Colombo

"Gott braucht kein Trinkgeld"

Als Gastarbeiter im muslimischen Oman fand Millan De Silva zu einem vitalen Glauben, zu Reichtum und zu seiner missionarischen Berufung.
Tagespost-Autor Stephan Baier im Studio von "Verbum TV" in Colombo.
Foto: Fr. Chrysantha Fernando | Tagespost-Autor Stephan Baier im Studio von „Verbum TV“ in Colombo.

Ein Fernsehsender als Frucht einer Bekehrung? Ein Unternehmer als Missionar? Beides ist so plausibel wie die Glaubenswende eines ehemaligen Priesteramtskandidaten im muslimischen Oman: die Lebens- und Berufungsgeschichte von Millan De Silva aus Sri Lanka. „Ich benutze nur das Geld aus den Geschäften, die Gott mir gegeben hat!“, lacht der Unternehmer und lässt seine erhebliche Körpermasse in einen riesigen Sessel plumpsen. Mit der Gründung und Finanzierung von „Verbum TV“, dem einzigen katholischen Fernsehsender Sri Lankas, will er etwas von dem Reichtum zurückgeben, den er Gott zu verdanken glaubt.

Wenn wir etwas brauchen, gehen wir zum hl. Antonius

Der Wohlstand war Millan De Silva nicht in die Wiege gelegt. „Ich ging in meinem Leben durch viel Elend und Bedrängnis“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Sozialisiert in der katholischen Minderheit seiner buddhistisch dominierten Heimat trat er als junger Mann ins Priesterseminar ein: „Ich stand mit der Glocke auf, studierte und betete nach der Glocke, schlief nach der Glocke“, erinnert er sich. Innerlich passierte nicht viel. Nach einem Jahr verließ er das Seminar. Und blieb in einem sehr traditionellen Sinn katholisch: „Den heiligen Antonius hielt ich für den mächtigsten Heiligen. Selbst Jesus schien mir weniger machtvoll zu sein. Dieses Gefühl haben viele Katholiken auf Sri Lanka: Wenn wir etwas brauchen, gehen wir zum heiligen Antonius. Ihm machte ich ein Gelübde: Wenn du mir die Chance gibst, in den Mittleren Osten zu gehen, gebe ich dir jedes Jahr einen Sack Reis. Ich machte Geschäfte mit Gott!“

Er bekam die Chance, fand Jobs als Maurer, Kellner und Koch im Oman. Der heilige Antonius war noch großzügiger: Er erschien seiner Frau, die damals noch Buddhistin war, im Traum, forderte sie auf, sich taufen zu lassen – und verhalf auch ihr zur Reise in das Sultanat Oman. Dort nahmen beide an Exerzitien eines charismatischen Priesters aus Indien teil, am 7. Februar 1988, wie Millan sich präzise erinnert. Der charismatische Stil stieß ihn eher ab. Dennoch folgte er der Einladung des Priesters, eine schriftliche Lebensbeichte zu verfassen. Es war der Beginn seiner Lebenswende: Millan De Silva und seine Frau schrieben tagelang unter Tränen die eigenen Sünden nieder. Nach der Beichte lud der Priester sie ein, die Papiere zu verbrennen. „Meine Seele gehörte nun Gott!“ Mehr noch: Der indische Priester prophezeite ihm: „Du wirst eine Brücke sein zwischen den Reichsten und den Ärmsten.“

Der Himmel erhörte Millan De Silvas Gebete

Damals gehörte Millan als Koch noch zu den Armen. Doch er begann, zunächst zehn, dann 15, später 20 Prozent seines Einkommens Gott zu widmen. Gleichzeitig begann er zusammen mit seiner Frau, unter den Gastarbeitern im Oman zu evangelisieren. „Es gibt dort ein hohes Maß an Religionsfreiheit“, schildert er die Lage im Sultanat. Das Ehepaar aus Sri Lanka machte diese Erfahrung: „Wenn du Gott alles gibst, dann passt er auf dich auf. Gott wird der Partner in deinem Business.“ Millan De Silva arbeitete sich hoch, machte allerlei Studienabschlüsse, stieg in die Bauwirtschaft ein, gewann einen Prinzen des Sultanats als Businesspartner. Ja, er habe um Reichtum gebetet, gesteht er im „Tagespost“-Interview ohne die geringste Verlegenheit: „Ich betete jede Nacht: Gott, wir sind arm, aber wir müssen reich werden wie Salomo, damit alle sehen, was ich für einen Gott habe! Hilf mir, damit ich der Kirche helfen kann!“ Der Himmel erhörte seine Gebete. Millan De Silva erhielt Milliardenaufträge im Baumanagement. „Suchet zuerst das Reich Gottes, dann wird euch alles andere dazugegeben“, zitiert er.

