Medienmenschen: Die katholische Brille abnehmen

Ingo Brüggenjürgen, Theologe , Publizist und Chefredakteur des Multimediasenders DOMRADIO.DE (Köln)
Foto: domradio | Der Theologe und Publizist Ingo Brüggenjürgen ist seit 2000 Chefredakteur des Multimediasenders DOMRADIO.DE (Köln).

Herr Brüggenjürgen, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Die technischen Bedingungen der journalistischen Arbeit haben sich in den 25 Jahren meines Berufslebens grundlegend geändert. Doch damals wie heute stehen Journalisten vor der Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wo Klarheit und Wahrheit auf der Strecke bleiben, hat der Journalismus schon verloren.

Welche Folgen hat aus Ihrer Sicht die gewachsene Bedeutung des Islam für die Medien?

Diese Frage darf nicht auf eine einzige Religion reduziert werden. Alleine in Köln gibt es derzeit über 120 verschiedene Glaubensgemeinschaften. Dazu kommt eine immer größer werdende Gruppe von Menschen, die mit Gott und Kirche überhaupt nichts mehr anfangen kann. Es ist also für uns als christliche Medienmacher unbedingt notwendig, die katholische Brille abzunehmen, die uns bisweilen blind macht für die realen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Worüber berichten die Medien in Deutschland zu wenig?

Über all die Menschen, die überall auf der Welt Tag für Tag unendliches Leid durch Krieg, Korruption und Vertreibung erleben. Über die verfolgten Christen weltweit – und über die weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen der wirklich Mächtigen und die damit verbundenen globalen Unrechtsstrukturen.

Woher rührt das gespannte Verhältnis zwischen Medien und Kirche und wie lässt es sich verbessern?

Ich habe Katholische Theologie und parallel Medienwissenschaften studiert. Es gab und gibt bis heute einen tiefen Graben. Ich denke das hängt auch damit zusammen, dass Theologen genauso wie Journalisten ein großes Sendungsbewusstsein haben und beide Gruppen die Welt ein wenig besser machen wollen. Ein offener und ehrlicher Dialog ist auch hier die beste Medizin.

Streaming statt Fernsehen, Online statt Print: Welche Rolle werden „klassische“ Medien wie TV, Radio oder Zeitungen in Zukunft spielen?

Zukünftig wird der lineare Medienkonsum nur noch bei wichtigen Live-Events funktionieren. Gute gemachte Zeitungen werden aber weiter ihre Leser finden. Denn unser Medienkonsum mag sich ändern – was bleibt ist das Bedürfnis des Menschen nach Information, Bildung und Unterhaltung. Und gerade das Radio ist und bleibt da mein Favorit.

Sind Sie selbst ein gläubiger Mensch. Welche Rolle spielt Ihr Glaube für Ihre journalistische Arbeit?

Ich bin weder Papst noch SPD-Vorsitzender, ich habe also wirklich den schönsten Beruf der Welt! Mein Glaube trägt mich, unser lebendiger Gott ist mir ein guter Wegbereiter und Begleiter und ich darf mithelfen, die Frohe Botschaft journalistisch professionell zu verbreiten. Dem Himmel sei Dank!

 
Weitere Artikel
Schlechtes Zeugnis für die Bildung. Neue Erhebung "IQB- Bildungstrend" zeigt ein dramatisches Ergebnis für Schüler am Ende der Primarstufe. Vielen fehlen grundlegende Kompetenzen.
11.07.2022, 17  Uhr
Cornelia Huber
Themen & Autoren
Katholische Theologie Katholizismus Medienwissenschaften Religiöse Gemeinschaften

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Kirchenlehrer Franz von Sales (1567–1622) war Bischof von Genf und reformierte die Kirche, indem er die Menschen zum Gebet hinführte und geistliche Schriften verfasste.
01.10.2022, 19 Uhr
Uwe Michael Lang C.O.
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung