Reggae

Reggae-Sänger und -Ikone Bob Marley wurde vor seinem Tod getauft

Bob Marley (1945-1981) machte mit seinen spirituellen Reggae-Songs die Rastafari-Religion weltweit populär, aber er selbst starb als äthiopisch orthodoxer Christ.
Bob Marley im Jahr 1980 bei einem Konzert in München
Foto: dpa | Unvergessen: Bob Marley im Jahr 1980 bei einem Konzert in München.

Der Gitarrist, Songwriter und Aktivist Bob Marley gilt als bedeutendster Vertreter und Mitbegründer der karibischen Reggae-Musik, die durch ihn und seine Band „The Wailers“ ab Mitte der 1970er Jahre weltweit bekannt wurde. Zu seinen bekanntesten Songs zählen: “Get Up Stand Up, “No Woman, No Cry”, „Redemption Song“ und „Stir It Up“. Neben seinem musikalischen Werk gilt Marley als einer der wichtigsten Botschafter der Rastafari-Religion.

Die Rastafari Bewegung entstand in den 1930ziger Jahren in der Karibik als Befreiungsbewegung von Afroamerikanern. Als Gründer gilt Marcus Mosiah Garvey (*1887 † 1940) aus Jamaika, der als Politiker und Publizist die „Universal Negro Improvement Association“ gründete. Den Namen bekam die Bewegung 1930 mit der Krönung von „Ras Tafari Makonnen“ zum Kaiser Haile Selassie I (1892-1975) von Äthiopien. „Haile Selassie“ heißt auf Deutsch: „Macht der Dreifaltigkeit“. Selassies Kaiser-Krönung wurde von vielen Heilspredigern auf Jamaika als die Erfüllung einer Prophezeiung von Marcus Garvey gesehen. Der in den USA lebende Garvey hatte kurz zuvor die nahe Ankunft eines afrikanischen Messias vorhergesagt, der die Afroamerikaner befreien und nach Afrika zurückführen würde.

„Nachdem sich Bob Marley sein ganzes kurzes Leben lang
als Prophet der Rasta Religion verstanden hat,
konvertierte er 1980 zur äthiopisch orthodoxen Kirche“

Der Reggae-Sänger Bob Marley machte die neue Bewegung weltweit populär. Bob Marley wurde 1945 in ärmlichen Verhältnissen in „Nine Mile“ auf Jamaika geboren. Mit 22 Jahren konvertierte der christlich getaufte Marley zum Rastafari, seine Musik wurde voll spiritueller Botschaften. Marley wollte nicht nur den Reggae international bekannt machen, sondern auch seinen Glauben. Grundlage dieser Botschaft war der 68. Psalm, Vers 32 des Alten Testaments: „Aus Ägypten werden Prinzen hervorgehen und Kusch (Äthiopien) wird bald seine Hände nach Gott ausstrecken“. Äthiopien war der bis dahin einzige afrikanische Staat, der sich erfolgreich gegen die Kolonialisierung gewehrt hatte und somit ein Symbol für die Freiheit aller afrikanischstämmigen Menschen. Der äthiopische Kaiser Haile Selassie, der gleichzeitig auch Oberhaupt der äthiopisch orthodoxen Kirche war, und damals gerade gegen die Italiener um die Unabhängigkeit seines Landes kämpfte und von der ganzen freien Welt als Freiheitskämpfer bewundert wurde, wurde ihr Prophet.

Neben dem Propheten Selassie spielt ,Jah‘ eine zentrale Rolle in Marleys Texten, es war für ihn die Kurzform des alttestamentlichen Befreier Gottes Jahwe. Jah assoziiert auch Jamaika, das Anfang des 16. Jahrhunderts eine spanische Kolonie geworden war. 1517 brachte man die ersten afrikanischen Sklaven zur Arbeit auf den Plantagen auf die Insel, die bald die indigene Urbevölkerung verdrängten. 1655 fiel die Insel an die englische Krone, die sie erst 1962 in die Unabhängigkeit entließ. Die Briten lehnten eine Christianisierung der Sklaven ab, um zu verhindern, dass diese sich mit der Kirche gegen die Kolonialherren verbündeten. Nach dem Ende der Sklaverei 1832 kamen schwarze Baptistenprediger aus den USA auf die Insel, viele ehemalige Sklaven wurden zu Christen.

