Glaube & Sport

Mit der Kirche schwitzen und feiern

Bischöfe, Priester und katholische Laien sollten beim Sport wahrnehmbarer werden.
Tour de France
Foto: dpa | Auch bei der „Tour de France“ sind Kirchen oft im Bild und nah am Geschehen. Lässt sich daraus mehr machen?

Was für Dramen sich da abgespielt haben! Erst die Tour de France der Männer, danach die der Frauen; jeweils mit unterschiedlichen Etappensiegern und jeweils mit einem Wechsel des Gelben Trikots. Und dann das Endspiel der Frauen-Fußball EM mit deutscher Beteiligung, das erst in der Nachspielzeit entschieden wurde. Wahrscheinlich sind diese sportlichen Großveranstaltungen den meisten in den Medien begegnet – entweder als Kurznachrichten oder als bewusst gewähltes, mitunter stundenlanges Fernsehprogramm.

Sport hat jedoch nicht nur seinen öffentlichkeitswirksamen Wert als Unterhaltungsprogramm, sondern für viele auch seinen Nutzen in der praktischen sportlichen Betätigung. „Es lebe der Sport.“ Dieser Liedtitel dürfte den meisten vertraut sein. Und in der Tat, die positive Wirkung des Sports ist vielfach belegt und aktive sportliche Betätigung wird vielfach gefördert (Sport nach Krebs, Laufen gegen Depressionen).

„Es geht darum, auch im kirchlichen Kontext
die Lebenskompetenzen der (jungen) Teilnehmenden zu stärken,
Gemeinschaftserlebnisse zu ermöglichen
und die katholische Kirche auch sportlich öffentlich in Erscheinung treten zu lassen“

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Auch die katholische Kirche ist im Sportgeschehen präsent, zum Beispiel durch den katholischen DJK Sportverband, durch Sportseelsorge. Der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, gilt als passionierter Jogger. Toll, weiter so! Die Überlegungen an dieser Stelle sollen als Appell dienen, diesen Bereich zu unterstützen, das heißt, dass die katholische Kirche durch den Sport wahrnehmbarer wird, junge Leute anspricht, dass mit der Kirche geschwitzt und gefeiert werden kann! Wie oben bereits angedeutet, kann sportliche Betätigung mit einer positiven Wirkung für den Sporttreibenden einhergehen, auch im Sinne eines gesundes Stress-Managements. Das Thema Work-out nach Feierabend lässt grüßen. Das gilt natürlich genauso für sportlich Aktive, die bereits zur Kirche gehören.

Es geht darum, den eigenen Alltag im Sinne eines bio-psycho-sozial-spirituellen Seins ganzheitlich zu leben. Für gläubige Menschen heißt dies, dass der Sport nicht als Ersatz für die eigene Spiritualität dienen oder in Konkurrenz zu ihr stehen soll. Genauso wenig wie eine Konkurrenz zwischen Kirchen und Kathedralen und Fitnessstudios entstehen soll. Es geht vielmehr um eine Ergänzung, das heißt, dass der/die Einzelne Sport als Ressource für eine aktive Alltagsbewältigung nutzen kann. Diese Ressource dürfte nicht für jeden gleich attraktiv sein, andere haben da beispielsweise eher eine musikalische Begabung und nutzen das Instrumentenspiel oder auch den Chorgesang zur Freizeitgestaltung, Stressreduktion, Möglichkeit zur sozialen Vernetzung sowie zur Unterhaltung Dritter.

Möglichkeit, junge Menschen anzusprechen

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Gerade weil musikalische Veranstaltungen öffentlichkeitsrelevant sind, wäre die Frage, warum nicht mehr sportliche Veranstaltungen unter der Schirmherrschaft der Kirche – da wahrscheinlich weniger unter dem Dach kirchlicher Gebäude – stattfinden können. Sport dürfte durchaus Zielgruppen-relevant sein, wenn junge Leute angesprochen werden sollen. Warum, neben den bekannten und anerkannten Veranstaltungsformaten wie Sponsoren- oder Spendenläufe, nicht einmal etwas ganz Neues starten, eine CSC beispielsweise, also eine Catholic Sport Challenge?

Es könnte dementsprechend ein katholischer Veranstaltungstag mit sportlichen Herausforderungen kreiert werden, der zwischen „Jonglieren für Anfänger“ und „Wir trainieren für Olympia“ liegt (Klettern, ein Parcours mit mehreren Stationen, etwa ein Hochseilgarten). Vielleicht könnten katholische Sportler als Zugpferde für das Event eingeplant werden. Es geht darum, auch im kirchlichen Kontext die Lebenskompetenzen der (jungen) Teilnehmenden zu stärken, Gemeinschaftserlebnisse zu ermöglichen und die katholische Kirche auch sportlich öffentlich in Erscheinung treten zu lassen.

Neben der Verkündigung gibt es weitere Tätigkeitsfelder

Vielleicht könnten auch Hauptamtliche der katholischen Kirche bei einem Sportevent als Mannschaft antreten, mit einem kreativ-inspirierenden Logo auf den Wettkampf-Shirts. Davon könnten durchaus positive Impulse für das allgemeine Kirchenvolk ausgehen. Oder eine Mannschaft aus Mitarbeitern der katholischen Kirche und evangelischen Kirchenmitgliedern?

Die Kirche hat als Alleinstellungsmerkmal sicherlich die Verkündigung des christlichen Glaubens. Als gesellschaftlich relevanter Akteur engagiert sie sich in verschiedenen Bereichen von der Caritas über die Bildung bis zur Kultur und auch im sportlichen Bereich. Vielleicht kann dort die eine oder andere Etappe noch hinzukommen. Wann und in welcher Kirchengemeinde fällt dazu der Startschuss?

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