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Mythos Weltraum

Die erste Mondlandung vor 50 Jahren bewegte die Menschheit - was aber tat der Flug ins All mit den Austronauten, die seitdem im Weltraum waren? Was ändert sich in ihrem Leben, ihrer Weltanschauung, ihrer Spiritualität?
Mit Ikonen reiste diese russische Besatzung ins All.
| Technische Kontrolle ist gut, himmlischer Beistand ist besser: Mit Ikonen reiste diese russische Besatzung ins All.

Lange, bevor es möglich war, den Weltraum mit großen Fernrohren zu erforschen, beschäftigten sich die Menschen mit der Frage, was sich außerhalb der Erde befindet. Bereits vor vielen tausend Jahren wurden Sterne als Sternbilder gedeutet, die Stellung der Planeten aufgezeichnet und der Lauf von Sonne und Mond beobachtet. Mythen rankten sich um die Entstehung der Himmelskörper. Doch der Mond erfuhr eine besondere Aufmerksamkeit. Heidnische Propheten dachten ihn als Gottheit, zumeist als weibliche. Artemis im antiken Griechenland, Luna im alten Rom. In der ägyptischen Mythologie ist er männlichen Geschlechts, Thot oder im Neuen Reich Chons, dessen falkenköpfige Gestalt vor einigen Jahren in keinem Deko-Geschäft fehlte, und als Mode-Utensil in modernen Wohnungen den Platz neben Isis-Figuren und Gips-Pyramiden einnahm, wo früher ein Kruzifix oder eine Madonna gestanden hätte.

Anders als in den romanischen Ländern ist im Deutschen der Mond männlich. Vielleicht liegt es am germanischen Mondgott Mani? Dabei sind die Attribuierungen entgegengesetzt. Kosmischer Genderismus sozusagen. Der Mond entspricht dem passiven, weiblichen Prinzip. Die Sonne ist Lebensspender, was sich im Sol invictus äußert, dem römischen Sonnengott. In der christlichen Ikonografie ist Jesus Christus schließlich der Pantokrator, das Licht der Welt, der Erlöser, durch den Gott den Menschen von der Ursünde befreite. Es ist keineswegs bemerkenswert, dass in Zeiten allgegenwärtiger Gottesferne die alten Mondgottheiten wieder angebetet werden, etwa in den chthonischen Kulten, wie dem Wicca-Kult oder in den seit der Renaissance aus dem Sumpf alten Aberglaubens auswuchernden Bünden und Geheimgesellschaften, die sich mit rosenkreuzerischen, gnostischen oder orphischen Metaphern umkleiden. Der finstere Aberglaube reicht sogar bis in die angeblich religionsfreie Wissenschaftswelt hinein.

Okkulte Umtriebe bei den Raketenstarts

Die Entwicklung der Rakete, so der Vater der Mondlandung, Wernher von Braun, ist im Wesentlichen einem Mann zu verdanken, der alles andere als atheistische Ansichten vertrat. Jack Parsons, das böse Genie der Raumfahrt, beschäftigte sich mit schwarzer Magie und leitete die US-Sektion von Aleister Crowley's Sekte „Ordo Templis Orientis“, kurz OTO. Bei jedem Raketenstart vollzog er die „Invokation Pans“, eine rituelle Anrufung, die auf Crowley zurückgeht. Zwar nahmen ihn seine Kollegen nicht ganz ernst, doch Parsons satanistische Umtriebe fanden in Hollywood großen Anklang. Zu seiner okkulten Sekte gehörte übrigens ein Science-Fiction-Autor, der später als Sektengründer weltbekannt werden sollte. Sein Name: L. Ron Hubbard. Parsons kam durch eine obskure Explosion ums Leben. Die Umstände wurden nie ganz geklärt. Er hatte wohl zu viel Hokuspokus betrieben.

