"Die Passion"

Danke, RTL!

Gerade im Netz wurde das RTL-Format "Die Passion" mit viel Spott und Häme überzogen. Doch die Einschaltquote gibt dem Sender recht. Ein Kommentar.
RTL-Oster-Produktion "Die Passion" aus Essen
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Alexander Klaws (l), Sänger, steht als Jesus und Henning Baum, Schauspieler, steht als Pontius Pilatus bei RTL-Oster-Produktion "Die Passion" auf dem Burgplatz auf der Bühne.

Der Privatsender RTL hatte am Mittwoch vor Ostern ein ganz besonderes TV-Experiment gewagt   und die Quote gibt dem Sender recht: Fast drei Millionen Menschen sahen sich an diesem Abend "Die Passion" an, eine aus Essen übertragene Neuinterpretation der Leidensgeschichte Jesu. Und nicht nur das: Mit "Wetten, dass ?"-Moderator Thomas Gottschalk als Erzähler, Musical-Star Alexander Klaws als Jesus und Schauspieler Henning Baum als Pontius Pilatus holte der oftmals als Trash-TV-Sender verschriene Kölner Sender bei den als jüngerem Publikum geltenden zwischen 11 und 49 Jahre alten Zuschauern sogar den Tagessieg.

Hashtag #diepassion wird zum Twitter-Hit

Im Internet wurde sich während der Liveübertragung vielfach an der Sendung aus Essen abgearbeitet: Gerade Programme, die in irgendeiner Art und Weise vom christlichen Glauben handeln, dürfen online erwartbar mit "sprungbereiter Feindseligkeit" (Benedikt XVI.) rechnen. Und so meldeten sich vor allem Kritiker der Sendung zu Wort und gossen online vielfach Spott und Häme über das einmalige(?) Format aus, der sich die meisten Feuilleton- und TV-Kritiker aus säkularen Medien wie der "Zeit", dem "Spiegel" bis hin zu "Bild" und "Welt" im Nachgang nur allzu gerne anschlossen - schließlich will man es sich mit der lautstarken Twitter- und Hashtag-Schickeria, die in puncto Mediengeschmack mittlerweile vielfach den Ton angibt, nicht verscherzen.

Lesen Sie auch:

Ironie der Geschichte: Vermutlich ausgerechnet wegen der massiven Kritik, die sich in den sozialen Netzwerken über "Die Passion" ergoss und beinahe jeden sich als noch so hip und fortschrittlich wähnenden  Twitter-User dazu ermunterte, im Sinne von Karl Valentins berühmten Bonmot "Es wurde bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem" auch noch den eigenen unwesentlichen Senf zur "Passion"-Schlachtplatte hinzuzugeben, geriet der Hashtag #diepassion an diesem Abend bei Twitter und Co. zum größten Hit. Und enthüllte ganz nebenbei, dass Mitläufertum sowie Mobbildung gegen einen zuvor auserkorenen Sündenbock auch 2000 Jahre nach der Passion des Herrn vielen immer noch im Blut liegt. In diesem Sinne: Danke, RTL!

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Geh  online und sei, was du willst. Unter diesem Motto könnte das Leben vieler Trans-Personen stehen, die als psychisch verletzliche Jugendliche ein Refugium hier Anerkennung finden.
12.06.2022, 09  Uhr
Sally-Jo Durney
In der Renaissance entstanden in Frankreichs westlichster Region einmalige Darstellungen des Lebens und der Passion Jesu Christi: Die Calvaires in den „Pfarrhöfen“ der westlichen Bretagne.
15.04.2022, 09  Uhr
Wolfgang Hugo
Themen & Autoren
Stefan Ahrens Jesus Christus Karl Valentin Passion

Kirche

Auch für die Ukraine kann man das Undenkbare denken. Die Liturgie und der Papst, der Umbau der Gesellschaft und eine Philosophie des Weines finden sich in der neuen Ausgabe der Tagespost.
06.07.2022, 17 Uhr
Redaktion
Eine Franziskanerinnenkongregation aus Kamerun ist bereit, ins Berliner Kloster St. Gabriel einzuziehen. Dadurch würde die Umwidmung der Anlage für säkulare Zwecke verhindert.
06.07.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung
Der heilige Anselm von Canterbury (1033–1109 wollte die Vernünftigkeit des Glaubens der Kirche erweisen. 
06.07.2022, 07 Uhr
Marius Menke
Der vom Synodalem Weg geplante Synodale Rat stößt auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Kasper zerstört ein solches Gremium die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.  
05.07.2022, 10 Uhr
Dorothea Schmidt