Würzburg

Medien-ABC: Y wie YouTube

Das Videoportal für alle: Für den Umgang mit YouTube braucht es die Tugend der kritischen Differenzierung.
Auf YouTube gibt es wirklich alles
Foto: Adobe Stock | Von Glaubenskatechese bis Gewaltvideo: Auf YouTube gibt es wirklich alles, und das nur einen Klick entfernt. Gerade deshalb braucht es die Fähigkeit zum kritischen Differenzieren.

YouTube ist ein 2005 begründetes Videoportal für alle, wirklich: alle. Wikipedia schreibt dazu: „Auf YouTube gibt es alle Arten von Videos, u. a. Film- und Fernsehausschnitte, Musikvideos, Trailer sowie selbstgedrehte Filme und Slideshows. Somit befindet sich neben professioneller Information oder Unterhaltung auch allerlei technisch Unausgereiftes, dazu Lustiges und Trauriges, Tutorials und Desinformation, Propaganda, Verschwörungstheorien oder auch philosophische Gedanken neben der Inszenierung virtueller Gewalt, aber auch der Dokumentierung realer Gewalt auf der Plattform.“ Also: alles.

Es ist denn auch eine unerlässliche Tugend im Umgang mit YouTube, was generell zur vernünftigen Nutzung elektronischer Medien gehört: kritische Differenzierung. Wenn so unterschiedliche Inhalte nur einen Klick Abstand halten, ist der Benutzer in seinem Urteilsvermögen gefordert. Freiheitliche Systeme trauen den Menschen zu, die Unterscheidung der Video-Geister eigenständig zu leisten, autoritäre Regime setzen dagegen eher auf staatliche Kontrolle und blockieren YouTube: Die Türkei sperrt immer mal wieder den Zugang, wenn Videos erscheinen, die sich aus der Perspektive der Regierung gegen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk oder Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan richten. In China ist YouTube seit zwölf Jahren grundsätzlich nicht mehr zugänglich.

Empfehlenswert: Christliche „Vlogger“ auf YouTube

Zu den empfehlenswerten YouTube-Kanälen gehören sicher die Angebote christlicher „Vlogger“ wie Pater Johannes Maria Schwarz oder Pastor Gunnar Engel (vgl. Artikel „V wie Vlog“). Zu den höchst bedenklichen Erscheinungen auf YouTube gehören die Clips sogenannter „Mini-Tuber“, minderjährige Influencer, die auf YouTube Kurzfilme einstellen (lassen), die sie beim Spielen, Basteln, Schminken, Lesen und Feiern zeigen. Gefördert von den Eltern und gesponsert von den Herstellern und Händlern der

dabei eingesetzten Produkte entsteht so eine neue Form von Werbung, die als authentisch und daher besonders wirksam gilt.

Ein großes YouTube-Problem ist das Urheberrecht beziehungsweise dessen Verletzung durch nicht-autorisiertes Hochladen von geschütztem Material. Seitdem YouTube online ist, gibt es daher rechtliche Auseinandersetzungen. Ein Sparingspartner des US-amerikanischen Portals ist die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA. Mancher Musik-Freund erhält statt des gewünschten Songs den Hinweis: „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es Musik enthalten könnte, über deren Verwendung wir uns mit der GEMA bisher nicht einigen konnten.“

Ein besonders schwerwiegendes Problem des einfachen Zugangs zu YouTube ist der Umstand, dass Videos mit gewaltsamem, rassistischem oder hetzerischem Inhalt ohne großen Aufwand hochgeladen werden können. Das ist zwar nach den Nutzungsbedingungen von YouTube nicht erlaubt (und in einigen Fällen wohl auch gesetzlich verboten, weil es den Rahmen der Meinungs- beziehungsweise Kunstfreiheit sprengt), wird aber – nach entsprechender Meldung – vom Portal nur unzureichend geahndet: Das betreffende Video wird oft nicht gelöscht, sondern lediglich ausschließlich für registrierte Nutzer zugänglich gemacht. Da jedoch bei einer Registrierung keine Altersverifizierung durchgeführt wird, stößt YouTube mit dieser halbherzigen Sanktionspraxis vor allem bei Jugendschützern auf Kritik. Handelt es sich um ein Video, das die Anwendung von Gewalt durch Terroristen zeigt, wird die Trägheit des Portals rasch zu einem allgemeinen gesellschaftlichen Problem: Während das Video des Attentäters von Christchurch etwa im Facebook binnen kürzester Zeit verschwunden war, wurde es auf YouTube noch stundenlang geteilt – und geschaut.

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