Karl Lauterbach

Der Talkshowkönig der SPD war auf Tingeltour

Karl Lauterbach war 2021 so oft in den Talkrunden von ARD und ZDF zu Gast wie sonst kein anderer.
Pressekonferenz zu Corona-Impfungen
Foto: dpa | Plaudertasche: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist Talkshow-Dauergast.

Zum bereits zwölften Mal hat der Medien-Branchendienst „Meedia“ die Gästelisten der Talkshows sowohl des Ersten Deutschen Fernsehens als auch des ZDF auf die Frage hin ausgewertet, welche Gäste während eines Kalenderjahres besonders häufig auf der TV-Mattscheibe zu sehen waren. Was nicht wenige Talkshow-Zuschauer möglicherweise bereits geahnt haben, ist nun Gewissheit: Niemand war im zu Ende gehenden Jahr 2021 in den Gesprächsrunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens so oft zu Gast wie Neu-Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Auf Platz 2 der wöchentlichen Shows folgt dem SPD-Politiker mit dem FDP-Vorsitzenden und neuen Bundesfinanzminister Christian Lindner ein weiteres Ampel-Kabinettsmitglied, während auf Platz 3 die „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann gelandet ist.

In den vier wöchentlichen Talkshows von ARD und ZDF – „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maischberger. Die Woche“ und „Maybrit Illner“ – waren im Jahr 2021 insgesamt 373 unterschiedliche Personen zu Gast, 51 weniger als im Jahr 2020. Die Vielfalt auf den Gästelisten nahm also tendenziell ab.

Das dominierende Talk-Thema: Corona

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Das zeigt sich auch auf Platz 1 des Jahres-Rankings: Ganze 29 mal wurde SPD-Politiker und Neu-Gesundheitsminister Lauterbach in die vier Sendungen in diesem Jahr eingeladen. Ein neuer Rekord, der die gemeinsam mit Peter Altmaier aufgestellte Bestmarke (jeweils 14 Auftritte in 2020) weit hinter sich lässt. Zählt man seine Auftritte bei „Markus Lanz“ noch hinzu, landet Karl Lauterbach gar bei 40 Auftritten.

Zudem dominiert seit 2020 ein Thema die Sendungen wie kein anderes zuvor: die Corona-Pandemie. 2021 wurde in den 108 Ausgaben von „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maybrit Illner“ 63 mal über Corona-Aspekte gesprochen. Deutlich dahinter folgen der Wahlkampf und die Bundestagswahl (16 Sendungen) sowie die Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen (sieben Sendungen). Über andere fundamentale Themen wie die Klimakrise, Wohnungs- und Sozialpolitik wurde hingegen kaum im Talk-TV diskutiert.

„‚Maybrit Illner‘ lud Lauterbach sogar noch öfter ein –
ganze 14 mal. Zweitbeliebtester Gast bei ‚Illner‘ war Christian Linder mit sechs Auftritten“

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Am häufigsten zu „Anne Will“ eingeladen war 2021 übrigens nicht Karl Lauterbach, sondern Christian Lindner, nämlich sechsmal. Auf fünf Auftritte kamen mit Robert Habeck, Markus Söder und Manuela Schwesig weitere Spitzenpolitiker. Lieblingsgäste der „Hart aber fair“-Redaktion wiederum waren Karl Lauterbach und CSU-Generalsekretär Markus Blume mit jeweils vier Auftritten. Bei „Maischberger. Die Woche“ führt Karl Lauterbach mit sieben Sendungen die Tabelle vor der „Welt“-Journalistin Dagmar Rosenfeld (fünf) an, „Maybrit Illner“ lud Lauterbach sogar noch öfter ein – ganze 14 mal. Zweitbeliebtester Gast bei „Illner“ war Christian Linder mit sechs Auftritten.

Eine Auffälligkeit war laut „Meedia“ zudem die im Jahr 2021 deutlich größere Zahl von Politikern und Politikerinnen auf den Gästelisten. Der Hauptgrund hierfür waren neben der Pandemie die Bundestagswahl mitsamt dem Wahlkampf sowie die Regierungsbildung in den Wochen danach. Deutlich häufiger als 2020 waren demnach Akteure der CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP zu Gast– hingegen sogar seltener als 2020 kamen Politiker und Politikerinnen der Linke vor, sieben statt sechs Auftritte erreichte die AfD.

54 Prozent wollen weniger Lauterbach-Auftritte

Doch nicht nur Politiker, sondern auch Journalisten waren 2021 als Gesprächspartner gefragt: Die Liste der meisteingeladenen Journalistinnen und Journalisten führt in diesem Jahr Melanie Amann vom „Spiegel“ an: Elf mal war sie in den vier Shows zu Gast. Auf dem geteilten zweiten Platz folgen Robin Alexander und Dagmar Rosenfeld von der „Welt“ mit je neun Auftritten.

Im Falle vonTalkshow-König Lauterbach hingegen setzen beim Publikum anscheinend erste Ermüdungserscheinungen ein: Denn die Mehrheit der Menschen möchte den neuen Gesundheitsminister künftig seltener in TV-Talkshows sehen. 54 Prozent sprachen sich dafür aus, dass der SPD-Politiker in seinem neuen Amt bei Diskussionsrunden im Fernsehen kürzertreten sollte, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey ergab.

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