Im kalten Krieg entwickelte sich auf dem Weg zum Mond ein Zweikampf zwischen den Systemen. John F. Kennedy gab das Ziel aus, die USA müssten als erste Nation Menschen zum Mond bringen. Kurz zuvor, am 12. April 1961, hatte es die sowjetische Konkurrenz geschafft, den ersten Menschen in die Erdumlaufbahn zu katapultieren: Juri Gagarin. „Ich war im All und habe Gott nicht gefunden“, bemerkte der Kosmonaut lakonisch. Inzwischen gilt als erwiesen, dass ihm dieser Satz zu Propaganda-Zwecken in den Mund gelegt wurde. Schließlich gehörte in der Sowjetunion der Atheismus zur Staatsräson.

Am 24. Dezember 1968 umrundeten erstmals drei US-Astronauten den Mond. Apollo 8 blieb aber auch deshalb in Erinnerung, weil Astronaut Bill Anders aus dem All den biblischen Schöpfungsbericht zitierte: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde… und Gott sah, dass es gut war… Fröhliche Weihnachten und Gott segne euch alle – euch alle auf der guten Erde.“ Daraufhin verlangten Kritiker von der NASA weltanschauliche Neutralität.

Christliches Abendmahl oder Freimaurer-Ritus?

Ob die bei der ersten Mondlandung von Apollo 11 gegeben war? Immerhin wird die steile Legende kolportiert, Buzz Aldrin, zweiter Mensch auf dem Mond, soll im Orbit eine Abendmahlfeier begangen haben. Dabei war Aldrin, wie etliche Astronauten vor ihm, Freimaurer. Im Auftrag des Großmeisters J. Guy Smith der Großloge von Texas deponierte er sogar eine Urkunde für eine erste freimaurerische Jurisdiktion auf dem Mond unter einem Steinhaufen. Vielleicht beging 33°-Maurer Aldrin auch nur jene Agape-Feier aus dem 18°, dem Grad der Rosenkreuzer, die dem Herrenmahl evangelischer Glaubensrichtungen nachempfunden ist?

Was auch immer geschah, Aldrin hatte nach dem Mondflug erhebliche Schwierigkeiten, wieder ins reale Leben zurückzufinden. Er verfiel dem Alkohol und litt unter Depressionen. Auch der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, verlor den Boden unter den Füssen. Er kapselte sich ab und lebte völlig isoliert vor sich hin.

Der sechste Mensch auf dem Mond, Edgar Mitchell, vollzog im All die buddhistische Meditation „Savikalpa Samadhi“, um einen überbewussten Zustand der Ich-Auflösung zu erreichen. In einem Interview mit der kanadischen Yoga-Zeitschrift „Ascent magazine“ sagte Mitchell Jahrzehnte später: „Es war eine subjektive, innere Erfahrung, begleitet von Ekstase – eine transformative Erfahrung.“ Ebenfalls sagte er dem Nachrichtensender CNN, das US-Militär habe seinerzeit alles getan, um die Landung eines UFOs 1947 in Roswell zu verschleiern. Er jedoch sei als besonders vertrauenswürdige Person und zugleich Einheimischer eingeweiht worden.

Da war der achte Mann im Mond schon glaubwürdiger. James Irwin verließ 1972 die NASA und war weltweit als Prediger unterwegs. Auf dem Mond spürte Irwin die Gegenwart Gottes. Sein Credo lautete: „Es ist wichtiger, dass Jesus Christus seinen Fuß auf die Erde setzte, als der Mensch seinen auf den Mond“. Nach seinem Ausscheiden aus der NASA predigte er in mehr als 50 Staaten: „Als ich anfing, Gottes frohe Botschaft weiterzugeben, bekam mein Leben einen neuen Sinn. Heute kann ich sagen: Gott schickte mich zum Mond, damit ich der Erde von Jesus erzählen kann.“

