Washington D. C.

Der Trump-Flüsterer

Von Anhängern geliebt, von Kritikern geächtet: EWTN-Moderator Raymond Arroyo gilt als einflussreicher Mann im konservativen US-Spektrum. Auch die Bande ins Weiße Haus sind eng.
Raymond Arroyo interviewt Trump
Foto: EWTN/YouTube | Steilvorlagen für Trumps Wahlwerbung bei Konservativen: Raymond Arroyos Interview mit dem Präsidenten könnte große Wirkung zeigen.

Raymond Arroyo hat einen Namen unter Konservativen in den USA. Er gilt als Aushängeschild des glaubenstreuen katholischen Mediennetzwerks EWTN, hat eine Biografie von dessen Gründerin, Mutter Angelica, verfasst – und er führte das bislang einzige aufgezeichnete Interview mit Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. in englischer Sprache. In seiner TV-Sendung „The World Over“ sprach er zuletzt sogar mit dem US-Präsidenten Donald Trump. In dem zehnminütigen Interview diskutierte er zwar aktuelle innenpolitische Streitthemen. Die meist zitierte Schlagzeile dürfte allerdings Trumps Statement zum Lebensschutz gewesen sein: „Ich bin pro-life. Die Demokraten sind es nicht.“ Und in Anspielung auf den politischen Kontrahenten Joe Biden: „Niemand kann behaupten, dass Biden pro-life ist.“

Man tut Arroyo, der an einer privaten Medienhochschule der New York University studierte, nicht Unrecht, wenn man feststellt, dass sein Interview großes Wohlwollen gegenüber Trump zum Ausdruck brachte: Der Nachrichtenchef des Senders lieferte Trump quasi Steilvorlagen, die dieser natürlich nutzte, um seine politische Agenda auszubreiten. Auf dem Kurzmitteilungsdienst „Twitter“ kommentierte eine begeisterte Nutzerin: Man merke, was für ein „großartiges Verhältnis“ Arroyo zu Trump habe.

Trump-Unterstützer und Franziskus-Kritiker

Im Zuge von Trumps Annäherungsversuchen an das religiös-konservative Lager in den letzten Wochen wurde nur allzu oft darauf hingewiesen, dass der US-Präsident die Stimmen dieser Wählergruppe unbedingt braucht, wenn er Biden im November schlagen will. Interviews wie das jüngste mit EWTN sind dafür Gold wert. Dass Arroyo, 1970 in New Orleans (Louisiana) geboren, Trump eine derart große Bühne lieferte, ist kaum überraschend. Denn er gilt als entschiedener Unterstützer des Präsidenten. Regelmäßig geht er auch für den rechten Kanal „Fox News“ auf Sendung, bekanntlich Trumps Lieblingsprogramm. Arroyo interviewte Trump auch nicht zum ersten Mal: Bereits im Oktober 2016, unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl, saß er dem damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten in seinem Hotel in Miami zum Gespräch gegenüber. Damals äußerte sich Trump ausführlich zu seinem Wandel zum Pro-Life-Unterstützer. Beobachter sehen das Interview als ausschlaggebend für die Entscheidung vieler Katholiken, bei der anschließenden Wahl für Trump zu stimmen. Auch wenn das Interview durchaus kritischer geführt war als das aktuelle – schon damals ließ Arroyo seine Sympathien für Trump erkennen.

Doch Arroyo gilt nicht nur als Trump-Befürworter – er machte sich auch einen Namen als einer der Wortführer im Lager der US-amerikanischen Franziskus-Kritiker. In zahlreichen Tweets, Artikeln und auch in den Gesprächen mit seinen Gästen brachte er seine Skepsis gegenüber dem Pontifex zum Ausdruck. Die Gäste sind dabei nicht irgendwer – sondern durchaus prominent. Auch Trumps ehemalige Pressesprecherin Sarah Sanders oder dessen ehemaliger Wahlkampf-Stratege Stephen Bannon gaben sich bei Arroyo bereits die Klinke in die Hand.

„EWTN ist inzwischen zu einem einflussreichen,
bestens vernetzten Medien-Konzern avanciert“

EWTN musste in der Vergangenheit – zumindest von liberaler katholischer Seite – auch Kritik einstecken. Der Sender entferne sich von seinem Gründungsauftrag und entwickele sich von einem konfessionellen, auf Glaubensthemen fokussierten Kanal zur katholischen Variante von „Fox News“, so der im Kontext des Richtungskampfs im US-Katholizismus zu lesenden Vorwurf. Doch auch ohne liberale Polemik: Der Einfluss des Senders, auch auf die Politik, ist nicht zu unterschätzen: EWTN ist inzwischen zu einem einflussreichen, bestens vernetzten Medien-Konzern avanciert, der neben Radio- und TV-Sendungen auch Print- und Online-Angebote umfasst. Insbesondere Arroyo fungiert dabei als Bindeglied zwischen dem religiös-konservativen Publikum des Senders und der Republikanischen Partei. Seine Verbindungen in die Politik gelten als exzellent. Unter der Präsidentschaft Trumps sollen die Bande noch einmal enger geworden sein. Es mag auch mit an Arroyo liegen, dass EWTN mittlerweile zu den einflussreichsten konservativen Medien zählt.

Kritiker: Arroyo liefert Propaganda statt Nachrichten

Aber auch Arroyo selbst muss immer wieder Kritik einstecken. Ein häufig geäußerter Vorwurf ist eben der, dass er nicht einmal mehr versuche, sich um kritischen und ausgewogenen Journalismus zu bemühen. „Das ist keine Nachrichtensendung mehr, sondern einfach ein Propaganda-Arm des katholischen Anti-Franziskus- und Pro-Trump-Lagers“, heißt es in einem Artikel des „National Catholic Reporter“ zur Arroyo-Show „The World Over“. Dabei muss man festhalten: Gerade die Art und Weise, wie er Themen angeht und wie er sich in aktuellen kirchlichen und politischen Debatten positioniert, hat Arroyo unter Konservativen zahlreiche Fans eingebracht – ein Kurswechsel ist daher nicht in Sicht. Und selbst wenn es im Nachrichtengeschäft einmal nicht mehr laufen sollte: Der verheiratete Vater von drei Kindern hat sich bereits ein zweites Standbein aufgebaut – als Bestsellerautor einer Fantasy-Buchreihe für Jugendliche.

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Auch in aktuellen politischen Debatten meldet sich Arroyo rege zu Wort. Immer wieder verurteilte er auf Twitter, dass Denkmäler und Statuen in Zusammenhang mit der Rassismus-Debatte beschmiert, zerstört und niedergerissen werden. In der Diskussion um den Umgang mit der Coronavirus-Pandemie plädiert er regelmäßig für Lockerungen. „Können Sie denn nicht irgendetwas unternehmen?“, fragte er Trump in seinem jüngsten Interview in Bezug auf Bundesstaaten, die die pandemiebedingten Einschränkungen weiter aufrechterhalten. Zum Beispiel die Finanzmittel streichen, schlug Arroyo vor. Trump blieb eine konkrete Antwort schuldig, verwies stattdessen auf den Wahltag im November. Davon werde vieles abhängen. Eines dürfte sicher sein: Die Stimme Raymond Arroyos wird Donald Trump gehören.

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