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Die Fehde um Elon Musk und Twitter geht weiter

Elon Musk hat angekündigt, Twitter kaufen zu wollen. Nun gehen die Wogen hoch, weil viele, die sich dort bequem eingerichtet hatten, ihre Meinungshegemonie gefährdet sehen.
Musk und Twitter
Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) | Der Twitter-Account von Elon Musk ist vor dem Logo der Nachrichten-Plattform Twitter zu sehen. Musks Kaufabsichten werden aus dem linken Milieu als Kampfansage empfunden und mit Kampagnen bekämpft.

Stand jetzt ist der Twitter-Kauf Elon Musks vorerst vertagt. Während Musk zuerst prüfen lassen will, wie viele der Twitter-Accounts überhaupt authentisch sind, erheben Anleger derzeit eine Aktionärsklage gegen den Tech-Milliardär und gegen Twitter. Der Vorwurf: Musk habe durch Verletzung von Informationspflichten beim Aufkauf von Twitter-Aktien Geld auf Kosten der Aktionäre gespart. Und während im Zentrum der Verhandlungen technische und finanzielle Fragen stehen, tobt hinter den Kulissen des gigantischen Social-Media-Deals eine politische Schlammschlacht.

„Die Politik einer Social-Media-Plattform ist gut,
wenn die jeweils extremsten zehn Prozent auf der linken
und rechten Seite gleichermaßen unzufrieden sind“

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So twittert Elon Musk Mitte Mai bereits ahnungsvoll: „Die politischen Angriffe gegen mich werden in den nächsten Monaten drastisch eskalieren.“ Einem Yale-Medizinier, der ihm daraufhin vorhält, dass er sich nicht darüber wundern müsste „politisch behandelt" zu werden, wenn er sich „explizit politisch" gebe, hält Musk entgegen: „Ich wollte die Öffentlichkeit nur impfen. Als prominenter Impfbefürworter sollten Sie das nachvollziehen können.“ Dann setzt er einen viel zitierten Tweet ab: „Yale ist das Epizentrum des woken Gehirnvirus, das versucht die Zivilisation zu zerstören.“

Nur einen Tag später heißt es, Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX habe einer Flugbegleiterin 250 000 Dollar Schweigegeld gezahlt: Musk habe, so der Vorwurf, der Frau 2016 das Knie gestreichelt und ihr im Gegenzug für eine „erotische Massage“ ein Pferd angeboten. Der Unternehmer bestreitet den Vorwurf und bezeichnet ihn als „politisch motivierten Angriff". Und in der Tat ist der Widerstand gegen den Deal groß: Mit „Stop The Deal“ startet ein Bündnis linksgerichteter US-Organisationen sogar eine groß angelegte Kampagne gegen die Übernahme.

Pikante Interna von Twitter-Mitarbeitern

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Doch auch die Gegenseite hält sich nicht zurück: So veröffentlichte das rechtskonservative Investigativ-Projekt „Project Veritas“ mit versteckter Kamera gefilmte Aufnahmen, die hochrangige Twitter-Mitarbeiter dabei zeigen, wie sie in intimer Atmosphäre pikante Ansichten kundtun.

Einer der bespitzelten Mitarbeiter verrät ungeniert: „Twitter glaubt nicht an Meinungsfreiheit. Elon glaubt an Meinungsfreiheit." Später betont er, dass er und seine Kollegen „kommunistisch“ und „super-links“ wären – und nur Rechte zensieren würden, Linke hingegen nicht. Während erstere zu Toleranz aufriefen, benötigten letztere die Zensur. Auch bezweifelt der Twitter-Angestellte, dass „beide Parteien“ überhaupt „auf der Plattform koexistieren“ könnten.

Auch Musk kein Garant der Meinungsfreiheit?

In einem schrofferen Gegensatz zu den Ansichten Elon Musks könnten seine Aussagen dabei kaum stehen: Der nämlich vertritt einen Begriff von Meinungsfreiheit, den deutsche Linke beispielsweise gerne als „Hufeisen“ verschmähen. „Die Politik einer Social-Media-Plattform ist gut, wenn die jeweils extremsten zehn Prozent auf der linken und rechten Seite gleichermaßen unzufrieden sind“, twitterte Musk beispielsweise im April. Dass der Tech-Visionär sich hier eher an der Gaußschen Normalverteilung als am antitotalitären Konsens der Bonner Republik orientiert, liegt nahe.

Doch die politischen Implikationen sind dieselben: Die Grenzen der Meinungsfreiheit sollen entlang der extremen Ränder verlaufen. Und nicht etwa dort enden, wo subjektive Diskriminierungserfahrungen beginnen. Dennoch lässt sich die Schlacht um Twitter nicht darauf reduzieren: Vielmehr handelt es sich bei ihr um eine Fehde im neofeudal gewordenen Digitalkapitalismus. Der Lehnsherr bestimmt den Diskurston, verleiht Rückenwind – Musk würde dies genauso tun wie die derzeitige Twitter-Führung, nur eben auf seine Weise.

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