"Stiege ich zum Himmel empor, so bist Du, Gott, zugegen"
Ps 139,8

Auch der Apollo-16-Astronaut Charles Duke legt seit mehr als vier Jahrzehnten Zeugnis für Gott ab. Dabei kommt es ihm nicht darauf an, dass „die Menschen überall auf der Welt jemanden treffen wollen, der auf dem Mond war“. Er sieht seinen Auftrag darin, sie mit Gottes Sohn bekannt zu machen. Denn: „Auf dem Mond bin ich drei Tage lang gegangen – mit Jesus gehe ich für immer.“ Genauso sieht das der bislang letzte Mensch, der den Mond betreten hat: Eugene Cernan wurde durch seine Weltraumerfahrung Christ. Nachdem die Fähre aufgesetzt hatte und das Triebwerk verstummte, habe ihn totale Stille umgeben. „Du schaust zur Erde in all ihrer Herrlichkeit. Sie fällt nicht durch den Raum und sie bewegt sich nicht ziellos, sondern mit Sinn und Logik. Das ist zu schön, als dass es zufällig geschieht. (…) Es gibt einen Gott!“.

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Deutsche Raumfahrer stehen in puncto Glauben nicht zurück. Reinhold Ewald war der neunte Deutsche im All. Fast drei Wochen verbrachte er an Bord der russischen Raumstation MIR. Über seine Weltraumerfahrung sagt er: „Als Physiker bin ich es auch nicht gewohnt, dass groß über Religion diskutiert wird. Aber der Blick zurück zur Erde bringt einen zum Nachdenken. Er lässt einen nicht kalt. Ich musste an die biblische Geschichte denken, wie Gott die Welt schuf. Und im Psalm 139 heißt es: ,Stiege ich zum Himmel empor, so bist Du, Gott, zugegen‘.“

Doch warum eigentlich der Weg ins All? Nach dem Apollo-Hype von 1969 bis 1972 schien für lange Zeit die Raumfahrt nur noch ein Randgebiet der Wissenschaft. Jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. In jüngster Zeit faszinieren aber die geplanten Marsmissionen oder die Landung auf der Rückseite des Mondes. Oder eben auch die Sichtweise eines Helden vor Ort, wie Alexander Gerst. Der deutsche Astronaut sagte im Interview mit dem Magazin GEO: „Seit meiner Kindheit hatte ich diesen Traum, in den Weltraum zu fliegen“.. Die Ausbildung dafür war hart und umfasste Dinge, wie eine Zahnfüllung setzen, Brandschutzübungen oder das Eindämmen giftiger Gase auf einer Raumstation. Doch als härtesten Teil bezeichnet er „innerhalb von drei Monaten Russisch zu lernen“. Läuft doch die Kommunikation beim Flug mit der „Sojus“-Rakete, und zum Teil auf der ISS, in Russisch ab.

Kosmonauten bringen Ikonen in den Weltraum

Apropos Russland. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hat sich in der russischen Raumfahrt einiges verändert. Inzwischen ist eine Tradition des Kosmonauten- und Raketen-Segens entstanden. Mehrere Kosmonauten nahmen Reliquien orthodoxer Heiliger mit zur Raumstation ISS, so wie 2016 Sergei Ryschikow und Andrei Borissenko, eine Reliquie des heiligen Seraphim von Sarow neben einem Evangeliar, sowie Ikonen und einen Stein vom Berg Tabor. Die heiligen Gegenstände wurden nach Ende der Mission in die Verklärung-Christi-Kathedrale in der „Sternenstadt“ Swjosdny Gorodok nahe Moskau überführt, dort befindet sich die Ausbildungsstätte der Kosmonauten.

Wenn vor kurzem der Titel einer Arte-Sendung lautete, „Wer beherrscht den Weltraum?“, klingt das bezeichnend. Vielleicht wäre der Mensch gut damit beraten, erst mal zu versuchen, sich selbst zu beherrschen? Natürlich ranken sich viele Verschwörungstheorien um die Himmelsfahrten von der Erde. Dagegen hilft ein Blick in die Schriften der Weisen. „Wenn ich mich nämlich täusche, dann bin ich“ – schreibt der Heilige Augustinus. Was von allen Höhenflügen bleibt, ist, allen Zweifeln zum Trotz, eine tiefe Demut vor Gottes Schöpfung und Dankbarkeit für die Erlösungstat am Kreuz. Wenn man sich nicht vorher mit dem Geist der Lüfte verbündet hat.

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