Glosse

Rasta- Rassismus

Der Rasta-Mensch steht unter Verdacht und Winnetou wird abgeschafft: woke Zeiten.
Rasta-Locken nur noch auf Jamaika getragen werden
Foto: David Tesinsky/Zuma Press/dpa | Wenn es nach dem woken Willen geht, dürfen Rasta-Locken nur noch auf Jamaika getragen werden.

Cancel Culture. Abkanzeln, das kennt man ja. Aber „cancel“? Absagen! Eigentlich eine Absage an Diskriminierung. Allerdings eine mit Ansage. Und die, die das Sagen haben, die „woken“, die Culture Checker, schlagen nun wilder um sich denn je. Da wird dann auch schon mal die Freiheit gecancelt, also: abgesagt. Die der Kunst, die der Wissenschaft, die der Meinung. Und die der Mode (soweit die nicht schon einem der drei vorgenannten Bereiche zugerechnet werden kann).

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Dreadlocks unter Verdacht

Wer zum Beispiel Dreadlocks trägt, wird abgesägt. Beziehungsweise abgesagt. Dreadlocks gehen gar nicht. Im linken Lager, in denen Dreadlocks bisher zum guten Ton gehörten, ist eine große Irritation spürbar. War die Frisur nicht ehedem ein nonkonformistisches Fanal gegen das Establishment? Ein Zeichen „gegen rechts“? Und urplötzlich steht der Rasta-Mensch unter Rassismusverdacht! So schnell kann's gehen. Denn: Dreadlocks zu tragen ist ein Akt „kultureller Aneignung“ und das ist seit ein paar Monaten rassistisch. Muss man wissen, wenn man „woke“ sein will.

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