Berlin

Mit Nudelsuppe und Bibel den Glauben verkünden

Für einige Medien und für Aktivisten aus der Lesben- und Schwulenszene verbreitete eine 72jährige Wirtin aus Korea in ihrem Lokal "Schwulenhetze". Sie hat handschriftlich Bibelzitate auf Laken geschrieben und damit Wände und Schaufenster des Lokals geschmückt. Jetzt sprach ein Gericht sie von den Vorwürfen frei.
Wirtin will Schwule mit Bibelvers bekehren
Foto: Christian Lohse / B.Z. | Die Imbissbesitzerin Young-Ai Park zwingt niemandem ein Glaubensgespräch auf. Bekehren sollen eher die Bibelverse, die die Wände zieren.

Seit Monaten steht eine Imbissstube aus Berlin-Schöneberg im Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit. Das kleine Lokal in der Pallasstraße 21 trägt einen außergewöhnlichen Namen: „Ixthys“, das griechische Wort für „Fisch“ als Akronym für Christus. Die Wände des gegenüber der katholischen Kirche St. Matthias liegenden Lokals sind mit weißen Stofftüchern verhängt, auf denen in schwarzer und roter Handschrift Bibelverse stehen. Die „Causa Ixthys“ verdeutlicht insbesondere auch, wie leicht dieselben Medien zu gegensätzlichen (Vor-)Urteilen gelangen können.

Gefeiert - doch dann einen missliebigen Glauben

Über das einzigartige Lokal, in dem die in den 1970er Jahren aus Südkorea eingewanderte, 72-jährige Young-Ai Park nahrhafte Hausmannskost aus ihrer alten Heimat anbietet, hatte der „Tagesspiegel“ („Missionieren mit Nudelsuppe“) bereits im Dezember 2017 denn auch berichtet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Anderswo mag das eine Floskel sein, hier ist es ernst gemeintes Programm“, aber Young-Ai Park zwinge keinem Gast ein Gespräch über den Glauben auf. Bekehren sollten ihn eher die Bibelzitate. Ebenso wohlwollend distanziert schrieb „Die Zeit“ im August 2019 über „Ixthys“, dem der Autor „Kultstatus unter den jungen, internationalen Leuten in Berlin“ bescheinigte.

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Die „Ixthys“ gewogene Berichterstattung erfuhr allerdings eine vollständige Wendung, als Ende Juni 2020 der „Tagesspiegel“ einen „homophoben Bibelvers im Schaufenster“ von „Ixthys“ entdeckt zu haben meinte, ein Zitat aus Levitikus 18, 22–29: „Und einem Mann sollst Du nicht beiliegen, wie man einem Weib beiliegt; Gräuel ist dies (…) Jeder, der einen von allen diesen Gräueln tut – die Personen, die sie tut, sollen ausgetilgt werden aus der Mitte ihres Volkes“. Beim Lesben- und Schwulenverband Berlin seien deshalb schon mehrere Beschwerden eingegangen. Die Entrüstung teilte das Boulevardblatt „B.Z.“: „Die Schande von Schöneberg! Wirtin will Schwule mit Bibelvers bekehren.“ Bereits die Bildunterschrift verriet die Tendenz des Artikels: „Park Young-Ai (71) ist in Korea sehr konservativ aufgewachsen.“

Gegen die mediale Vorverurteilung wandte sich etwa die Evangelische Allianz in Deutschland, die das Vorgehen als „Stimmungsmache“ bezeichnete, und einen Bericht der Nachrichtenagentur idea abdruckte: „Medien und Homosexuelle in Berlin machen Stimmung gegen eine christliche Wirtin“. Im September erreichte die Causa „Ixthys“ einen neuen Höhepunkt, als die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleitete und das Lokal durchsuchen ließ. Die Internetplattform „queer.de“ berichtete mit Genugtuung: „Keine Toleranz für Homofeindlichkeit im Berliner Regenbogenkiez“ (Schöneberg gilt als LGTBQ-Hochburg). Die Wirtin wird darin als „Fundi-Christin“ apostrophiert.

„Queeriban gegen Religionsfreiheit“

Doch das blieb nicht unwidersprochen. David Berger schrieb in seinem Blog „philosophia-perennis.com“: „Seit etwa 6 Jahren besuchen mein Partner und ich dieses Restaurant regelmäßig. Wir sind daher der Besitzerin auch als homosexuelles Paar bekannt. Nie, nicht einmal mit einer leichten Geste oder einem Verändern der Gesichtszüge hat sie irgendeine Abneigung gegen uns erkennen lassen, die auf Homophobie schließen lassen könnte.“ Für Berger ist dies ein Fall von „Atheisten und Queeriban gegen die Religionsfreiheit“. Auch im Ausland wurde berichtet: Die britische Online-Plattform „The conservative woman“ schrieb unter der Überschrift „Das neueste Verbrechen in Deutschland: Die Bibel zitieren“: Wer gegen den Mainstream Widerstand leiste, mache sich des Gedankenverbrechens gegen den intellektuellen Totalitarismus schuldig.

„Wenn die Bibel in Deutschland gelesen werden darf,
darf sie auch zitiert werden.“

Die niederländische „The Post online“ erinnerte die Hausdurchsuchung an vergangene Zeiten: „Gestapo dringt wegen illegaler Bibeltexte in Räumlichkeiten ein.“ Sogar die ungarische Internetzeitung „mandiner“ (Mediaworks Hungary Zrt.) berichtete von dem Vorfall. Der Kommentar der Verfasserin Francesca Rivafinoli: „Dies ist keine fiktive Dystopie – im September 2020 ist dies in Europas führendem Land leider Realität.“ Im November stellte das Landgericht Berlin jedoch fest, dass die Durchsuchung rechtswidrig war, da es an dem dafür notwendigen Anfangsverdacht einer Volksverhetzung gefehlt habe, so zitiert katholisch.de das Gerichtsurteil. Das Gericht folgte offenbar der Auffassung des Anwalts von Young-Ai Park: „Wenn die Bibel in Deutschland gelesen werden darf, darf sie auch zitiert werden.“

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Alles also nur ein sprichwörtlicher Sturm im Wasserglas? Nicht ganz. Zwar stellt Felix Böllmann von der Rechtsanwaltsorganisation ADF International als Reaktion auf das Urteil fest: „In einer freien Gesellschaft sollte jeder die Möglichkeit haben, seine Überzeugungen zu teilen, ohne Angst vor strafrechtlichen Ermittlungen oder Zensur haben zu müssen.“ Kommentare etwa auf der Seite „queer.de“ – Religionsfreiheit stehe nicht über der Menschenwürde, die durch ein solches Zitat angeblich verletzt sein soll, „wir brauchen dringend eine Überarbeitung (des Grundgesetzes) zum Schutz der Rechte von queeren Menschen in Bezug auf Religion“ – zeigen jedoch auf, dass das Urteil nur einen kleinen Rückschlag für jene darstellt, die Religionsfreiheit und insbesondere den christlichen Glauben aus der Öffentlichkeit verbannen wollen.

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