Neue Medien

Wie Spotify Musik neu erfand

Am Anfang war die Umsetzung der Idee nicht unbedingt völlig legal. Das hatte sich allerdings schnell geregelt, als alle Seiten die immensen Vorteile der mobilen Verfügbarkeit von Musik gegen Bezahlung erkannten.
spotify
Foto: Daniel Bockwoldt (dpa) | Faszinierende Möglichkeiten: Digitale Technik und Internet haben auch die Musik revolutionär umgekrempelt. Hohen Datenvolumen zu günstigen Pauschalpreisen und Smartphones machen die Lieblingsmusik überall verfügbar ...

Der MP3-Player war die erste Revolution. Plötzlich hatte man stundenlang Musik in der Tasche. Der größere Teil des Inhalts auf diesen Geräten war vermutlich illegal, was für die Künstler ein Ärgernis sein musste. Das Format MP3 war im Grunde ein Killerformat für die Kunst. Langfristig hieß es für die Musik, es muss wieder legal werden oder die Musik muss sterben. Erste Streamingportale im Internet waren oft genug auch nur einigermaßen legal.

„Der Erfolg von Spotify war die Kombination aus breitem Angebot,
günstigen Preisen und Durchleitungsabkommen mit vielen Netzbetreibern“

Was fehlte, war ein geeignetes Modell der Bezahlung, das sowohl für das Portal als auch die Musikindustrie und die Musiker wirtschaftlich sein konnte. Spotify hat genau diesen Dreh gefunden. Mit 345 Millionen aktiven Nutzern weltweit pro Monat kommt die Betreiberfirma aus London auf einen Umsatz von fast 7,9 Milliarden Euro. Spotify hatte sich im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres einen Marktanteil von 32 Prozent unter den zahlenden Musikstreaming-Abonnenten weltweit sichern können. Damit war der britische Streamingdienst Marktführer.

Der Mitbewerber Apple Music folgt mit einem Marktanteil von 18 Prozent. Das Bezahlproblem war eine Seite der Medaille. Damit es ein Spotify geben kann, brauchte es noch zweierlei: Ein schnelles mobiles Internet und die kostengünstige oder gar kostenneutrale Durchleitung der Musik durch die Netze. Wir haben nach Überwindung vieler Hindernisse beides. Damit wird ein Geschäftsmodell wie Spotify interessant. Spotify hatte Vorgänger wie Deezer, die diesen Sprung nie geschafft haben. Der Erfolg von Spotify war die Kombination aus breitem Angebot, günstigen Preisen und Durchleitungsabkommen mit vielen Netzbetreibern. Die Option „Stream on“ der Telekom oder der „Vodafone Pass“ machten es möglich, Musik des Dienstes zu hören, ohne dass diese auf das Datenvolumen angerechnet wird.

Klassik kommt ein wenig zu kurz

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Damit die Dienste und die damit verbundenen Geschäftsmodelle funktionieren, musste allerdings der Europäische Gerichtshof erst noch die Netzneutralität anmahnen. Das EU-Recht verlangt, dass eine unterschiedliche Behandlung von Daten im Netz grundsätzlich nicht auf kommerziellen Erwägungen beruhen darf. Unterscheidungskriterien dürfen allein aufgrund von objektiven technischen Unterschieden zwischen bestimmten Datenverkehrskategorien bestehen. Andere Streamingdienste bekamen die gleichen Zugangsmöglichkeiten wie Spotify.

Längst war Spotify um andere Features erweitert. Hörbücher und Podcasts ergänzen das Angebot von Spotify. Die Musik spricht jedes Alter an. Schlager der 50er stehen ganz selbstverständlich neben Olivia Rodrigo, Josefine Baker verträgt sich bestens mit Glenn Miller und Phil Collins. Auch Klassik ist vertreten. Dabei beschränkt sich der Streamingdienst nicht auf die Komponisten, die jeder kennt. Für wirkliche Klassikfreunde ist das Angebot allerdings zu dünn. Der Dienst muss auf Masse statt auf Klasse setzen.

Streamingabrufzahlen sind inzwischen wichtiger als Preise

Dabei geht die Macht der Streamingdienste inzwischen so weit, dass deren Bestenlisten den klassischen Musikawards wie dem Grammy den Rang ablaufen. Erst jüngst veröffentlichte Spotify seine Zahlen. Den besten Song und den beliebtesten Künstler bestimmen die Hörer, nicht eine Jury. Für die Künstler ist ein Rang bei Spotify inzwischen wichtiger als ein renommierter Grammy. Weltweite Nummer eins war Olivia Rodrigo mit Drivers License, die mit Good 4 U auch noch Platz vier belegte.

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