Seine Lebensphilosophie fasst er so zusammen: „Gott braucht von uns kein Trinkgeld. Aber er wartet darauf, dass du beweist, dass du ganz und gar ihm vertraust.“ Obgleich er keine Ahnung von Filmproduktion oder vom Betrieb eines Fernsehsenders hatte, schien Millan ein katholischer Fernsehsender dringend notwendig. Er habe dafür weder das Geld, noch die Lizenz noch das Fachwissen, warnten die einen. Die Bischöfe Sri Lankas würden es einem Laien nie erlauben, einen katholischen Sender zu gründen, warnten die anderen.

„Verbum TV“ will Gottes Wort in jedes Haus bringen

Millan De Silva ließ sich nicht abschrecken: Er verpfändete sein Haus und gewann das Vertrauen des Kardinals von Colombo, Malcolm Ranjith. 2014 segnete der Kardinal das erste Studio von „Verbum TV“, dem einzigen katholischen Evangelisationsfernsehen auf Sri Lanka, wo es neben vier staatlichen auch drei buddhistische und etliche kommerzielle TV-Kanäle gibt. Bis heute steckt Millan sein Geld hinein, während die Bischofskonferenz das Projekt mit ihrem Wohlwollen und ihrem Segen begleitet.

„Heute sind die Bischöfe glücklich über „Verbum TV“, weil es wirklich katholisch ist – und weil sie die Früchte sehen“, strahlt Millan. In seinem Team hat er einige buddhistische Techniker, sonst jedoch nur Katholiken. Das ist kein Zufall: „Verbum TV“ versteht sich als Versuch, das Wort Gottes in jedes Haus in Sri Lanka zu bringen. Und das 24 Stunden am Tag und in drei Sprachen: Singhala, Tamil und Englisch. In den Nachtstunden übernimmt der Sender englische Programme von EWTN. Der erste und bislang einzige katholische TV-Sender auf der Tropeninsel im Indischen Ozean thematisiert die anderen Religionen nicht, sondern will schlicht und emotional Jesus verkündigen. Ob man angesichts einer 70-prozentigen Bevölkerungsmehrheit der Buddhisten missionarisch sein wolle? Millan De Silva lächelt breit: „Die Identität von ,Verbum TV‘ ist zu hundert Prozent katholisch. Aber ich weiß, dass uns auch Buddhisten sehen. Und wir bekommen auch Briefe von Methodisten und Anglikanern. Mein Hauptanliegen ist, aus den Katholiken wahre Katholiken zu machen.“

Gebete statt Sensationsberichte

Als am Ostersonntag islamistische Terroristen das Antonius-Heiligtum in Colombo und die St. Sebastianskirche im katholischen Fischerdorf Negombo attackierten und dort hunderte Menschen mit sich in den Tod rissen, war Millan De Silva mit seinem Team von „Verbum TV“ rasch vor Ort. Allerdings nicht, um Sensationsberichte zu senden oder Interviews zu führen, sondern „um die Menschen im Gebet zu stärken, bis dann die Priester zu ihnen kommen konnten“. In Negombo, wo 115 Gläubige an diesem Osterfest den Tod fanden, nahm er mit dem Kaplan ein Gebet auf, das „Verbum TV“ landesweit immer und immer wieder ausstrahlte.

Alle anderen Sender brachten Nachrichten, Millan De Silvas Sender jedoch ging es um die Stärkung der Gläubigen durch das Gebet. „Unser Auftrag ist, Christus lebendig werden zu lassen in den Herzen der Menschen“, sagt er. Und er ist ganz davon überzeugt, dass seine drei Kinder, die in seinen Unternehmen arbeiten, diese Mission fortführen werden: „Als meine Frau das erste Mal schwanger war, legte ich meine Hände auf ihren Bauch. Wir beteten, dass Gott dieses Kind zu einem wahren Missionar mache.“

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Stephan Baier Bischofskonferenz Bischöfe Buddhisten Geistliche und Priester Islam Jesus Christus Kardinäle Katholizismus König Salomo Missionare Priesterseminare

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