Erba bei Como

„Ein heiliger Paulus unserer Zeit“

Zum Tod von Emanuele Ferrario, dem Gründer von Radio Maria.
Emanuele Ferrario
Foto: Trausmuth | "Strenger Unternehmer" und betender "Missionar in der ganzen Welt": Emanuele Ferrario.

Die Weltfamilie von Radio Maria verabschiedete sich von Emanuele Ferrario: Alle 84 Radiostationen in der ganzen Welt übertrugen am 11. Juli die Beerdigung ihres Gründers und früheren Präsidenten. Am 8. Juli ist Emanuele Ferrario 90-jährig im italienischen Erba verstorben. Wenige hundert Meter Luftlinie vom Sitz der Weltfamilie von Radio Maria entfernt, wurde der Benediktineroblate am Tag des Mönchsvaters Benedikt zu Grabe getragen.

In Enthusiasmus, Idealismus und großer Einheit hätten sie 33 Jahre das gemeinsame Abenteuer geteilt, führte P. Livio Faganza, der Programmdirektor des italienischen Radio Maria, aus. Er habe Emanuele Ferrario als „strengen Unternehmer“ geschätzt und auch in seiner unglaublichen Fähigkeit, „zu arbeiten, ohne müde zu werden“.

„Du wirst Missionar in der ganzen Welt sein“

Am 11. März 1930 ist Emanuele Ferrario in Busto Arsizio in der Provinz Varese geboren; sein Vater, Piero, handelt mit Molkereiprodukten, die Mutter, Piera, ist Lehrerin. Die Pfarrei „San Michele“ und die Zeugnisse der Missionare, die sonntags ins Jugendzentrum kommen, prägen den Messdiener Emanuele. Und dann war da, in der frühen Jugend – wie er Bernhard Mitterutzner (Mitarbeiter der Weltfamilie) einmal erzählt –, diese Vision einer Stimme, die sagte: „Du wirst Missionar in der ganzen Welt sein“. Doch zunächst scheint nichts auf die Verwirklichung dieser Prophezeiung hinzudeuten. Emanuele Ferrario studiert Wirtschaft und als sein Vater stirbt, führt er – noch studierend – das Milchverarbeitungsunternehmen weiter. Bei einem Skiurlaub lernt Ferrario seine künftige Frau Anna kennen, die er 1957 heiratet und mit der er vier Kinder bekommt. 1984 wird bei Anna ein unheilbarer Tumor entdeckt, am 26. Oktober stirbt sie mit nur 48 Jahren. Es ist eine Schicksalszeit, denn wenige Wochen vor ihrem Tod reist Anna mit Emanuele nach Medjugorje. Die beiden erfahren dort viele Gnaden und Anna geht es plötzlich so unglaublich gut, dass Vittorio an eine Heilung denkt – doch dann stirbt sie.

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Und Emanuele? Als er 1986 von einem Pfarrradio mit Namen „Radio Maria“ in Arcellasco d'Erba hört, bietet er seine Mitarbeit an …. Bald arbeitet er untertags für sein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern und nachts für Radio Maria – die Fähigkeit „zu arbeiten, ohne müde zu werden“ gehörte tatsächlich zentral zu den Charismen Ferrarios. Und das Wunder beginnt: Innerhalb von drei Jahren wird Radio Maria zum zweitgrößten Privatradio in Italien mit über 400 Sendeanlagen. 1987, als Radio Maria eine Vereinsstruktur bekommt, wird Ferrario Vereinspräsident und bleibt es, bis er 2016 die Position an Vittorio Vicardi weitergibt.

Radio Maria war für ihn ein Projekt der Muttergottes

„Du wirst Missionar in der ganzen Welt sein ….“ – Ab 1994 beginnt Emanuele Ferrario Radio Maria in andere Länder der Welt zu bringen, 1998 gründet er die „World Family of Radio Maria“, die aktuell 81 Radio Maria-Stationen in 74 Ländern der Welt umfasst. „Wir müssen die ganze Welt erreichen, wir müssen überall hinkommen ….“, zitiert P. Livio Faganza bei der Beerdigung Ferrarios dessen unermüdlichen Eifer im Projekt der Muttergottes – denn das war für ihn Radio Maria: das Projekt der Muttergottes. Dass er „Gründer“ von Radio Maria sei, hörte Ferrario nicht gar so gerne, vielmehr betrachtete er sich als einen der Entdecker dieses Projekts.

