Rom/Italien

Singende Pilger

Die Krippe inmitten der Stadt und ihre Rückkehr am 28. November 1850.
Papst Pius IX.
Foto: IN | Papst Pius IX. betet gegenüber dem kostbaren Reliquiar, das Reliquien der Krippe Jesu enthält.

Mitten im Getümmel und Getöse Roms schlummern seit dem 7. Jahrhundert auf unverwechselbar friedliche Art und Weise wie ein schlafendes Kind die Reliquien der Krippe Jesu. Nach Rom kamen diese schlummernden Schätze in wie heute unruhigen Zeiten, unter dem Pontifikat von Papst Theodor I. (642–649), als Geschenk des Patriarchen von Jerusalem an den Papst.

Der Vorgängerbau der heutigen Kirche Santa Maria Maggiore, die Basilika Sancta Maria ad Praesepem, wurde deshalb umgangssprachlich lange Zeit auch das Bethlehem Roms genannt. Die Kirche ist aufgrund der kostbaren Reliquie eine der vier Papstbasiliken und eine der sieben Pilgerkirchen Roms.

Kostbares Reliquiar aus Gold und Silber

Das imposante Reliquiar aus Gold und Silber, das die kostbaren Reliquien der Krippe Jesu enthält, befindet sich gegenüber einer Statue von Papst Pius IX., der vor den Reliquien betet. Vor den Krippenreliquien zelebrierten auch andere frühere Päpste die Weihnachtsmesse. Pius IX., der die Weihnachtsmesse in den Jahren 1846, 1847 und 1850 bis 1853 vor dem Reliquiar mit den Krippenreliquien zelebrierte, folgte damit lediglich dem Beispiel seiner Vorgänger, insbesondere des großen Marienverehrers Papst Benedikt XIV.

Aber auch der Vorgängerbau von Santa Maria Maggiore, die nach Papst Liberius (352–366) benannte Basilica Liberiana, hatte bereits eine Krippenkapelle. Papst Liberius war es auch, der im Jahr 354 den Tag zur Feier der Geburt Jesu Christi auf den 25. Dezember festlegte.

Im 16. Jahrhundert hat Sixtus V. (1585–1590), noch als Kardinal Felice Peretti, für die in der Basilika seit vielen Jahrhunderten verehrten Krippenreliquien die Cappella Sistina am rechten Seitenschiff der Basilika gestiftet und im dritten Jahr seines Pontifikats den Bau der „allerheiligsten Krippe unseres Herrn Jesus Christus“ geweiht.

Lesen Sie auch:

Die Weihnachtsmesse des Jahres 1850 vor dem Reliquiar war dabei besonders ergreifend, denn nach den Wirren der Römischen Republik hatte Papst Pius IX. am 28. November 1850 die während der Jahre 1847/1849 in Sicherheit gebrachten Reliquien wieder zurück in die Päpstliche Basilika bringen und versiegeln lassen. Das war nur zwei Jahre und vier Tage, nachdem der Papst, nach der Ermordung seines Ministerpräsidenten Pellegrino Rossi am 15. November 1848, am 24. November 1848 schließlich mit der Kurie nach Gaeta an der Küste Neapels fliehen musste.

Seit der Rückkehr von Pius IX. nach Rom im Frühling 1850 ist nicht mehr der Qurininalspalast, sondern der Vatikan Sitz des Heiligen Stuhls und Heimat der Päpste. Seither empfand sich Pius IX. als Gefangener des Vatikan im Vatikan und lehnte die Republik Italien ab. Was mag er für die Zukunft der Kirche und die Zukunft Europas vor den Reliquien der Krippe Jesu Christi gebetet haben?

Weihnachtslieder auch im Hochsommer

Das ganze Jahr über, so der Erzbischof Stanislaw Kardinal Rylko, werden vor dem Reliquiar von Pilgern Weihnachtslieder angestimmt, wird selbst im Hochsommer das Wunder der Geburt Jesu Christi bestaunt. So üben die Reliquien der heiligen Krippe auch im 21. Jahrhundert, siebzehn Jahrhunderte nach ihrer Reise von Jerusalem nach Rom, eine ungebrochene magische Anziehungskraft auf die Besucher der Kirche „Groß Marien“ aus. Eine Reise nach Rom sind sie allemal wert. Und passen als „Krippe inmitten der Stadt“ gut in unsere Zeit und zu den Nöten und Hoffnungen der Menschen.

Basilica Santa Maria Maggiore
Piazza di S. Maria Maggiore, Rom.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Was hat eine Telefonsäule mitten auf einem Friedhof zu suchen? Und warum steht eine Konservendose Bohnen an einem Grab? Ein Bummel über Roms größtem Friedhof löst so manches Rätsel .
13.08.2021, 17  Uhr
Natalie Nordio
Erneut geht es um eine Frau und einen Mann, die sich im irdischen Glauben und weit darüber hinausgehende Phänomene rund um Glauben und Kirche treffen: Die Seherin Anna Katharina Emmerick und ...
12.12.2021, 11  Uhr
Uwe Wolff
Themen & Autoren
Marie-Thérèse Knöbl Benedikt XIV. Erzbischöfe Jesus Christus Kardinäle Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Pilger Pius IX. Päpste Reliquien Römische Republik (509 - 28 v.Ch.) Theodor I. Weihnachtsmessen

Kirche

Sebastian Kneipp war Pionier der ganzheitlichen Medizin. Sein Leben als Priester und Heiler.
19.01.2022, 11 Uhr
Barbara Wenz