Die in China inhaftierte „Bürgerjournalistin“ Zhang Zhan wurde in Leipzig in Abwesenheit vor internationalem Publikum mit dem neuen Liu-Xiaobo-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Der nach dem am 13.Juli 2017 in Haft verstorbenen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo benannte Preis ist mit 10.000 US-Dollar dotiert. Ausgezeichnet wurde ebenfalls der evangelische Pfarrer Roland Kühne. Der Preis wurde von den gmeinnützigen Organisationen „Sino Euro Voices“ (Köln) und „China Studies“ (London) vergeben.
Zhang Zhan ist seit 2015 bekennende evangelische Christin. Wie Huang Hua von der chinesischen Exil-Partei „China Democracy Party“ in seiner Laudatio erklärte, werde ihr der Menschenrechtspreis in Anerkennung ihres außergewöhnlichen Mutes verliehen, den sie mit ihrer „konsequenten Dokumentation öffentlicher Ereignisse“ bewiesen habe. Gewürdigt würden damit auch ihr „beharrliches Eintreten für friedliche Meinungsäußerung“ und die „immensen persönlichen Opfer, die sie dafür gebracht“ habe.
„Zhang Zhan hat sich konsequent auf die Notlage einfacher Menschen konzentriert, gesellschaftliche Realitäten dokumentiert, sich um schutzbedürftige Gruppen gekümmert und sich dafür eingesetzt, dass mehr Stimmen Gehör finden. Trotz langjähriger Haft, körperlicher und seelischer Qualen sowie unerbittlichen Drucks hat sie ihre Überzeugungen nie aufgegeben“, erklärte Huang Hua. Sie habe „öffentliche Verantwortung“ auf Kosten ihrer persönlichen Freiheit übernommen und unerschütterlichen moralischen Mut bewiesen.
Zwei Monate Untersuchungshaft
Die am 2. September 1983 geborene Zhang Zhan ist Absolventin der „Southwestern University of Finance and Economics“ in Chengdu und ehemalige Rechtsanwältin. Schon während der Proteste in Hongkong im Jahr 2019 gegen das geplante Auslieferungsgesetz hatte sie Bildmaterial verbreitet und Artikel veröffentlicht, mit denen sie die Demokratiebewegung unterstützte, sagte Huang Hua. Daraufhin kam sie in Shanghai zwei Monate in Untersuchungshaft.
Bereits in der Anfangsphase des COVID-19-Ausbruchs im Jahr 2020 reiste Zhang Zhan nach Wuhan, wo die Epidemie begann, um die sozialen Verhältnisse während des Lockdowns zu dokumentieren. „Sie veröffentlichte Online-Berichte über überfüllte Krankenhäuser, abgewiesene Patienten, Tag und Nacht aus Krematorien aufsteigenden Rauch, sich der Verantwortung entziehende Behörden, zum Schweigen gebrachte oder zensierte Medien sowie hilflose Bürger inmitten des Lockdowns“, sagte Huang Hua. Insgesamt habe sie 122 Kurzvideos mit Szenen aus Wuhan produziert. Bald sei sie festgenommen und in ihre Heimatstadt Shanghai zurückgeschickt worden.
Dort wurde sie im Mai 2020 von einem Gericht zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Sie begann einen Hungerstreik. Wie die in Los Angeles erscheinende „Christianity Daily“ damals berichtete, hatten die Gefängnisbehörden ihr deshalb gewaltsam eine Sonde durch Nase und Mund eingeführt und sie zwangsernährt. Außerdem hätten sie ihre Hände an der Taille gefesselt, um sie daran zu hindern, die Sonde herauszuziehen. Ihr Anwalt Ren Quanniu habe sie als so abgemagert beschrieben, dass sie „nur noch Haut und Knochen“ gewesen und kaum noch wiederzuerkennen gewesen sei. Sie habe zu ihm gesagt: „Ich glaube an Christus und bete oft zu Gott, dass er den Bösen vergibt. Ich bete, dass er diejenigen rettet, die Schmerzen und Leid ertragen.“ Wie ihre Mutter berichtete, habe sie bei einer Körpergröße von 1,77 Meter nur noch 40 Kilogramm gewogen.
Zhang Zhans Gesundheit ist sehr gefährdet
Doch auch nach Verbüßung ihrer Strafe im Jahr 2024 engagierte sie sich weiter öffentlich und bekundete ihre Solidarität mit anderen Menschenrechtsaktivisten. Im September 2025 wurde sie erneut verhaftet. Ein Gericht in Shanghai verurteilte sie wegen „Aufwiegelung zu Streit und Schürung von Unruhe“ - eine häufige Anklage gegen Kritiker der kommunistischen Partei - zu wieder vier Jahren Haft, bis etwa 2028/2029. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die neuen Anklagepunkte sollen auf Kommentaren Zhangs auf ausländischen Webseiten beruht haben, schrieb die „Japan Times“.
Zhang ist im Frauengefängnis in Shanghai inhaftiert, ihr Gesundheitszustand hat sich stark verschlechtert. Berichten zufolge hat sie schwere Magenprobleme und erheblich an Gewicht verloren. Unter anderen haben die USA, Deutschland und die EU haben die Freilassung von Zhang Zhan gefordert. Zuletzt hatte im Dezember 2025 am Tag der Menschenrechte die ständige EU-Vertretung in China offiziell die unverzügliche und bedingungslose Freilassung mehrerer politischer Gefangener gefordert, darunter Zhang Zhan.
Der Autor ist Journalist und Experte für Menschenrechtsfragen. Bei der Veranstaltung in Leipzig hat er auch einen Vortrag gehalten.
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