Bis vor wenigen Jahren bereiste Emanuele Ferrario unermüdlich alle möglichen Radiostationen, besonders lag ihm Radio Maria in Afrika am Herzen. Auch die Malaria, die ihn in den letzten Jahren quälte, hinderte ihn nicht daran, mit vollem Einsatz weiterzuarbeiten, so nahm er noch am Vortag seines Todes an einer mehrstündigen Konferenz teil.

Das Herz im Himmel, mit dem Verstand auf der Welt

So sehr Ferrario Geschäftsmann und Unternehmer war, so tief spirituell und betend war er auch: Täglich und stündlich sei er in Austausch mit dem Himmel gewesen, auch in harten Sitzungen habe er durch Stoßgebete oftmals Türen öffnen können, so Bernhard Mitterrutzner in einem Interview mit Radio Horeb, der deutschen Radio Maria-Station. Ferrario habe das Herz ganz weit im Himmel oben gehabt, sei aber mit dem Verstand immer auf der Welt gewesen, nach neuen Horizonten suchend und nicht müde werdend, für die Gottesmutter zu arbeiten, „ein heiliger Paulus unserer Zeit“.

In seiner marianischen Prägung und in der Sendung, ein Programm der Mission mit modernen Mitteln aufzubauen, mag Emanuele Ferrario an den heiliger Maximilian Maria Kolbe erinnern, zugleich ist er ein großartiges Beispiel eines missionarischen Laien: Alles, was er an konkreten Fähigkeiten und Talenten hatte, stellte er in den Dienst Mariens, großherzig und kühn, gläubig und vertrauend.

Andreas Schätzle, der Programmdirektor von Radio Maria Österreich, würdigt Ferrarios „außergewöhnlich missionarische Gründer-Persönlichkeit. Er lebte uns vor, was zum Mission-Statement von Radio Maria wurde: ,Allen Menschen zu allen Zeiten und allen Orten das Evangelium verkünden‘.“ „Emanuele Ferrario war ein Ereignis in meinem Leben“, ergänzt Christian Schmidt, Geschäftsführer des österreichischen Radio Maria.

Von der heilenden Wirkung von Radio Maria überzeugt

2016, bei einer Privataudienz für Radio Maria, beschrieb Papst Franziskus den Sender als „ein Mittel ersten Ranges, um die Hoffnung zu verbreiten – und zwar jene Hoffnung, die aus der Erlösung kommt, die uns Christus, der Herr gebracht hat –, um vielen Menschen, die das brauchen, ein guter Begleiter zu sein.“ Übrigens war Emanuele Ferrario von der heilenden Wirkung von Radio Maria fest überzeugt: „Sie werden es in keiner Zeitung lesen, aber: Radio Maria hat überall auf der Welt beigetragen, Konflikte zu lösen und Frieden zu bringen, wo Krieg herrschte.“

Ein weltumspannendes katholisches Radionetzwerk verdankt sich dem Charisma, dem Unternehmergeist und der Vision Emanuele Ferrarios. Eine Ära gehe zu Ende, würdigte Pfarrer Richard Kocher, Programmdirektor von Radio Horeb, den italienischen Visionär, von größter Wichtigkeit sei für Radio Maria nun, das geistliche Erbe Emanuele Ferrarios treu und in großer Einheit weiterzutragen.

Kein Unterhaltungssender, sondern ein Radio der Hoffnung, des Trostes und Heilung möchte Radio Maria sein. Emanuele Ferrario hat bereits auf Erden das „Projekt der Muttergottes“ entscheidend vorangetrieben – er wird es nun vom Himmel aus begleiten.

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