,
unerschütterlichem Zeugnis des Glaubens an Jesus Christus
und ihre feste Hoffnung auf seine Verheißungen‘"

Tatsächlich ließ die Queen bei ihren populären Weihnachtsansprachen aber auch regelmäßig dezent durchscheinen, woher sie ihren persönlichen spirituellen Halt und ihre ethische Orientierung empfing: "Für viele von uns ist unser Glaube von größter Wichtigkeit. Die Lehre Christi und das Wissen um meine persönliche Rechenschaftspflicht vor Gott stellen für mich den Rahmen dar, in dem ich versuche, mein Leben zu führen. Wie so viele von Ihnen habe ich auch großen Trost in Jesu Christi Worten und Vorbild gefunden."

Dabei wusste die "Queen" als Staatsoberhaupt aber auch, wo die Grenzen des persönlichen Missionseifers lagen, liegen mussten. In einer guten Mischung aus Klugheit und Demut vertrat sie das Prinzip der Toleranz, wenn es um die Religionsfreiheit in der britischen Gesellschaft und im Commonwealth ging. Das war sicherlich nicht nur der Staatsräson und der konstitutionellen Monarchie geschuldet, sondern eine durch Lebenserfahrung gewonnene Einsicht. Die Ermordung von Lord Mountbatten im Jahr 1979 durch die katholische Terror-Organisation "IRA" hatte die Monarchin persönlich getroffen. Sie stand Mountbatten nah, weil der Lord ihre Ehe mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Prinz Philip geschickt und erfolgreich eingefädelt hatte.

Die Königin und die Päpste

 

 

Dabei hatte Elisabeth grundsätzlich keine Berührungsängste mit dem Katholizismus. Im Vatikan war sie ein gern gesehener Gast. Während ihrer 70 Jahre dauernden Amtszeit traf sie mit fünf Päpsten zusammen. Von "Fels" zu "Fels" sozusagen. Zuerst – noch als Thronfolgerin – mit Papst Pius XII. im Jahr 1951. Es folgten Begegnungen mit Johannes XXIII., Papst Johannes Paul II., Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus. "Zweimal war die Queen selbst Gastgeberin für einen Papst. Johannes Paul II. machte 1982 – als erster Bischof von Rom überhaupt –einen Pastoralbesuch im Vereinigten Königreich. Als sein Nachfolger Benedikt XVI. (2005-2013) im September 2010 nach Großbritannien kam, empfing die Queen ihn in ihrer schottischen Residenz Holyroodhouse in Edinburgh. Gegenüber dem nur ein Jahr jüngeren Benedikt sparte sie damals nicht mit Lob für die katholische Kirche und für den Vatikan", wie Christiane Laudage von der "Katholischen Nachrichtenagentur" (KNA) zu berichten weiß.

So überrascht es nicht, dass Königin Elisabeth II., als sie in diesem Frühjahr ihr 70-jähriges Thronjubiläum feierte, auch Glückwünsche aus dem Vatikan erhielt. Wie es denn auch nicht überrascht, dass inmitten der globalen Wellen der Trauer und Anteilnahme, die nun über das britische Königshaus fluten, auch viele katholische dabei sind. So würdigte Papst Franziskus in treffender Wortwahl an der "Queen" laut KNA "ihr Beispiel von Pflichterfüllung, unerschütterlichem Zeugnis des Glaubens an Jesus Christus und ihre feste Hoffnung auf seine Verheißungen". Gegenüber ihrem Sohn, dem neuen König Charles III., drückte Franziskus in einem Telegramm seine Betroffenheit und sein Beileid aus. "Elizabeth II. habe ,im unermüdlichen Dienst für das Wohl der Nation und des Commonwealth  gelebt."

Die Familie lag ihr am Herzen - trotz aller Probleme

Wobei man nicht vergessen darf, dass die Königin und Meisterin des britischen Understatements sich auch heftig für das Wohl ihrer Familie engagierte. Was mit Blick auf die Akteure und ihre Auftritte in der Regenbogenpresse nicht immer ein einfaches Unterfangen war. Nachdem im Jahr 1992 die Ehen ihrer Söhne Charles und Andrew spektakulär auseinandergefallen waren und auch andere Schreckensmeldungen das britische Königshaus auf Trab gehalten hatten, bewahrte die "Queen" selbstironische Contenance und fasste die jährlichen Ereignisse mit dem Ausdruck "annus horribilis" (Schreckliches Jahr) zusammen. Nicht minder diszipliniert und gefasst reagierte sie auf den Wirbel rund um den Unfalltod von Lady Diana vor 25 Jahren, die Sexring-Nachrichten rund um ihren Sohn Andrew und das widerspenstige Verhalten ihres Enkels Harry, der seiner exzentrischen Frau zuliebe auf Distanz zur aristokratischen Herkunftsfamilie ging.  

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Bei all dem ging von Königin Elisabeth II. eine nüchterne Gelassenheit, Standfestigkeit und Zuversicht aus, die bereits nach dem Tod des ähnlich agierenden und ähnlich flächendeckend betrauerten Johannes Paul II. selten zu finden war im Zirkus der Medien und der Mächtigen. Was die Frage aufwirft, wie es nun weitergehen soll in dieser Zeit der großen Umbrüche. In Schloss Windsor und im losen Staatenbund des Commonwealth. Das Charisma der Pflichterfüllung und des unerschütterlichen Durchhaltevermögens erlangt man schließlich nicht, indem man bei einem Druiden in den Zaubertrankkessel fällt.

Ein gereifter König Charles tritt die Nachfolge an

Die ersten öffentlichen Auftritte von König Charles III. ("Mögen  Engelsscharen dich zur Ruhe singen") zeigen, dass wohl kein Grund zu akuter Sorge besteht. Durch das Alter, die lange Wartezeit und die richtige Frau an seiner Seite scheint der "ewige Thronfolger" in einer Weise gereift zu sein, die durchaus kompatibel für die neue Ära wirkt, in welche nicht nur Großbritannien, sondern die ganze Menschheit im "annus horribilis" 2022 (Ukraine-Krieg, Klima-Katastrophen, Inflation, Hunger, Energie-Knappheit) getreten ist.

Der Tag der Beisetzung von Elisabeth II. am kommenden Montag wird für den Beginn der neuen Ära ein wichtiges Symbol sein. In Westminster Abbey wird der offizielle Staatsakt stattfinden. Auf Schloss Windsor dann die Beisetzung.

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