Bonn

DER DICKE HUND: Vernichtung statt Fairness

Viel Rechtsextremismus bei der Bundeswehr und ein Magazin jenseits der Objektivität. Journalismus im Land der Wohlgesonnenen.
Der Dicke Hund
Foto: DT | Der Dicke Hund
Früher lernte man als Journalist noch, dass dieser so freie Beruf etwas mit Verantwortung und Fairness zu tun habe. Verantwortung gegenüber den Menschen, für die man berichtete und erst recht gegenüber jenen, über die man berichtete. Verlässlich sollte man sein. Ehrlich auch. Unabhängig sowieso. Das, was man anderen zu deren Urteilsbildung anbieten wollte, sollte stimmen. Und deshalb gehörte eine saubere und unvoreingenommene Recherche dazu. Doch das ist lange her. Nicht zuletzt zwangsfinanzierte Vertreter des „Qualitätsjournalismus“ beweisen, dass sie offenbar panische Angst vor Qualität haben. 

Rasches Urteil

Das ARD-Politmagazin „Panorama“ zum Beispiel. Dort wollte man jetzt offensichtlich „beweisen“, dass es „selbstverständlich“ viel rechte Gesinnung in der Bundeswehr gibt. Gefunden hatte man einen Oberstleutnant mit dessen angeblicher Sympathie für Rechtsradikale. Zwei Likes für Nicht-Linkes hatte man von ihm gefunden. Eine Extremismus-Expertin Strobl kam zu Wort, die einfach mal rasch aburteilte. Was spielte es schon für eine Rolle, dass der – inzwischen seines Postens bei der Bundeswehr Enthobene – sehr vieles likte, zum Beispiel einen Tweet für Black Live Matter und Jan Böhmermann! Und, oh Schreck, der Soldat hatte auch einmal vor einer Burschenschaft gesprochen und im Studienzentrum Weikersheim, das die offensichtlich mit linksradikalen Organisationen gut vernetzte „Expertin“ der ARD als „Zentrum der neuen Rechten“ ausmachte. Dumm nur, dass dort auch schon Joachim Gauck, Wolfgang Schäuble, Gesine Schwan und Gerhard Schröder gesprochen hatten. Hauptsache, man kämpft auf Kosten demokratischer Bürger (in Uniform) „politisch korrekt“! Gesinnung statt Toleranz! Verfolgung statt Dialog! Vernichtung statt Fairness! Fakten können da nur stören - wie in allen Diktaturen. 

Kotau vor der Gesinnung

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Aber: Feigheit vor der Gleichschaltung ist beileibe kein Privileg nur von selbsternannten Qualitätsmedien. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) will im neuen Gesinnungsdiktat wohl nicht zurückstehen. Zum hundertjährigen Bestehen hatte man auch den Kabarettisten Dieter Nuhr um eine Botschaft gebeten. Der hatte Harmloses und Selbstverständliches über Wissenschaft gesagt als vernünftige Basis für Wissen – und dass sie „keine Heilslehre, keine Religion“ sei, die absolute Wahrheiten verkünde. Ganz im Sinne der DFG-Richtlinien, wozu „strikte Ehrlichkeit“ zählt, „alle Ergebnisse konsequent anzuzweifeln sowie einen kritischen Diskurs“ zuzulassen und gar zu fördern. 

Doch diese Selbstverpflichtungder DFG war wohl nicht so ganz ernst gemeint. Denn weil sich einige im sozialen Netz daran stören, dass Dieter Nuhr in der Lage ist, nach rechts und links (ohweiohweih!) – gleichermaßen auszuteilen, und weil der Mann, was nun wirklich unverzeihlich ist, schon mal die Klimabewegung und deren Säulenheilige Greta kritisierte, löschte die DFG die (erbetene) Wortmeldung wieder. Ein Kotau vor der Gesinnung. 

Masken fallen

Und dann ein Kotau vor eigener Unreife? Nach Kritik an der Löschung drehte die DFG erklärungstechnisch mentale Pirouetten, bot gar eine Entschuldigung bei Nuhr an – und wollte die Wortmeldung wieder online stellen. Allerdings nu(h)r kommentiert. Nuhr lehnte dieses unseriöse Angebot betreuter Meinung und Zensur ab. Tja, in Zeiten verschärfter Maskenpflicht fallen halt so viele Masken. Zeit für Zivilcourage! Der Demokratie und der Freiheit zuliebe, die man medialen und anderen Feiglingen nicht leichtsinnig überlassen sollte.

Mit Dummheit oder „Dickem Hund“ kann man solche Gesinnungsjäger nicht exkulpieren.

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