Ordnung erfordert einen Ordnenden

Scheinbar naive Frage und gesunder Menschenverstand – oder: Wie Peter Blank den Glauben an einen Schöpfergott mit den gesicherten Erkenntnissen der Evolution versöhnt. Von Stefan Rehder
Buchtitel: Alles ganz von selbst? von Peter Blank
Foto: privat | Buch Alles ganz von selbst

Die „Kultur des Todes“ schreitet unaufhörlich fort. Beginnend bei dem noch ungeborenen Kind im Mutterleib bricht sie sich über den künstlich erzeugten und als Forschungsobjekt begehrten Embryo im Reagenzglas Bahn bis hin zum letzten Lebensabschnitt, den der Mensch entweder zunehmend fit, gesund und kostenneutral oder gar nicht mehr erleben soll. Die gedanklichen Vorarbeiten für die die „Kultur des Todes“ auf Schritt und Tritt begleitende Relativierung des Rechts auf Leben basieren auf einem materialistischen Weltbild, das nicht zuletzt auf der Annahme ruht, auch der Mensch sei nicht mehr als ein zufälliges Produkt einer willen- und absichtslosen Evolution.

In seinem im Christiana Verlag erschienenen Buch „Alles ganz von selbst? Naive Fragen zur Evolution“ prüft der studierte Jurist und promovierte Theologe Peter Blank diese Annahme unter Berufung auf den gesunden Menschenverstand auf Herz und Nieren. Auf überaus unterhaltsame Weise weist der katholische Priester nach, dass die These, der Mensch sei Ergebnis einer zufälligen Entwicklung, welche die Materie im Laufe von Jahrtausenden genommen habe, in etwa so viel Geltung beanspruchen kann wie die Behauptung, ein neues Auto habe sich selbst aus seinen Vorgängermodellen entwickelt. Ohne gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Zweifel zu ziehen, zeigt Blank, dass Evolution als Weltanschauung nicht trägt und darüber hinaus auch noch sehr viel mehr „Glauben“ erfordert als jede andere.

Ausgehend von der Alltagserfahrung, dass Ordnung – angefangen bei der in seinem Kleiderschrank – nicht von selbst entsteht, sondern stets auf einen Urheber verweist, dem sie sich verdankt, untersucht Blank zunächst, wie wahrscheinlich es ist, dass sich ein von Absicht geleitetes Unternehmen wie das Schreiben eines Satzes auch zufällig bei jemandem einstellt, der eine solche gar nicht verfolgt. So nimmt in Blanks Versuchsanordnung denn ein dressierter Affe vor einem Computer Platz. Das Ergebnis: Erst nach etwa 1,7 x 1044 Anschlägen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Affe mit Hilfe der Tastatur die Buchstaben des Satzes „Ich hab es getragen sieben Jahr“, genauso anordnet wie dessen Autor Theodor Fontane, als dass er es nicht schafft. Es gibt nur ein Problem: 1044 ist eine Zahl mit 44 Nullen. Derart viele Anschläge könnte der Affe nur zustandebringen, wenn er seit der Entstehung der Erde vor rund fünf Milliarden Jahren die Tastatur mit 1027 Anschlägen/pro Sekunde (!) malträtiert hätte.

Mit anderen Worten: Nicht einmal ein Halbsatz mit sechs Wörtern entsteht rein zufällig. Fasse man nun auch den genetischen Code als sinnvollen Text auf, dann enthalte, so Blank weiter, jede einzelne der rund 60 Billionen Zellen, aus denen ein Mensch besteht, so viele richtig geschriebene Worte, dass sich damit ein Buch von 300 Druckseiten füllen ließe. Wie aber soll der Zufall, der bereits mit sechs Worten hoffnungslos überfordert war, ein solches Buch zustande gebracht haben?

Für Blank gibt es keinen Zweifel: Die letzte „adäquate Ursache“ der Ordnung im Universum und des Menschen kann nur etwas oder besser jemand sein, der selbst des Erkennens und gestaltenden Wollens fähig ist. „Ich habe“, zitiert Blank Tom Stoppard, Autor des Drehbuchs zu „Shakespeare in Love“, „die Vorstellung, dass es einen Gott gibt, immer für lächerlich gehalten. Aber sie ist doch unendlich viel plausibler als die alternative Behauptung, dass grüner Schleim, wenn er nur genügend Zeit hat, irgendwann in der Lage ist, Shakespeares Sonette zu schreiben.“

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