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Eine Mischung aus Christentum und afrikanischen Religionen

Deren Christentum vermischte sich mit den Resten afrikanischer Religionen. Viele biblische Geschichten wurden jetzt anders interpretiert. Einen zentralen Platz nimmt die Hoffnung der Schwarzen auf Erlösung und Befreiung ein. Selbst Gott wurde jetzt als schwarzer Gott vorgestellt: „God black! God black!“, sang Bob Marley. Hintergrund hierfür ist die Begegnung von König Salomo mit der schwarzen Königin von Saba, die im Alten Testament berichtet wird. Durch sie kam es zu einer engen Verbindung der Rasta Religion mit dem Judentum. In der Interpretation der Rastas hat mit dieser Begegnung eine neue Phase der Heilsgeschichte begonnen, die Schwarzen wurden sozusagen mit den Juden zum auserwählten Volk.

Auch das Exodus Motiv ist ein immer wiederkehrendes Element in der Rasta Religion und in den Liedtexten von Bob Marley. Der Auszug der Israeliten aus Ägypten wird dabei uminterpretiert zum Auszug aller Schwarzen aus Babylon. Als modernes Babylon gilt die westliche, weiße Hemisphäre, die am Anfang der Sklaverei stand. Diese westliche Kultur wird untergehen und die Rasta-Bewegung wird sich durchsetzen, so glauben die Rastas. Die Rastafari Bewegung als „neureligiöse Bewegung“ und Ausdruck einer Protesthaltung gegenüber den etablierten Religionen, macht diese auch für viele Orientierung suchende aus der westlichen Welt interessant.

Auch Dreadlocks haben eine religiöse Bedeutung

 

Deshalb haben sich auch viele Weiße mit den Anliegen der ehemals unterdrückten Jamaikaner solidarisiert, indem sie „Dreadlocks“ tragen. Auch diese haben eine religiöse Dimension: Auch die biblische Figur des Samson bezog seine Kraft aus seinen Haaren. Für einige Rastas spielt auch Marihuana, von vielen auch als „Wisdom Weed“, als Weisheitskraut bezeichnet, eine spirituelle Rolle. Im Rauchen von Marihuana sehen viele eine Möglichkeit, Kontakt mit dem Göttlichen, mit „Jah“ aufzunehmen.

Nachdem sich Bob Marley sein ganzes kurzes Leben lang als Prophet der Rasta Religion verstanden hat, konvertierte er 1980 zur äthiopisch orthodoxen Kirche. Abuna Yesehaq, der 2005 verstorbene Erzbischof der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in der westlichen Hemisphäre, hatte Marley getauft. In einem Interview mit dem Sunday Magazine in Jamaika aus dem Jahr 1984 sprach er über Marleys Wunsch, Christ zu werden: „Bob war wirklich ein Kind Gottes, unabhängig davon, wie die Leute ihn betrachteten. Er hatte schon lange den Wunsch, sich taufen zu lassen, aber es gab Leute in seinem Umfeld, die ihn kontrollierten und die einem anderen Aspekt der Rastafari zugeneigt waren. Aber er kam regelmäßig in die Kirche.“

Marley bekam ein christliches Begräbnis

In dem Interview ging Yesehaq auch auf die Behauptung ein, Marleys Krebserkrankung im Endstadium sei der Grund dafür gewesen, dass er Jesus Christus als seinen persönlichen Erlöser angenommen habe. „Viele Leute denken, dass er sich taufen ließ, weil er wusste, dass er sterben würde, aber das stimmt nicht. Er tat es, als kein Druck mehr auf ihm lastete, und als er getauft wurde, umarmte er seine Familie und weinte, sie weinten alle zusammen etwa eine halbe Stunde lang.“ Bob Marley war zwar nur einmal mit seiner Jugendliebe Rita aus Kuba verheiratet, mit der er vier leibliche und ein adoptiertes Kind hatte, aber ihm wurden Dutzende uneheliche Kinder nachgesagt. Nach seiner zweiten Taufe unterzog er sich einer fast halbjährigen erfolglosen Krebstherapie in Rottach-Egern in Bayern. Auf dem Rückflug von Deutschland erlag Marley am 11. Mai 1981 bei einer Zwischenlandung in Miami (USA) im Alter von nur 36 Jahren seinem Krebsleiden. Abuna Yesehaq, der später selbst in Jamaika seine letzte Ruhestätte finden sollte, leitete die Beerdigungszeremonie für den Musiker in seinem Geburtsort Nine Mile auf Jamaika, wo ihm zu Ehren ein Mausoleum errichtet wurde.

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